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Gegen Betrug beim E-Voting

Das Abstimmen via Internet wird in Zukunft möglich sein. Verschiedene Systeme werden heute in den Kantonen geprüft. Doch mit diesen kann betrogen werden, sagen Wissenschaftler. Sie präsentieren Vorschläge, um die Sicherheit zu erhöhen.

Schweizern im Ausland, die brieflich an Abstimmungen in der Heimat teilnehmen wollen, schlägt oft die Post ein Schnippchen: Ihre ausgefüllten Stimmzettel treffen zu spät in der Schweiz ein. Obschon Auslandschweizer stimmberechtigt sind, können sie in gewissen Fällen gar nicht an Abstimmungen teilnehmen. Ihre Organisationen fordern deshalb schon seit Längerem das sogenannte E-Voting, die Stimmabgabe über Internet. Seit einigen Jahren laufen Pilotprojekte in den Kantonen Zürich, Neuenburg und Genf – bisher allerdings nur für eine kleine Gruppe von Stimmbürgern im Inland.

Diese Pilotprojekte funktionieren allesamt. Doch wie sieht es mit der Sicherheit aus? Kann das Abstimmungsergebnis manipuliert werden? Eine Vielzahl von Sicherungen erschwere eine Manipulation, beteuern die Betreiber. Und in der mehrjährigen Pilotphase habe man noch nie einen Betrug entdeckt. Bloss: Theoretisch wäre eine Manipulation denkbar. Dies sagen Wissenschaftler um Eric Dubuis, Bernhard Anrig und Rolf Haenni von der Berner Fachhochschule in Biel. Besonders perfid bei einem raffinierten Betrug: Die meisten heute in der Praxis eingesetzten Systeme sind so aufgebaut, dass man einen solchen unter gewissen Umständen gar nicht entdeckte. Um ein wirklich sicheres System zu haben, müsse es von Grund auf anders konstruiert sein, warnen die Informatiker.

Möglichkeiten zur Manipulation

Die Gefahr, dass Cyberkriminelle die Demokratie unterwandern, ist in den nächsten Jahren freilich noch gering. Solange das E-Voting auf eine relativ kleine Personengruppe wie die Auslandschweizer beschränkt ist, hätte eine Hackerattacke eine vergleichsweise geringe Auswirkung auf das Abstimmungsergebnis. Es existieren allerdings langfristige Pläne, die gesamte Kommunikation zwischen Bürgern und Behörden elektronisch zu gestalten – dies unter dem Stichwort E-Demokratie. So könnte es dereinst zu einer normalen Abstimmung gehören, dass drei Viertel oder noch mehr Stimmen über das Internet abgegeben werden. «Wenn die Bürger dabei nicht vollstes Vertrauen ins Abstimmungssystem haben, könnte bei einem knappen Abstimmungsergebnis schnell der Verdacht eines Betrugs aufkommen», sagt Anrig. Möglichkeiten zum Betrug gibt es einige:

Die Computersysteme selber könnten manipuliert werden. Selbst wenn man davon ausgehe, dass die Programmierer nicht aus eigenem Antrieb manipulierten – die Möglichkeit dazu hätten sie, sagt Haenni. Und dies mache sie erpressbar.

Der (illegale) Stimmenkauf ist bei der elektronischen Stimmabgabe sehr viel einfacher als bei der brieflichen. Mit den Pilotsystemen funktioniert der Zugang über wenige Codes, die nur für eine Abstimmung gelten (siehe Kasten). Ein nicht an der Abstimmung interessierter Bürger hätte die Möglichkeit, seine Stimme zu verkaufen. Über eine Internetseite im Ausland könnte der Stimmenkauf im grossen Stil und anonym betrieben werden. Bei der brieflichen Abstimmung, so wie wir sie heute kennen, ist es hingegen kaum möglich, einen anonymen Stimmenkaufring aufzubauen, sagt Anrig. Denn die Postadresse dieses Rings wäre bekannt.

Die Internetabstimmung erfolgt über die Computer der Stimmbürger. Auf diesen Rechnern können sich Viren und Schadprogramme einnisten. «Einen Beweis, dass der einzelne Computer so funktioniert, wie es der Benutzer annimmt, gibt es nicht», sagt Dubuis. So könnte sich ein Schadprogramm verbreiten, das dem Benutzer vortäuscht, mit dem Abstimmungsserver verbunden zu sein. Ein solches Programm wäre jedoch fremdgesteuert und gäbe nicht zwingend die Stimme des Bürgers weiter.

Dieses Problem könnte gelöst werden, wenn der Staat seinen Bürgern kleine, nicht manipulierbare Wahlgeräte abgäbe. Diese könnten für die Internetverbindung an einen Computer angeschlossen werden. Die Abstimmung selbst erfolgte allerdings auf den Kleingeräten. Weil es schwierig sein wird, solche Geräte kostengünstig herzustellen, muss bezweifelt werden, dass sich diese Lösung durchsetzen wird.

Die Bieler Forscher denken vielmehr daran, eine neue Art von E-Voting-Systemen zu entwickeln. Bei den bisherigen Pilotsystemen sei nicht nachvollziehbar, was nach der Stimmabgabe erfolge. «Am Ende wird einfach ein Resultat ausgespuckt», sagt Haenni. Die Funktionsweisen der Systeme sind entweder geheim – etwa bei dem des Kantons Neuenburg, das von einer spanischen Firma entwickelt wurde – oder zumindest nicht vollständig offengelegt.

Selbst nachzählen

«Wir müssen jetzt über eine neue Generation solcher Systeme nachdenken, die offen und transparent gebaut sind», sagt Dubuis. Mindestens für gebildete Laien müsse es verständlich sein, wie diese Systeme im Grundsatz funktionierten. Die Transparenz könne gar so weit gehen, dass die elektronische Stimmurne der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde. Interessierte Bürger hätten so die Möglichkeit nachzuzählen.

Ob ein solches neues System schon bald entwickelt wird, ist allerdings ungewiss. Die Schweizer Kantone dürften sich schon bald für ein E-Voting-System entscheiden. Aus Kosten- und Zeitgründen haben die drei bereits entwickelten Pilotsysteme dabei die Nase vorn.

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