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Verkaufsagent im Internet

Ein Ladenlokal, ein Laptop und Verpackungsmaterial: So sieht die Verkaufsagentur von Jürgen Moerbitz aus. Der Berner versteigert im Auftrag seiner Kunden Waren bei den grossen virtuellen Auktionsplattformen Ebay und Ricardo.

Sein skurrilstes Objekt hat Jürgen Moerbitz eben verkauft: ein zweiköpfiges Kalb, ausgestopft und auf einen Sockel montiert. 2500 Franken hat ein Sammler präparierter Tiere für das seltene Stück bezahlt. Gefunden haben sich Käufer und Verkäufer auf der Internetplattform Ricardo, der Schweizer Konkurrenz des internationalen Internetauktionshauses Ebay. Moerbitz hatte das Tier – es wurde nur fünf Tage alt – im Auftrag eines anderen Sammlers im Internet zum Kauf angeboten.Seit zwei Jahren betreibt Jürgen Moerbitz an der Freiburgstrasse in Bern eine Internet-Verkaufsagentur. Das heisst: Er versteigert oder verkauft im Auftrag von Dritten Ware über das Internet. Oft sind es weit weniger spektakuläre Dinge als ein zweiköpfiges Kalb: Möbel, Briefmarken, alte Bücher und Fotoapparate, militärische Sammlerstücke, Bilder, Kunstdrucke, Motorenbauteile, Vasen – «Preziosen und Wunderplunder», wie es auf Moerbitz’ Visitenkarte heisst. Mag ein Angebot für die meisten auch noch so uninteressant tönen: Für vieles findet sich auf den virtuellen Marktplätzen ein Käufer, wenn auch auf einem anderen Kontinent. So konnte Moerbitz auch schon einen defekten alten Barometer verkaufen – an einen Sammler von defekten alten Barometern.Abkehr vom AuktionsprinzipErhält Moerbitz von Kunden Ware, fotografiert und dokumentiert er diese und stellt sie bei einer der beiden Auktionsplattformen im Internet ein. Bei Alltagsgegenständen wie Möbeln wählt Moerbitz eher die Schweizer Seite Ricardo, bei Sammlerstücken, die international auf Interesse stossen könnten, eher Ebay, wo weltweit 86 Millionen Nutzer registriert sind. Alternativ zum Auktionsverfahren gibt es auf den Plattformen auch die Möglichkeit, Artikel zu Festpreisen anzubieten, die sofort gekauft werden können. Diese Form erfreut sich steigender Beliebtheit. Denn so müssen die Käufer nicht mehr fürchten, dass sie bei einer tagelang laufenden Auktion in letzter Sekunde überboten werden – oder der Preis in astronomische Höhen getrieben wird.10 bis 35 Prozent ProvisionIst ein Objekt verkauft, erhält Moerbitz 10 bis 35 Prozent Provision – je höher der Verkaufspreis ausfällt, desto tiefer ist der Prozentsatz. Auf die Frage, wozu man seine Dienstleistung überhaupt brauche, wo doch jeder selber im Internet Dinge verkaufen könne, entgegnet Moerbitz, das Einstellen von Artikeln sei für Privatpersonen aufwendig – und er wisse, wie man die Objekte attraktiv präsentiere. Die Internetauktionshäuser stören sich nicht an diesem Geschäftsmodell – im Gegenteil: Für professionelle Verkäufer hat Ebay das Label «Verkaufsagent» kreiert. Wer es trägt, verpflichtet sich unter anderem dazu, ein Rückgaberecht anzubieten. Im Kanton Bern dürfen sich Moerbitz und ein Händler aus Thörishaus «Verkaufsagenten» nennen.Im vergangenen November hat Moerbitz seine Teilzeitstelle als Notariatsangestellter aufgegeben und lebt nur noch von den Einnahmen seines Geschäfts. Moerbitz verkauft nicht nur Ware im Auftrag von Dritten, er führt auch Wohnungsräumungen durch – und bietet dann im Internet an, was er findet. «Das Geschäft läuft nicht schlecht», sagt Jürgen Moerbitz. Die Folgen der Finanzkrise, die Ebay bereits zu spüren bekam (siehe Text rechts), fürchtet er nicht. «Die Krise könnte auch eine Chance sein», sagt Moerbitz, weil Leute übers Internet Wertsachen verkaufen könnten, etwa alte Bilder, die bei ihnen zu Hause an der Wand hängen.Fast 6500 Objekte hat Moerbitz bereits auf den beiden Auktionsplattformen verkauft, seit er vor sechs Jahren als Hobby damit begann. Derzeit hat er bei Ebay und Ricardo je 300 Angebote platziert. Masse ist in Moerbitz’ Geschäft nötig, denn die meisten Verkäufe bewegen sich zwischen 20 und 200 Franken – und von seiner Provision muss Moerbitz noch die Verkaufsgebühren an Ebay abliefern.>

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