Discounter in der Fraumünsterpost

Lidl expandiert in die Zürcher Innenstadt und erntet Unverständnis bei den Anwohnern. Diese kündigen Widerstand an.

Geschichtsträchtige Räumlichkeiten: Eingang zur Fraumünsterpost. (1. April 2015)

Geschichtsträchtige Räumlichkeiten: Eingang zur Fraumünsterpost. (1. April 2015)

(Bild: Keystone Walter Bieri)

Lorenzo Petrò@tagesanzeiger

«Wir brauchen keinen Billig-Discounter in unserem Quartier», sagt Christine Schmuki, Vorstandsmitglied des Einwohnervereins links der Limmat. Sie hat soeben erfahren, dass der Discounter Lidl seine erste Filiale in der Zürcher Innenstadt plant.

Ausgerechnet in den Räumlichkeiten der traditionsreichen Fraumünsterpost will Lidl-Schweiz die erste Zürcher Filiale eröffnen. Auf 1000 Quadratmetern werde künftig das vollständige Sortiment des Discounters erhältlich sein, teilte Lidl am Sonntag mit.

«Ich bin entsetzt. Das passt doch überhaupt nicht hierher», sagt Schmuki. Sie kann sich nicht vorstellen, dass viele Leute im Quartier anderer Meinung sind. «Wir haben hier den Bürkliplatzmarkt und einen Markt auf der Gemüsebrücke mit regionalen Produkten, und zwei Metzger im Quartier». Da müsse nicht ein Discounter kommen und mit ein paar regionalen Spezialitäten auf Kundenfang gehen.

Man wolle sich im Quartier zusammensetzen und sehen, wie sich der Lidl noch verhindern liesse. Schmuki hat bisher noch keine Filiale von Innen gesehen, wie sie sagt. Sie kauft lieber in kleinen Läden ein. Ein gutes Wort hat sie doch noch für Lidl übrig: Sie sei froh, dass kein weiteres Turnschuhgeschäft in der denkmalgeschützten Liegenschaft eröffnet werde.

Historische Halle wiederbelebt

Lidl Schweiz scheint sich der Besonderheit des Standorts bewusst zu sein: «Wir möchten die ursprüngliche Architektur der historischen Immobilie wieder stärker betonen», lässt sich Marco Landolt, Geschäftsleiter Expansion, zum geplanten Umbau zitieren. Das CO2-neutrale Filialkonzept – Lidl nutzt die Abwärme der Kühlschränke zum Heizen und installiert Solarpanels auf vielen Filialdächern – werde «sehr hochwertig und dem altehrwürdigen Gebäude angemessen» umgesetzt.

Die Halle im Erdgeschoss soll von den nachträglich eingebauten Elementen des Vormieters befreit werden. Auch für lärmgeplagte Anwohner hat Landolt ein Zückerchen parat: Bezüglich der Anlieferung ist Lidl mindestens so fortschrittlich wie die Vormieterin, die Post, mit ihren leisen Elektrorollern: Die Stadtfiliale in der Fraumünsterpost wird wie alle anderen Zürcher Lidl-Filialen von der Elektro-Lastwagen-Flotte des Unternehmens beliefert werden.

Die Postfiliale am Münsterhof gibt wegen abnehmender Kundenfrequenzen Ende Oktober 2016 ihren Betrieb auf und zieht an die Uraniastrasse um. Berühmt wurde die Fraumünsterpost durch den Postraub von 1997: Fünf mit Spielzeugpistolen bewaffnete junge Männer erbeuteten damals 53 Millionen Franken und schrieben so Schweizer Kriminalgeschichte.

DerBund.ch/Newsnet

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