Als Dank für die göttliche Hilfe gründet Hunkeler eine eigene Kirche: Die «Metropolis – The Club Church» in Oerlikon ist ein Ort, wo «Partychristen» Gott preisen können, als seien sie im Ausgang. Sie scheint ein Erfolg zu werden. Drei Monate nach der Gründung zählt die Family, wie Hunkeler die Gemeinschaft nennt, rund 100 Gläubige, dazu kommen 40 ehrenamtliche Helfer. Mehrere Medien haben darüber berichtet.
Anreissen statt verwalten
Aufstieg, Übermut, Zusammenbruch, Auferstehung – das Bekehrungsschema sitzt. Trotzdem passt Hunkelers Leben nicht ganz hinein. Anders als viele Bekehrte verurteilt er seine Vergangenheit nicht. Im Gegenteil. Der 40-Jährige macht das Gleiche wie früher: Partys organisieren. Und sie selber besuchen.
Mit Vergnügen erzählt er, wie er ein paar Abende zuvor zu viel getrunken hat. «Ich bin der alte Claude geblieben», sagt er immer wieder. An seinen Gottesdiensten gibt es Wodka-Shots und Cüpli – eine Ausnahme im freikirchlichen Milieu. «Auch bekehren will ich niemanden.» Zu seinen Freunden zählten viele Muslime und Atheisten. «Wenn sich jemand für den Glauben interessiert, kommt er von selber zu mir.»
Claude Hunkeler rutscht auf einem riesigen Sofa herum, im Hintergrund pumpt Rap mit Jesus-Texten. Vor einem Jahr ist er nach Affoltern an den Stadtrand gezogen in ein geräumiges Riegelhaus. Hier hat Hunkeler eine WG gegründet, seine vier Mitbewohner helfen alle nebenberuflich bei Metropolis mit.
Hunkeler ist leicht entflammbar, schnell kommt er ins Schwärmen. Beim Reden lacht er oft, stupst das Gegenüber an, fängt an, im Sitzen zu «shaken». Ständig schildert er mögliche Projekte, fragt: «Das wär genial, oder?»
«Einer, der Ideen durchsetzt»
Menschen, die mit «äm Clod» zusammen gearbeitet haben – und das sind Dutzende im Zürcher Nachtleben – beschreiben ihn als «Reisser», als einen, der Ideen durchsetzt, ohne sich deren Folgen lange zu überlegen. Hunkeler sei erfrischend, lustig, könne Menschen begeistern. Das Verwalten liege ihm weniger. Lieber ziehe er weiter.