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Das Sinalco unter den Musikzeitungen

Die Musikzeitung «Loop» gibt es bereits seit zehn Jahren. Die Überlebensstrategie? Eine feine Mischung aus Sturheit und Herzblut, sagen Thierry Frochaux und Philippe Amrein.

Redaktor Philippe Amrein (links) und Verlagsleiter Thierry Frochaux mit zwei Titelvarianten für «Loop» Nummer 100. Foto: Dominique Meienberg
Redaktor Philippe Amrein (links) und Verlagsleiter Thierry Frochaux mit zwei Titelvarianten für «Loop» Nummer 100. Foto: Dominique Meienberg

«Was? Das ‹Loop› gibt es noch?» Dies ist eine häufige Reaktion, wenn man die kleine Musikzeitung erwähnt. Doch all den wie Pilze aus dem Boden geschossenen Partymagazinen zum Trotz hält sich das Blatt seit zehn Jahren tapfer. Nicht umsonst lautet der hauseigene Slogan: «Die letzte Oase in der Musikwüste.»

Thierry Frochaux, Verlagsleiter und Layouter der Zeitung, erinnert sich an die Anfänge: «Nicht als Jux, aber doch nicht ganz im Ernst» sei damals die Idee entstanden, eine eigene Musikzeitung zu gründen. Das Pionierteam bestand neben Frochaux aus Reto Baumann, Judith Wyder und Stephan Ramming. Seit 1999 leitet Philippe Amrein, der auch für den «Tages-Anzeiger» arbeitet, die Redaktion im Alleingang. «Mit Hilfe eines grossartigen Teams von freien Mitarbeitern», wie er betont. «Dass es uns heute immer noch gibt, hätte niemand gedacht, als wir 1998 nach zwei Monaten keinen roten Rappen mehr übrig hatten», sagt Frochaux. Damals schon hätte eigentlich Schluss sein müssen mit «Loop», doch man nahm noch einmal einen Anlauf - mit Erfolg.

Zehnmal jährlich erscheint das liebevoll gestaltete und inhaltlich fundierte Magazin, in einer Auflage von 10'000 Exemplaren. Gedruckt und ausgeliefert wird es zusammen mit der linken Zürcher Zeitung «P.S.», bei der Frochaux hauptamtlich als Kulturredaktor tätig ist. «Loop» bietet Plattenkritiken, Interviews sowie längere Hintergrundartikel zu jeweils einem Schwerpunkt pro Ausgabe. Die Heftthemen reichen von «Debütanten», «Schwierig», «UK vs. USA» bis «Familiensache».

Mit Eigensinn gegen Trends

Was braucht es denn, um eine unabhängige Zeitung so lange am Leben zu halten? In dieser Frage sind sich die beiden «Loop»-Macher einig: Sturheit. «Und einen grossen Eimer Herzblut», fügt Amrein an. «Und einen Colt - für alle Fälle.» Und manchmal sogar körperlichen Einsatz. In den ersten Jahren reiste Frochaux jeweils im Zug mit der Vorlage auf Diskette nach Schaffhausen in die Druckerei. «Und das nach einer pickelharten Nachtschicht im Redaktionsbüro», erzählt Amrein.

Das Layout der Zeitung hat sich im Verlauf der Jahre kaum verändert. Dieser Retro-Look hat einen hohen Wiedererkennungseffekt und wirkt sehr charmant. Dem stimmt Amrein zu: Etwas, was mit solcher Beharrlichkeit gleich bleibe, sei plötzlich wieder angesagt. «Die Leute trinken heutzutage ja auch wieder Sinalco, dessen Flaschendesign immer noch so aussieht wie vor zwanzig Jahren. Wir möchten das Sinalco unter den Musikzeitungen sein.» Frochaux ist stolz darauf, dass die Autoren auch in der 100. Ausgabe immer noch unabhängig schreiben können, über was sie wollen. «Ohne Angst, dass ein Inserent abspringen könnte.»

Im «Loop» finden auch Artikel zu Liebhaberthemen einen Platz. Etwa die Kolumne von Philipp Niederberger, in der es vornehmlich um Garagenrock-Vinylsingles geht. «Alle unsere Autoren sind in erster Linie Musikfans», sagt Amrein. Für den renommierten Journalisten Christian Gasser, auch er langjähriger «Loop»-Autor, bedeutet die Zeitung «ein kleines, aber feines Forum für aktuelle Popmusik, das mit erfrischendem Eigensinn den Hypes und Trends der kommerziellen Musikpresse gegenüber seinen Weg geht». Neben Gasser sind auch andere Korrespondenten für «Loop» tätig: Hanspeter «Düsi» Künzler berichtet aus London, Roman Elsener aus New York. Amrein ist überzeugt: «Die Mitarbeit basiert auf der Freude an der Sache.»

Kennen alle Abonnenten persönlich

Das Hauptquartier der Musikzeitung befindet sich in Zürich. Mitten im Kreis 4, in einem Büro hoch über der Langstrasse, wird das Heft produziert. Das Spektrum der Inserenten reicht allerdings vom kleinen Klub im freiburgischen Düdingen bis hin zum von Musikfans betriebenen Glaceladen in Schaffhausen. «Es ist ein Netzwerk von gleich Gesinnten», so Amrein. «Wir können mit gutem Gewissen sagen, dass wir alle unsere Abonnenten persönlich kennen», fügt Amrein schmunzelnd an. Ein paar Heimwehschweizer lassen sich die kleine Zeitung mit dem grünen Logo auf dem Cover sogar ins Ausland schicken - nach London, Peking oder Tansania. Für manche ist «Loop» zu einem unverzichtbaren Stück musikalischer Heimat geworden.

(14. Dezember 2007)

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