Zürich hat die zweithöchste Lebensqualität weltweit

Wo arbeiten ins Ausland entsandte Mitarbeiter von Firmen am liebsten? Der grosse Städtevergleich.

Internationaler Flughafen, breites Angebot an Freizeiteinrichtungen und internationalen Schulen: Expatriates lieben Zürich.

Internationaler Flughafen, breites Angebot an Freizeiteinrichtungen und internationalen Schulen: Expatriates lieben Zürich.

(Bild: Keystone)

Yannick Wiget@yannickw3

Es sind ökonomisch und politisch unbeständige Zeiten, die Europa momentan durchlebt. Der Brexit verursacht Unsicherheit, der Giftanschlag auf den früheren Doppelagenten Sergei Skripal hat zu diplomatischen Verspannungen geführt und obendrein droht ein möglicher Handelskrieg mit den USA.

Trotzdem gehören europäische Städte weiterhin zu den attraktivsten Destinationen für sogenannte Expatriates, also ins Ausland entsandte Mitarbeiter von Firmen. Im jährlich durchgeführten Städtevergleich des Beratungsunternehmens Mercer dominieren europäische Metropolen: Acht der zehn lebenswertesten Orte befinden sich in Europa, darunter drei in der Schweiz.

Zürich hat die zweithöchste Lebensqualität weltweit. Besser ist sie nur noch in Wien, das zum neunten Mal in Folge den ersten Platz im Ranking belegt. Mercer lobt unter anderem die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs und das vielfältige Kultur- und Freizeitangebot der österreichischen Metropole.

Genf und Basel schaffen es ebenfalls in die Top-10, Bern landet auf dem 14. Rang. «Im Vergleich der Lebensqualität der Schweizer Städte für Expatriates spielt die Tatsache, dass Zürich, Genf und Basel über einen internationalen Flughafen verfügen, eine wichtige Rolle. Darüber hinaus ist das Angebot an Freizeiteinrichtungen und internationalen Schulen etwas grösser als in Bern», erklärt Mercer-Expertin Narcisa Chelaru die Platzierungen.

Die einzigen nicht europäischen Städte, die einen vergleichbaren Lebensstandard bieten, sind Vancouver in Kanada und Auckland in Neuseeland, das gemeinsam mit München den dritten Platz belegt. Die erste asiatische Metropole folgt mit Singapur erst auf Rang 25, diejenige mit der höchsten Lebensqualität in Lateinamerika ist Montevideo auf Rang 77. Die irakische Hauptstadt Bagdad bildet wie auch in den Vorjahren das Schlusslicht des Vergleichs.

Dass Schweizer Städte so gut abschneiden, hat auch mit ihrem sicheren Ruf zu tun. Stockholm (Rang 23) beispielsweise verlor wegen des Terroranschlags im Vorjahr einige Plätze, das Finanzzentrum London (Rang 41) ist bei Expatriates aus demselben Grund sowie wegen Verkehrsproblemen und seiner schlechten Luftqualität ebenfalls weit weniger beliebt. Ohnehin müssen sich die westeuropäischen Metropolen ranhalten, denn Städte aus Schwellenländern holen auf.

Vor allem Osteuropa macht Boden gut. Sarajevo, Bratislava und Belgrad haben ihren Lebensstandard in den letzten zwanzig Jahren am stärksten steigern können. Auch Zagreb und Ljubljana gehören zu den Orten mit dem höchsten Anstieg der Lebensqualität seit 1998 – und dies, obwohl Städte in Schwellenländern oft mit wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen zu kämpfen haben.

Jahrzehntelange Investitionen in den öffentlichen Sektor, den Verkehr, die Infrastruktur, Freizeiteinrichtungen und Wohnraum zahlen sich langsam aus. Die Anziehungskraft der genannten Städte auf Talente und multinationale Unternehmen nimmt zu.

«Millennials haben oft hohe Ansprüche an Lifestyle und Freizeitmöglichkeiten.»Mercer

«Wie erfolgreich ein Auslandseinsatz ist, hängt vom persönlichen und beruflichen Wohlergehen des einzelnen Expatriates und dem Wohlergehen seiner Familien ab», sagt Slagin Parakatil von Mercer. «Eine schlechte Lebensqualität kann sich erheblich auf den Lebensstil eines Expatriates auswirken. Jüngere Generationen, insbesondere Millennials, haben oft hohe Ansprüche an Lifestyle, Freizeit- und Entertainmentmöglichkeiten.»

Zur Beurteilung der Lebensqualität jeder Stadt hat das Beratungsunternehmen denn auch 39 Kriterien analysiert, die aus Sicht von Mitarbeitern, die ins Ausland entsandt wurden, eine zentrale Rolle spielen. Diese Merkmale schliessen unter anderem politische, soziale, wirtschaftliche und umweltorientierte Aspekte ein. Hinzu kommen Faktoren wie Gesundheit und Bildungsangebote.

Einen grossen Einfluss auf die Lebensqualität einer Stadt haben auch die Entsorgung und die Hygiene. Dazu gehören die Abfallbeseitigung, die Abwasserinfrastruktur, die Verbreitung von Infektionskrankheiten und die Luftverschmutzung sowie die Wasserverfügbarkeit und -qualität. Mercer hat hierzu ein Spezial-Ranking erstellt, und erstaunlicherweise sind es für einmal nicht die europäischen Metropolen, die dominieren.

Die hawaiianische Hauptstadt Honolulu, die zu den USA gehört, führt diese Rangliste an, da sich die Stadt durch hohe Standards, eine sehr gute Infrastruktur bei der Abfallbeseitigung sowie eine der besten Luftqualitäten der Welt auszeichnet. Auf Platz 2 folgen Ottawa und Helsinki, vor etlichen nicht europäischen Städten.

Zürich belegt in diesem Ranking nur Platz 8. Basel, Bern und Genf folgen auf dem 14. Rang. Die Schweizer Städte haben punkto Entsorgung und Hygiene also noch Potenzial nach oben.

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