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«Wir ändern unsere Kreditpolitik nicht»

Trotz Wirtschaftsabschwung sei keine grundsätzliche Verschärfung der Kreditpolitik geplant. Einige Kreditnehmer müssten aber mit höheren Zinsen rechnen. Dies sagt Barend Fruithof, Chef des Schweizer Firmenkreditgeschäfts der Grossbank Credit Suisse.

«BUND»: Die Innerschweizer Industriefirma Stewo hat letzte Woche erklärt, sie müsse den Betrieb schliessen, weil ihre Hausbank Credit Suisse den Kredithahn zugedreht habe. Muss man nun für die nächsten zwölf Monate mit vielen solchen Meldungen rechnen?Barend Fruithof: Eines möchte ich betonen: Wenn es eine Chance für die Weiterexistenz eines Betriebes gibt, dann helfen wir dabei, denn dies ist auch für uns ökonomisch die bessere Lösung. Dafür muss aber ein nachhaltiges Geschäftskonzept vorhanden sein, es braucht vernünftige Branchenperspektiven, und wir müssen ein gewisses Vertrauen in das Management haben. Ein Konkursfall ist für uns immer das letzte Mittel und die schlechteste Variante – allein schon deshalb, weil wir dann in der Regel relativ viel abschreiben müssen. Über einzelne Fälle kann ich mich nicht äussern.Doch werden Ihre Einschätzungen darüber, was ein nachhaltiges Geschäftskonzept und was gute Branchenperspektiven sind, durch die Erwartung des Konjunkturabschwungs nicht deutlich kritischer?Unsere Kreditpolitik ist langfristig orientiert und wird so schon seit Jahren angewendet. Wir verändern sie nicht aufgrund von Konjunkturschwankungen. Für jede Kreditvergabe wird das Unternehmen beurteilt. Es erhält ein Rating, auf welchem dann die Konditionen beruhen. Neben einer Reihe von quantitativen und qualitativen Kriterien beinhaltet unsere Beurteilung auch Annahmen über die künftige Entwicklung des Unternehmens. Wenn sich diese Annahmen verschlechtern, kann dies wegen des erhöhten Risikos zu höheren Zinssätzen führen oder dazu, dass wir Bedingungen für Anpassungen im Unternehmen stellen. Wir drehen nie einfach den Kredithahn zu.Doch müssen viele Kreditkunden im nächsten Jahr mit höheren Zinssätzen rechnen, weil die Bank mit höheren Risiken kalkuliert?Für eine genaue Antwort ist es zu früh. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, die überwiegende Zahl der Kunden muss nicht mit einer Erhöhung des Risikozuschlages rechnen, weil die Unternehmen gut vorbereitet und sehr flexibel in der Anpassung ihrer Kapazitäten sind. Einige Fälle mit höherem Risikozuschlag wird es aber sicher geben. Die Schweiz durchlebte in den 90er-Jahren eine grosse Kreditkrise. Die Banken und die Unternehmen haben viel daraus gelernt. Viele Schweizer Firmen weisen heute eine relativ hohe Eigenfinanzierung und einen guten Cashflow aus. Sie sind effizient und liquide. Das heisst: Unsere Unternehmenskunden sind gut positioniert, eine Krise von einem oder zwei Jahren zu überstehen.Die Nationalbank hat diese Woche erklärt, dass die Geschäftsbanken wegen des Wirtschaftsabschwungs mit höheren Rückstellungen im inländischen Kreditgeschäft rechnen müssen. Werden Sie nicht versuchen, diese Risikozunahme durch eine Zinserhöhung für die Kreditkunden wieder hereinzuholen?Es ist normal, dass die Rückstellungen in einem Wirtschaftsabschwung steigen. Aber im Verhältnis zum gesamten Kreditvolumen wird das einen kleinen Betrag ausmachen. Im Übrigen: Einfach die Zinsen erhöhen können wir gar nicht. Dazu ist der Wettbewerb viel zu intensiv.Ein spezielles Problem für die Grossbanken sind die hohen Verluste im Ausland, die verschärften Eigenmittelvorschriften und der damit verbundene Zwang zur Senkung der Risiken und zur Schrumpfung der Bilanz. Auch wenn dies vor allem das Investment-Banking im Ausland betrifft: Wird dies nicht auch zu einer Verschärfung der Kreditpolitik im Inland beitragen?Das Risikobewusstsein der Bank ist sicher stärker geworden. Das ist normal bei einer schwieriger werdenden Wirtschaftslage. Aber deswegen ändern wir unsere Kreditpolitik nicht. Wir wollen ein verlässlicher Partner sein. Hinzu kommt, dass bei der Verschärfung der Eigenmittelvorschriften durch die Aufsichtsbehörden das Schweizer Geschäft nicht betroffen ist. Und der Wettbewerb in diesem Geschäft ist wie gesagt sehr hart: Es ist oft schwierig, Kreditgeschäfte zu bekommen.Gilt das nur für das Geschäft mit Wohnbauhypotheken oder auch für KMU-Kredite?Das gilt auch für KMU-Kredite. Es gibt dort nach wie vor einen harten Preiskampf. Gewisse Geschäfte können wir aus Konkurrenzüberlegungen nicht machen – weil andere Banken den Kunden bessere Konditionen bieten.Wie hat sich denn Ihr Firmenkreditvolumen entwickelt?Im Geschäft mit Schweizer Firmenkrediten ist das Volumen in diesem Jahr ungefähr um eine Milliarde Franken gestiegen. Wir sind hier stärker gewachsen als die Schweizer Gesamtwirtschaft.Und welches Kreditvolumen planen Sie für das kommende Jahr?Wir planen im Kreditgeschäft nicht einfach nach Volumen. Wir wollen unsere Kunden über den Kredit hinaus auch mit weiteren Dienstleistungen unterstützen. Und nochmals: Wir haben nichts an unserer Kreditvergabepolitik geändert. Aber bei rezessiven Tendenzen in der Wirtschaft dürfte die Nachfrage nach Krediten zurückgehen, weil viele Unternehmen gewisse Investitionen zurückstellen. Alles in allem gehe ich davon aus, dass wir 2009 ungefähr ein ähnliches Kreditvolumen haben wie in diesem Jahr.Wie stark spüren Sie denn schon die Zurückhaltung der Firmen in der Beanspruchung von Krediten?Es gibt Branchen, in denen man schon eine Zurückhaltung spürt. Zum Beispiel in den Zulieferbranchen für die Autoindustrie und die Textilindustrie. Anderseits gibt es eine erhöhte Nachfrage gewisser Firmenkunden, weil sich diese derzeit nicht mehr mit der Ausgabe von Obligationen finanzieren können und daher Bankkredite möchten.Wie beurteilen Sie zurzeit die Finanzlage der Schweizer KMUs?Die Bilanzen der Schweizer Firmen sind sehr solide. Die Ertragslage ist bei vielen Firmen in diesem Jahr noch gut, weil vor allem der Jahresbeginn noch stark war. Hingegen stellt man an einigen Orten eine Verschlechterung der Auftragslage fest, etwa bei den Zulieferindustrien. Die kurzfristigen Auftragseinbussen können dort das Bild aber überzeichnen, weil die Abnehmer zuerst einmal ihre Lager abbauen und erst später wieder bestellen. In zwei bis drei Monaten wird man mehr sagen können. Die Nationalbank hat ihren Leitzins, den Satz für dreimonatige Blankokredite unter Geschäftsbanken (3-Monats-Libor), alleine seit Anfang Oktober um über 2 Prozentpunkte gesenkt. Welchen Einfluss haben die Leitzinssenkungen auf Ihre Finanzierungskosten?Der Libor ist am Kapitalmarkt oft die Ausgangsbasis für die Gesamtverzinsung: Libor plus ein Risikozuschlag von x Prozent. Daneben sind für uns auch unsere Kundengelder eine wichtige Finanzierungsbasis. Deren Verzinsung bewegt sich nicht immer direkt im Gleichschritt mit dem Libor-Satz, aber in der Tendenz und nach einer gewissen Verzögerung ist in der Regel eine ähnliche Bewegung festzustellen.Was heisst all dies unter dem Strich für die Kunden: Wie stark profitieren Ihre Kreditkunden von der deutlichen Senkung des Leitzinses durch die Notenbank?Wenn die Nationalbank den Leitzins seit Ausbruch der Finanzkrise nicht gesenkt hätte, müssten die Kreditkunden heute deutlich höhere Zinsen bezahlen. Die Zinssätze für die Kreditkunden sind aber nicht gleich stark gesunken wie der Libor-Satz. Dies weil die Banken am Kapitalmarkt wegen der gestiegenen Risiken höhere Zinszuschläge auf dem Libor-Satz zahlen müssen, was unsere Refinanzierungskosten erhöht hat. Zudem kann es sein, dass wir in einem Wirtschaftsabschwung von einigen Kreditkunden wegen verschlechterter Aussichten einen höheren Risikozuschlag verlangen müssen.>

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