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Von der Energietechnik getrieben

ABB hat 2008 deutlich zugelegt. Der Konjunktureinbruch machte sich erst im 4. Quartal bemerkbar. Die Aussichten sind getrübt, doch die vielen Energieinvestitionen in den Programmen zur Wirtschaftsankurbelung stimmen ABB zuversichtlich. Die Energietechnik ist der Motor des Konzerns.

ABB bot gestern das Kontrastprogramm zu den Präsentationen vom Dienstag und Mittwoch bei den beiden Schweizer Grossbanken. Konzernchef Joe Hogan bezeichnete das Jahr 2008 aus ABB-Sicht als «das beste aller Zeiten». Der weltweit in der Energie- und Automationstechnik tätige Industriekonzern vermochte den Auftragseingang um 11 Prozent, den Umsatz um 20 Prozent und den Betriebsgewinn (Ebit) um 13 Prozent zu steigern. Alle fünf Konzernbereiche legten bei den Verkäufen zweistellig zu. ABB verfügt über liquide Mittel von 8 Mrd Dollar und beschäftigt 8000 Mitarbeiter mehr als vor Jahresfrist. Der Ebit erreichte – trotz Rückstellungen von 870 Mio Dollar – mit 4,55 Mrd Dollar einen Rekordwert.Die Rückstellungen dienen unter anderem zur Abdeckung von Kosten, die aus laufenden Untersuchungen in den USA und Europa über mutmassliche wettbewerbswidrige Praktiken entstehen könnten.Starke WachstumstreiberDie Abschwächung im letzten Quartal zeigt sich beim Umsatzwachstum, das nur noch 5 Prozent betrug, sowie bei dem um 19 Prozent tieferen Auftragseingang. ABB begründet dies mit rückläufigen Grossaufträgen (Aufträge über 15 Mio Dollar) aus Schwellenländern für Infrastrukturprojekte sowie geringeren Investitionen in den Aufbau von Industriekapazitäten. Kunden hätten Projekte aufgeschoben oder ihre Investitionsausgaben reduziert, sagte Hogan. Die Aufträge zur Modernisierung von Stromnetzen in den Industrieländern nähmen jedoch weiter zu, ebenso die Nachfrage nach Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz. Hogans Fazit: An den langfristigen Wachstumstreibern von ABB hat sich nichts geändert. Trotz Konjunkturkrise bleibe der Klimaschutz weltweit ein grosses Thema, sagte Hogan. 65 Prozent des produzierten Stroms werden von der Industrie konsumiert. «Es sind elektrische Motoren, welche die Wirtschaft antreiben», sagte Hogan. Mit von der ABB hergestellten energieeffizienten Motoren seien 2008 über 150000 Megawattstunden elektrische Energie und 140000 Tonnen an CO2-Emissionen eingespart worden. ABB könne unter anderem davon profitieren, dass in den USA unter Präsident Obama die «grüne Energie» gefördert werden soll und dass weltweit immer mehr Windkraftwerke aufgestellt würden. «Windkraft muss in elektrische Energie umgewandelt werden, und wir haben die Produkte und die Technik dafür.» Warten auf AnkurbelungseffektPrognosen wollten weder der Konzernchef noch Finanzchef Michel Demaré abgeben. «Der Ausblick bleibt unklar», sagte Hogan. Zwar würden überall milliardenschwere staatliche Pakete zur Ankurbelung der Konjunktur geschnürt, die auch Energieinvestitionen umfassten. ABB könnte davon profitieren, doch es sei unmöglich vorherzusagen, wann und in welchem Ausmass die Konjunkturprogramme greifen werden. Die Entwicklung der Nachfrage auf den Absatzmärkten von ABB hänge weitgehend vom Wirtschaftswachstum, der Investitionstätigkeit und den Rohstoffpreisen ab. Liege etwa der Barrelpreis für das Rohöl auf dem gegenwärtigen Niveau von 40 bis 60 Dollar, dürfe auch wieder mit bedeutenden Investitionen seitens der Erdöl- und Erdgasindustrie gerechnet werden. Um die Wettbewerbsfähigkeit und die Rentabilität weiter zu stärken, hat ABB im Dezember ein Kostensenkungsprogramm angekündigt. Es zielt darauf ab, die Kosten bis 2010 um 1,3 Mrd Dollar zu senken. Im Vordergrund steht nicht ein Personalabbau, sondern die Verbesserung interner Abläufe – und damit die Senkung der administrativen Kosten um 10 Prozent – sowie ein noch kostenbewussterer Einkauf. Bis 2010 sollen 40 Prozent der Komponenten in Schwellenländern beschafft werden, wo ABB im letzten Jahr rund 30 neue Produktionsstätten eröffnete und wo bereits 45 Prozent aller Mitarbeiter aus dem Produktionsbereich tätig sind. Die Gesamtkosten dieses Programms betragen rund 600 Mio Dollar. Davon sind 100 Mio bereits der Rechnung 2008 belastet worden.Liquidität hat VorrangGegenwärtig sei nicht die Zeit, um grössere Akquisitionen zu tätigen, sagte Finanzchef Demaré. Wie bisher würden aber kleine Zukäufe gemacht, um Lücken im Portfolio zu füllen. Heute heisse das Motto «Cash is king». ABB verfügt über Barmittel von 6,4 Mrd und marktgängige Wertpapiere von 1,4 Mrd Dollar. Wer derzeit nicht liquide sei, habe auf den Märkten, wie sie von ABB bearbeitet würden, nichts zu suchen, sagte Demaré. Das Aktienrückkaufprogramm wurde vorerst gestoppt, die Dividende wird in Form einer Nennwertreduktion ausbezahlt.Die Analystenkommentar fielen mehrheitlich positiv aus, an der Börse sank der Kurs der ABB-Aktie aber um 2,2 Prozent auf Fr. 15.25.>

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