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Alle sind ein bisschen stolz auf ein Stück Ortsgeschichte

Der Film «Grüeni Chachle» über die Restauration des Pächterhauses lockt viele Männedörfler an.

Von Jérôme Stern Männedorf – Wenn Rolf Heusser und seine Leute ein Haus restaurieren, geschehen seltsame Dinge: In langwieriger und fachkundiger Weise wird das Haus von jüngeren «Bausünden» befreit. Schicht um Schicht entblättern die Handwerker das Objekt, um dessen ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Der Film «Grüeni Chachle» von Jürg Fraefel dokumentiert die Verwandlung des 1530 erbauten Pächterhauses in Männedorf vom baufälligen Gebäude in ein perfekt restauriertes architektonisches Juwel. Die Handwerker arbeiteten dabei wie vor zweihundert Jahren, nach denselben Handwerksmethoden. Für den Umbau kleideten sie das Haus nicht etwa mit Metallgerüsten ein, sondern zogen nach alter Manier ein Holzgerüst hoch. Wie im Märchen Und manchmal, wie in einem Märchen, hat Heusser ganz besonderes Glück – wenn ein Kachelofen irgendwo im Haus versteckt ist. In diesem Fall war es ein grünes Prachtexemplar des Stäfner Ofenbauers Hans-Kaspar Nehracher. Es hat Baujahr 1752. Leider war der Ofen nicht mehr funktionstüchtig. Darum wurde das prächtige Stück vor vielen Jahren fein säuberlich zerlegt und in Kisten verpackt. So fand Rolf Heusser diesen Kachelofen oder vielmehr dessen Einzelteile. Doch das war für den gelernten Ofenbauer kein Problem, sondern Herausforderung und Faszination zugleich. Er baute den alten Ofen geduldig und kenntnisreich neu auf. Als Heusser im Film meint, «um sich in einem Haus wohlzufühlen, braucht man schon einen Kachelofen», schmunzeln die Zuschauer, und sie hätten auch gerne einen in ihrem Haus. Überraschung nach dem Film Die erstaunliche Dorfgeschichte des renovierten alten Pächterhauses samt «Kulturschüür Liebegg» interessiert viele in Männedorf und Umgebung. Auch wenn der Film an dieser Sonntagmatinee schon zum vierten Mal gezeigt wird, müssen einige Interessierte noch zuwarten. Da die Nachfrage nach Eintrittsbilletten riesig ist, zeigt das Kino den Film zwei Stunden später nochmals. Doch die grösste Überraschung beschert Rolf Heusser den Kinogängern nach der Vorstellung: Er lädt alle zum Augenschein in sein wunderschönes neues Zuhause ein. So erzählt der Film in Kombination mit der anschliessenden Hausbesichtigung viel mehr als nur die Geschichte einer Hausrestaurierung. Das Publikum des Films, aber auch Heusser sehen Bekannte, treffen Nachbarn und Freunde. Die einen wärmen sich am Ofen, die anderen fachsimpeln. Ein Stück der Dorfgeschichte ist für einmal nicht der Spekulation geopfert worden. Ein bisschen stolz sind sie alle darauf – und auf dieses Haus mit dem grünen Kachelofen. Nach der Matinee besichtigen die Kinogänger den Ofen vor Ort.Foto: Michael Trost

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