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Halbparasit als Friedhofsschmuck

Im Berner Bremgartenfriedhof, neben Gräbern und Grabsteinen, lebt die Natur üppig auf. Kleinflächigen Oasen gleich, gedeihen hier bunte und artenreiche Magerwiesen mit Wiesen-Salbei, Wiesen-Margeriten, Wiesen-Flockenblumen, Wundklee und dem aromatischen Feld-Thymian. Dazwischen finden sich hellgelbe Teppiche von einem Halbparasiten, dem Zottigen Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus).Der Zottige Klappertopf gedeiht in Wiesen und Getreideäckern. Das bis zu 50 Zentimeter grosse Kraut hat einen kantigen, dicht behaarten Stängel. Seine lanzettlichen Blätter sind regelmässig gezähnt. Der bauchige Blütenkelch ist mit den namensgebenden zottigen Haaren besetzt. Aus ihm ragt die rund 2 Zentimeter lange, zweilippige, zitronengelbe Blüte hervor. Sie besteht aus einer aufwärts gebogenen Röhre und einem charakteristischen fast zwei Millimeter langen violetten Zahn.Die Blühzeit des Zottigen Klappertopfs beginnt im Mai und dauert bis in den August. Zur Bestäubung locken die gelben Blüten Insekten an. Da der Nektar nicht leicht zugänglich ist, vermögen nur schwere Insekten wie beispielsweise Hummeln an dieses Futter zu gelangen. Beim einfach zu beobachtenden Hummelbesuch landen die Insekten auf der Unterlippe der gelben Blüte. Durch ihr Gewicht werden die Staubgefässe, die in der oberen Lippe verborgen sind, hebelartig nach unten bewegt. Der Pollen wird auf dem Rücken der Hummel abgelegt, den diese dann zur nächsten Blüte trägt, und die Pflanze wird bestäubt.Im Herbst bilden sich braune Früchte. Wenn die trockenen Samenkapseln im aufgeblähten Kelch in Bewegung geraten, ist das Klappern der Samen zu hören. Danach stirbt die einjährige Pflanze. Nur ihre Samen überleben. Diese müssen bei ihrer Überwinterung genügend Kälte bekommen, damit sie im nächsten Jahr keimen können.Dank der grünen Blätter ist der Klappertopf zur Photosynthese fähig und kann mit Hilfe des Sonnenlichts Zucker aufbauen. Da sein Wurzelwerk jedoch nur aus einem schmächtigen Hauptwurzelsystem besteht, vermag er selber nur wenig Wasser aus der Erde aufzunehmen. Daher ernährt er sich auch von anderen Pflanzen wie Gräsern und Getreide und gilt als Halbparasit. Dabei zapft er mit speziellen Saugorganen die Wurzelenden seiner Wirtspflanzen an und entzieht ihnen Wasser und Nährstoffe. Die Opfer werden geschwächt oder sterben sogar ab. Die entstehenden Lücken werden vom Klappertopf besiedelt. So lässt sich auch erklären, warum der Zottige Klappertopf in einer Wiese oft sehr dominant gedeiht.Früher verliehen die Samen des Klappertopfs nach der Getreideernte dem Mehl eine violette Färbung, wenn das Getreide nicht gründlich gereinigt wurde. Da seine Blätter und Samen den Giftstoff Aucubin enthalten, führte die Verunreinigung zu Vergiftungen. Vor allem bei Pferden traten Magen-Darm-Beschwerden und Koliken auf. Dank der verbesserten Saatgutreinigung sind solche selten geworden. Der Zottige Klappertopf kommt von der Ebene bis in die Alpen vor. Sein Verbreitungsgebiet reicht von Mitteleuropa bis in den Apennin und nach Serbien.Beat FischerDer Autor ist Biologe und betreibt das Büro für Angewandte Biologie in Bern.>

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