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46 Jahre lang als Weibel in Freienstein-Teufen unterwegs

Eduard Lienhard gibt sein Amt ab. In seiner Anfangszeit hat er die Bevölkerung noch mündlich informiert.

Von Sandra Zrinski Freienstein-Teufen – Ein einfaches «Trööt» reichte, um die Bevölkerung auf die Strasse zu locken. Manchmal musste Eduard Lienhard auch zweimal in das aus Messing gefertigte Horn stossen. Denn er wusste jeweils, wer vom entsprechenden Strassenzug fehlte und seine Kunde als Gemeindeweibel hören sollte. In Teufen kannte er jeden, obwohl er auf seinen sieben Stationen durchs Dorf viele zu Gesicht bekam. 46 Jahre lang war Lienhard in Teufen als Weibel unterwegs. Bis in die 60er-Jahre las er den Einwohnern die Informationen jeweils vor: Termine für die Gemeindeversammlung, die Holzgant oder die Feuerwehrübung. «Schreibt euch das auf, damit ihr es nicht vergesst», habe er den Leuten zum Abschluss jeweils gesagt. Befolgt wurde das nicht immer. Das wusste Lienhard, weil es auch seine Aufgabe war, Bussen bei jenen einzuziehen, die nicht an der Feuerwehrübung teilgenommen hatten. «Lämpe gab das nie. Sie wussten ja, dass sie nicht gegangen waren», erzählt der heute 80-Jährige. Aber er war nicht nur im Auftrag der Gemeinde unterwegs. So überbrachte Lienhard den Teufenern auch so manche Botschaft der Genossenschaft Landi. Familientradition wider Willen In den 60ern war aber Schluss mit dem Getröte. «Der Verkehr hatte stark zugenommen, und es wurde entsprechend laut», erinnert sich Lienhard. Bereits sein Vater war als Gemeindeweibel unterwegs gewesen. «Ich habe ihm ab und zu ausgeholfen, wenn er eine Runde nicht machen konnte.» Dennoch sei er anfänglich nicht gerade begeistert von der Idee gewesen, dass er der Nachfolger seines Vaters werden solle. Das Amt nahm er dann aber trotzdem an. Und der Vater übergab ihm das Hörnli. Neben dem Horn hatte Eduard Lienhard in den frühen Jahren immer eine lederne Umhängetasche dabei. «So wie ein Pöstler. Manchmal musste ich den Leuten Geld bringen. Aber das ist schon sehr lange her.» Ebenso die letzte Runde mit dem Hörnli. Als immer mehr Informationen gedruckt wurden, begann Lienhard, diese in alle Haushaltungen zuzustellen. «Das ging dann viel länger.» Abstimmungsunterlagen, Steuererklärungen, Rechnungen und was man von der Gemeindeverwaltung noch erhält, hat Lienhard in den letzten Jahren verteilt. Per Ende Jahr gibt er sein Amt aus Altersgründen ab. Aber es bleibt in der Familie. Seine Schwiegertochter Doris Lienhard wird Teufens neue Gemeindeweibelin. Sie ist in Rorbas aufgewachsen und arbeitet dort Teilzeit im Verkauf. Sie wird das Hörnli nicht mehr brauchen. Es bleibt deshalb bei Lienhard, der es immer noch aufbewahrt. Mit einem Messinghorn machte der Gemeindeweibel Eduard Lienhard die Bevölkerung auf sich aufmerksam.Foto: Sandra Zrinski

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