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Woche der Wahrheit für Grossbanken

Das ist nicht schlecht: am Freitag, dem 13., ein Wochenplus des SMI von 0,1 Prozent. Nach einem 5-Prozent-Indexsturz in New York am letzten Dienstag hätte es auch anders laufen können.

38746000000 Franken: Auf diese fast unvorstellbare Zahl addieren sich ohne Steuergutschriften die Verluste, mit welchen UBS und Credit Suisse am Dienstag und Mittwoch die Öffentlichkeit schockten. Sie entspricht etwa 7,5 Prozent des Leistungstotals der Schweizer Wirtschaft. Nun gut, das effektiv ausgewiesene Defizit der beiden Institute ist kleiner, verringert eben um steuerliche Verlustvorträge von insgesamt 11,362 Milliarden. Sie haben sie in ihren Rechnungen aktiviert. Aber echte Leistungen stecken nicht dahinter. Ob die zuständigen Fiskalbehörden die Abzüge überall vollumfänglich akzeptieren werden, bleibt erst noch abzuwarten.Potenziertes «Annus horribilis»Wenn unzählige Börsenberichterstatter Ende Dezember das letzte Jahr als «Annus horribilis» bezeichneten, so gilt diese Charakterisierung jedenfalls besonders auch und um ein Vielfaches potenziert für die Grossbanken. Ihren Aktienkursen hat ihre jetzt veröffentlichte Schreckensbilanz freilich nicht mehr sichtlich geschadet. Sie beenden diese «Woche der Wahrheit» sogar mit kleinen Kursgewinnen, was an sich umso mehr erstaunen könnte, als sich die global den Börsentakt vorgebenden Wall-Street-Akteure noch zur Wochenmitte völlig konsterniert über die erweiterten Pläne der US-Behörden zur Stützung des Finanzsystems zeigten. Ein weiteres Musterbeispiel mithin des mitunter irrationalen Verhaltens der Börsen? Nicht unbedingt.In den Aktienpreisen kristallisieren sich jeweils die Erwartungen der Marktteilnehmer hinsichtlich des Ertragsverlaufs der zugehörigen Unternehmen. So ist, was UBS und CS nun an Zahlen offenlegen, im Kurszerfall, den sie, die Nummer eins vorab, mit ihren Titeln in den letzten Monaten erlebten, schon weitgehend vorweggenommen worden. Nochmals mächtig – über die temporären Verwerfungen bei der CS vom Mittwoch hinaus – gerumpelt hätte es, wenn sie mit ihren Neuigkeiten die negativen Marktschätzungen weit übertroffen hätten. Stattdessen haben sie mit ihren Aussagen zur aktuellen Geschäftsentwicklung das Sentiment für sie eher günstig beeinflusst.Grautöne hellen sich sachte aufFür wie lange, bleibt abzuwarten. Die Weltwirtschaftskrise ist nicht ausgestanden. Davon zeugen die Billionensummen, welche Regierungen und Parlamente rund um den Globus derzeit zusätzlich zu bereits früher gesprochenen Summen zur Nachfragestimulierung lockermachen wollen. Bis diese jedoch greifen, werden noch viele Hiobsbotschaften makroökonomischer wie betrieblicher Natur die Märkte und speziell das Kurstreiben in den Finanztiteln verunsichern. Immerhin fällt auf: In den Analyseabteilungen der Banken hellen sich die Grautöne in den zukunftgerichteten Kommentaren teilweise sachte auf. Eine Stabilisierung – immer noch nahe den absoluten Tiefstständen – zeichnet sich überdies bei etlichen volkswirtschaftlichen Stimmungsindikatoren ab, und zwar nicht nur in der Schweiz, wo beispielsweise die Privathaushalte die Lage im Januar weniger pessimistisch beurteilt haben als im Oktober.Das Glas somit halb voll oder halb leer? Die Antwort lautet: mal so, mal so. Je nachdem, wie zufällig an einem bestimmten Tag die Optik eingestellt ist, fällt die Marktreaktion auf bestimmte Ereignisse positiver oder negativer aus. So etwa haben die soliden ABB-Zahlen – zweitgrösster Gewinn in der Firmengeschichte – in der Unsicherheit, wie sie am Donnerstag immer noch von Amerika ausging, nur ganz am Anfang Traders zu Käufen animiert. Sie indes mussten bald konstatieren, dass sich das Gros der Marktteilnehmer von ihrer Kauflaune nicht anstecken liess. Bemerkenswert wohlwollend sprangen die Investoren hingegen gleichentags mit Straumann um. Für den Dentalimplantathersteller waren eben nach früheren Gewinnwarnungen die Erwartungen so tief geschraubt worden, dass er sich mit dem effektiv ausgewiesenen Ertragseinbruch schon wieder fast vorteilhaft in Szene setzte. In seinem Windschatten verbesserte sich sogar auch Konkurrentin Nobel Biocare deutlich.Logischer Abgang bei Swiss ReNiemanden mehr verblüffen konnte am Donnerstag Swiss Re, als sie eine Woche nach der Präsentation desaströser Konzernzahlen die Meldung vom Rücktritt ihres Konzernchefs Jacques Agrain nachschob. Ihre Aktienkurse sprangen trotzdem (und obwohl in den Augen der Börsianer auf Verwaltungsratsebene weitere Abgänge fällig wären) nach oben. Im Versicherungssegment war sonst im Allgemeinen eher sozusagen der Bär los. Die Anleger fürchten, dass neben dem konjunkturbedingt schwächeren technischen Geschäft zurzeit auch die Finanzerträge arg unter miesen Marktbedingungen leiden. Gerade der Lebensversicherer Swiss Life habe derzeit nichts zu lachen. Zurich Financial Services gereichten Gerüchte, wonach sie am Autogeschäft von AIG interessiert sei, nicht eben zum Kursvorteil.Nestlé und Roche auf TauchkursNicht mehr unbedingt verlassen kann man sich im Moment auf die defensiven Qualitäten der Pharmaschwergewichte und Nestlés. Die Aktie des Nahrungsmittelkonzerns notierte am Freitag so tief wie seit Mitte 2006 nie mehr, Roche ist beim letztjährigen Tief und das heisst nahe den Tiefstkursen 2005 angelangt, und nicht mehr gross ist der Novartis-Abstand vom Tiefst der 2002er-Baisse. Die Frage sei jetzt, meinte ein Händler: Bahnt sich da eine nächste Ausverkaufsphase an, oder lässt sich die Entwicklung so deuten, dass der allgemeine Risikoappetit im Steigen begriffen ist? Immerhin sah man bisweilen – sie könnten das Letztere bestätigen – Ansätze einer Besserung, in einzelnen zyklischen Werten wie etwa Dufry, Fischer oder Sulzer.Gerüchte um VekselbergUm Sulzer und auch OC Oerlikon ranken sich immer wieder Gerüchte, die an der Person ihres Hauptaktionärs Viktor Vekselberg festgemacht werden. So hiess es etwa Anfang Woche, die beiden Gruppen sollten zusammengeführt werden. Über die industrielle Zweckmässigkeit einer solchen Verbindung dürften sich die Urheber solcher Spekulationen wenig Gedanken machen. Hauptsache, sie können damit die Kurse bewegen. OC Oerlikon hat am Donnerstag durch die erste Trendmeldung von Meyer Burger zum Geschäftsjahr 2008 Auftrieb erhalten. Das Thuner Solartechnik-Unternehmen hat seinen Umsatz mehr als verdoppelt und seine Margenziele übertroffen. Zudem sieht es im derzeit zwar gedrückten Solarmarkt keinen Trendbruch.>

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