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Wer verdient an Glasfasernetzen?

Energie Wasser Bern und andere Elektrizitätswerke investieren Millionenbeträge in Glasfasernetze für Telefon, Internet und Fernsehen. Ihr Problem: Die Swisscom wird ihr grösster Kunde sein, aber auch ihr grösster Konkurrent.

Jede dieser haardünnen Glasfasern kann fast unendlich viele Daten übertragen. (Keystone)
Jede dieser haardünnen Glasfasern kann fast unendlich viele Daten übertragen. (Keystone)

In allen grossen Schweizer Städten wollen die Stromversorger haardünne Glasfasern verlegen, um damit vom Telekommunikationsgeschäft zu profitieren. Die Frage ist, ob sie damit Geld verdienen können. Denn erstens sind die Investitionskosten hoch. Zweitens ist im Voraus klar, dass die Swisscom die grösste Kundin des neuen Netzes sein wird. Sie hat am meisten Telefon- und Internetabonnenten. Letzteres weiss auch Energie Wasser Bern (EWB), jenes Unternehmen, das die Stadt Bern mit Strom versorgt. Das EWB hat vor zwei Wochen die Eckpunkte für die künftige Zusammenarbeit mit der Swisscom vereinbart. Möglichst noch vor den Sommerferien soll der definitive Vertrag unterzeichnet werden, wie die beiden Unternehmen mitteilten. Bis es so weit ist, müssen aber noch entscheidende Fragen geklärt werden.EWB kann günstig bauenVereinbart ist, dass EWB das Netz baut. Das Stromnetz in der Stadt Bern müsse ohnehin an vielen Orten erneuert werden. Die Glasfaserkabel könnten deshalb vergleichsweise günstig in die bereits geöffneten Kabelschächte gelegt werden, sagt EWB-Sprecher Thomas Hügli. Die Kosten für die Erschliessung der ganzen Stadt Bern werden auf 200 Millionen Franken geschätzt. Für diesen Betrag erschliesst EWB alle Wohnungen und Büroräume mit Glasfaserkabeln. Jedes dieser Kabel enthält mehrere Fasern. Die Swisscom kann eine dieser Fasern auf dem gesamten Stadtgebiet für sich nutzen: Das ist einer der wichtigsten Punkte, auf die sich EWB und Swisscom geeinigt haben. Ohne dieses Exklusivrecht für eine Faser hätte die Swisscom wohl darauf beharrt, selber Glasfaserkabel zu verlegen. EWB spricht aber auch mit andern Firmen über den Datentransport auf jener Faser, die nicht von der Swisscom benutzt wird. Mit Sunrise und dem TV-Netzbetreiber Finecom hat EWB bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet. Mit Orange steht der Abschluss laut Hügli unmittelbar bevor. Der heikelste Punkt ist, wie viel die Swisscom und die andern Unternehmen für die Nutzung dieser Faser bezahlen müssen. Um diese Beträge wird intensiv verhandelt. Eine Lösung könnte sein, dass Swisscom und ihre Konkurrenten die Kosten gemäss ihrem Marktanteil übernehmen müssen, wie Marc Furrer, der Präsident der Kommunikationskommission (Comcom), in einem Interview mit der «Handelszeitung» sagte. Ein solches Modell werde in Basel geprüft. Ähnlich wie EWB in Bern bauen die Industriellen Werke Basel (IWB) das Netz in eigener Regie. Sie verlegen ebenfalls mehrere Fasern und werden voraussichtlich eine davon der Swisscom vermieten. Die Verhandlungen über die Höhe des Mietpreises seien im Gang, sagte IWB-Sprecher Dietmar Küther. Wichtig sei, dass die andern Anbieter das Netz zu denselben Bedingungen nutzen können wie die Swisscom.Pro Kunde oder pauschalEin mögliches Modell ist, dass die Swisscom eine Grundmiete bezahlt sowie einen Zusatzbetrag pro Endkunden. Dabei ergibt sich jedoch ein Problem: Die Swisscom schliesst nicht nur einzelne Büros oder Wohnungen an ihr Netz an. Auch ihre Konkurrenten wie Sunrise, Orange und andere können die Glasfaserinfrastruktur der Swisscom künftig nutzen. Und sie werden wiederum Tausende von Endkunden haben. Deshalb wird die Lösung wohl eher in Richtung einer Pauschalabgeltung gehen.Das Hauptproblem für die Elektrizitätswerke wird sein, dass Swisscom sowohl die grösste Kundin sein wird als auch die grösste Konkurrentin der Glasfasernetze.Technisch werden bei den Telekommunikationsnetzen drei Ebenen unterschieden: • Die unterste Ebene besteht aus den reinen Glasfaserkabeln. Diese werden in Basel und Bern von den Elektrizitätswerken in Absprache mit der Swisscom erstellt. In Freiburg bauen die Groupe E und Swisscom gemeinsam. In Zürich bauen das EWZ und Swisscom in Konkurrenz.• Zur zweiten Ebene gehören die elektronischen Ausrüstungen in den Zentralen. Diese bestimmen, welche Bandbreiten einem Nutzer zur Verfügung stehen, in welcher Qualität Fernsehsignale übertragen werden oder wie leistungsfähig das Internet ist. Die Swisscom will dafür ihre eigene Elektronik einsetzen. Damit steuert sie den Datenverkehr auf ihrer Faser. Ihr Ziel ist, dass sie auf diese Weise Dienste anbieten kann, welche andere nicht haben. Diesen andern macht sie aber ein Standardangebot. Damit gerät sie in Konkurrenz zu EWB in Bern und zu den IWB in Basel: Auch die Elektrizitätswerke bieten Standardlösungen für alle auf der zweiten Ebene an. Sunrise hat bereits einen Vertrag mit der Swisscom abgeschlossen, wonach das Unternehmen deren Netz gesamtschweizerisch nutzen kann. Sunrise kann somit von Fall zu Fall entscheiden, ob sie das Angebot der Swisscom oder jenes der Elektrizitätswerke nutzen will. Der Preis wird dabei eine wichtige Rolle spielen.• Die dritte Ebene schliesslich umfasst die eigentlichen Dienste wie Internet, Telefon, Fernsehen, Wunschfilme und ähnliches. Konferenzen jagen sichAm 1. Mai lädt Regulator Marc Furrer die Konzernchefs zum 3.Glasfasergipfel. Ende Mai lädt Sunrise die Elektrizitätswerke zu einer Tagung ein. Im Zentrum wird die Frage stehen, wie die Elektrizitätswerke mit ihren Glasfasernetzen Geld verdienen können – und nicht nur die Swisscom.

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