Zum Hauptinhalt springen

Der Alltag soll warten

Die Frage beschäftigt derzeit angeblich 90 Prozent der Zürcher: Wie gelingt es, das Sommerferien-Feeling zu verlängern? Ein richtiger und einige selbst ernannte Experten liefern Antworten.

Aperölen auf dem Pedalo beim Jet d’eau in der Enge: Eine Möglichkeit, das Urlaubsgefühl auszudehnen. Foto: Urs Jaudas
Aperölen auf dem Pedalo beim Jet d’eau in der Enge: Eine Möglichkeit, das Urlaubsgefühl auszudehnen. Foto: Urs Jaudas

Kann man das Sommerferien-Feeling verlängern? Wenn ja: Wie?

Hilfreich ist es, wenn man das Arbeitstempo nur schrittweise steigert. Konkret könnte das zum Beispiel heissen, nach den Ferien nicht gerade mit einer schwierigen Sitzung zu beginnen. Man muss sich bewusst machen, dass man sich nach den Ferien wieder in einem anderen energetischen Umfeld bewegt. Einem, in dem andere Ansprüche, andere Normen, andere Werte und sogar eine andere Sprache vorherrschen.

Man soll denn Aufprall also möglichst sanft gestalten?

Genau. Die Vorbereitungen für den Einstieg fangen idealerweise schon vor den Ferien an. Indem man zum Beispiel auf einen Tag am Strand verzichtet, um rechtzeitig zu Hause ankommen zu können. Das gilt umso mehr, wenn man in anderen Zeitzonen unterwegs war. Wer die Möglichkeit hat, soll den ersten Tag nach den Ferien dafür reservieren, sich einen Überblick zu verschaffen, und zum Beispiel Mails beantworten.

Das Heimkommen fühlt sich an wie ein Neuanfang. Doch irgendwann ist der Trott zurück. Wie lange hält das Feriengefühl in der Regel an?

Es gibt Leute, meistens in Führungsfunktionen, die kommen in einen Job zurück, bei dem sich nach ihrer Abwesenheit vieles verändert hat. Sie müssen rasch wieder präsent sein. Leute in einfacheren Jobs dagegen können ihr Feriengefühl oft etwas länger behalten. Dabei kommt es auf die Person und deren Einstellung zum Job an. Wer seine Arbeit gerne tut, hat es in der Regel leichter.

Wie sollen die Leute ihre Ferien gestalten, damit sie sich erholen?

Während die einen Stimulation und Her­ausforderung im Mount-Everest-Basecamp suchen, benötigen andere nicht viel mehr als etwas Sonne und jeden Morgen ein Buffet, an dem sie sich verköstigen können. Mit sogenannten Ankern gelingt es beiden, das Feriengefühl in den Arbeitsalltag zu retten. Das kann bedeuten, dass sie Spezialitäten mit nach Hause bringen, bald damit beginnen, Ferienbilder einzusortieren, Freunde bekochen oder die Sprache weiter üben, die sie am Ferienort gesprochen haben.

Wie viele Ferienwochen sind nötig, um richtig abzuschalten?

Da gibt es grosse kulturelle Unterschiede. In Frankreich und Brasilien zum Beispiel beziehen die Leute mindestens sechs Wochen Ferien. In den USA und in Japan sind es oft nur zehn Tage, wovon längst nicht alle eingezogen werden. Wir erachten das aber als höchst problematisch. Wie Profisportler brauchen schliesslich auch Angestellte Regenerationszeit.

----------

Weiterneugieren

Einen anderen Weg einschlagen

In den Ferien werden wir alle zu Tieren – zumindest, was das Erkundungsverhalten anbelangt. Keine Anstrengung ist uns zu gross, das unbekannte Terrain auszukundschaften, kein Weg zu lang, um ihn nicht zu gehen, kein Duft zu schwach und kein Geräusch zu leise, um ihm nicht zu folgen. Wir versuchen, das neue Territorium für uns zu erobern, mit geschärften Sinnen alles zu entdecken, was es zu entdecken gibt. Denn: befriedigte Neugierde beglückt (und vergrössert den Schatz an digital festgehaltenen Ferienerinnerungen). Zurück im Alltag, weicht dieser animalische Trieb rasch der Konzentration aufs Wesentliche. Dabei wäre es ein Leichtes, nur schon mal einen anderen Heimweg zu nehmen, um in der altbekannten Gegend das verblüffend Unbekannte zu entdecken. Kurz und gut: Die streunerhafte Neugier verlängert die Ferien. (ema)?

----------

Weiteraperölen

Die «erste» Flasche öffnen

Wann beginnen eigentlich Ferien? Wann stellt sich dieses Gefühl vom Loslassen ein, dieser Moment, ab dem nur noch im Moment gelebt wird? Der Zeitpunkt kann präzis bestimmt werden: Er beginnt mit dem Öffnen der ersten Flasche! (Ob Korkenploppen oder -zischen, ob Bier, Wein oder Champagner, ist dabei völlig egal.) Beim Zuprosten weicht alle Anspannung, die Anreisestrapazen sind genau dann vergessen, jene der Rückreise so weit weg wie nie mehr in diesen Ferien. Sie merken selber, wie einfach es mit diesem Wissen nun ist, das Gefühl von Ferien in den Alltag hinüberzuretten. Sie müssen sich bloss noch für Ihre Destination entscheiden. Balkon? Parkbank? Boulevard-Café? ­Spelunke? Pedalo? Manifesta-Floss? PS. Noch ein Tipp: Trinken Sie in Massen, damit Sie vom sich einstellenden Feriengefühl auch wirklich etwas mitbekommen! (bra)

----------

Weiterlesen

In der Romanfiktion leben

Ja, stimmt: Der Roman/Krimi muss verdammt gut sein, damit es klappt (Fach- und Sachbücher sind ungeeignet, da sie in der «richtigen» Realität spielen – und diese gilt es zwingend auszublenden). Er muss derart fesseln, dass man in den Ferien ab Tag zwei das Frühstück und ab Tag fünf generell jedes Vergnügen (Ausflüge, Sonnenbaden, Nachtessen, Disco etc.) verhängt. Ab Woche zwei sollte man dann so tief in die fiktionale Realität des Buches abgetaucht sein, dass man die Leute, mit denen man in die Ferien fuhr, nicht mehr auf Anhieb erkennt (oder sie mit Namen von Buchfiguren anredet). Ist dieser Roman/Krimi auch noch dick wie ein Brückenpfeiler (damit man nach der Rückkehr noch tage- und nächtelang weiterlesen kann), wird das Experiment funktionieren. Allerdings sollte man schon wieder mal was essen, wegen der Gesundheit und so. (thw)

----------

Weiterlangweilen

Die Zeitung beiseitelegen

Hören Sie endlich auf, die Langeweile schlechtzureden! Das ist ungerecht (zumal sie sich nicht wehren kann) und falsch. Denn: Langeweile ist super, eines der grössten Gefühle überhaupt (was man an ihrer Steigerung – der «gepflegten Langeweile» – erkennen kann). Sie entsteht durch bewusstes Weglassen von Abwechslung. Die Anfänger legen sich oft mit etwas Lesbarem auf das Sofa. Alsbald wird dieser Lesestoff dann (aufgeschlagen) zur Seite gelegt. So verharrt man und überlegt, was noch langweiliger wäre, als einfach dazuliegen – und erklimmt auf diese Weise langsam den Olymp der Langeweile. Geübte Langweiler können sich ewig langweilen – oder bis sie jemand stört. Das ist dann der Punkt, an dem einen der Alltag wiederhat. Das Gute: Sie wissen jetzt, wie man ihm einfach entkommt. Genau: Legen Sie die(se) Zeitung zur Seite . . . (bra)

----------

Weiterbummeln

Am Bürkliplatz-Märt einkaufen

Das Bummeln durch einen Markt gehört zu den Ferien wie der Besuch einer Kathedrale oder eines Museums. Hier sieht, riecht und hört man das pralle Leben, hier staunt man, wie sonst nur Kinder staunen. Zudem ist man auf Märkten auf wahrer Tuchfühlung mit den Einheimischen: Sie verkaufen, was sie selber wachsen lassen, sie überraschen mit einem vielfältigen und «exotischen» Angebot. Und auf der Suche nach dem richtigen Gemüse, dem frischesten Fisch und dem zartesten Fleisch lernt man ihre Eigenheiten und Macken, ihren Charme und ihre Grosszügigkeit kennen. Deshalb ist ein Markt immer Treffpunkt, Fest und Ereignis zugleich. Also bummelt man, wieder daheim, am besten bald über den Bürkli- oder den Helvetiaplatz-Märt, kauft spanische Tomaten, Brasato, französischen Käse – und spürt ihn wieder, den merkantilen Ferienzauber. (mq)

----------

Weiterschlemmen

Den Kofferraum mit Essen füllen

Falls Sie Ihre Ferien dazu nutzen, ihr Körperfett zu reduzieren, ist dieser Tipp so nützlich wie eine Spaghetti-carbonara-Diät. Falls Sie aber zu jener Sorte Mensch gehören, deren Nachmittage jeweils lokale Köstlichkeiten und Schaumweine garnieren; wenn Sie zum Diner Primo und Secondo bestellen; wenn Sie nach dem Espresso zu Cannoli und Grappa greifen, ist er Gold wert. Und einfach umsetzbar: Sie wollen die Ferien verlängern, also schlemmen Sie weiter, wie Sie in den Ferien geschlemmt haben (von Vorteil ist es natürlich, wenn Sie einen Kofferraum voll mit jenen ess- und trinkbaren Spezialitäten mitnahmen, die Sie jeweils vor Ort genossen). Falls nicht, brauchts einen Plan B, also das «So tun also ob». Dabei bestellen Sie eine Woche lang zu jedem Mittagessen eine Flasche Montepulciano – beziehungsweise jenen Wein, den Sie in den Ferien zum Zmittag tranken. (dsa)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch