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«US-Steueramt hat langen Arm»

Er rechne infolge des gelockerten Bankgeheimnisses nicht mit einem massiven Abzug von US-Geldern aus der Schweiz, sagt der in Zürich für amerikanische Kundschaft tätige Steuerberater Steven Kraft.

«Bund»:Die Ermittlungen der amerikanischen Steuerbehörden gegen die UBS haben im Ausland wohnhafte Amerikaner aufgeschreckt. Ist die Nachfrage nach Ihren Dienstleistungen gestiegen?Steven Kraft:Ja. Sie ist stark gestiegen.Auch Amerikaner im Ausland müssen Steuern bezahlen. Dabei nehmen sie die Infrastruktur der USA gar nicht in Anspruch. Wieso ist das so?So will es das amerikanische Steuergesetz. Was zählt, ist die Nationalität und nicht der Wohnsitz.Geht es nur um symbolische Beträge?Nein. Die Berechnungen sind kompliziert. In der Schweiz wohnhafte Amerikaner reichen je eine Steuererklärung hier und in den USA ein. Die in der Schweiz geschuldete Einkommenssteuer ist von der US-Steuer abzugsfähig. Den US-Steuerbehörden zahlen die Amerikaner einen allfälligen Differenzbetrag, der übrig bleibt.Haben die Amerikaner in der Schweiz einen Anreiz, der US-Steuerbehörde etwas vorzuenthalten?Im Allgemeinen nicht. Es gibt jedoch Ausnahmen. Anders als in der Schweiz müssen in den USA private Kapitalgewinne versteuert werden. Wer Aktien höchstens während eines Jahres hält und darauf einen Gewinn erzielt, muss diesen mit bis zu 35 Prozent versteuern. Bei längerem Besitz reduziert sich die Steuer bis auf 15 Prozent. Kommt diese hohe Kapitalgewinnsteuer hinzu, steigt der dem US-Fiskus geschuldete Betrag.Die USA machen Druck auf die Schweiz. Ist von den hier lebenden US-Bürgern viel hinterzogenes Geld zu holen?Ich glaube nicht. Es kommen zwar jeden Tag Leute zu mir, die wissen wollen, was sie mit ihrem unversteuerten Einkommen tun sollen. Aber da geht es nicht um grosse Beträge.Um grössere Beträge geht es bei jenen Amerikanern, die ihr Vermögen auf Schweizer Bankkonten parkiert haben, ohne hier zu leben. Wie viele Gelder werden aufgrund der Lockerung des Bankgeheimnisses abgezogen?Das ist schwierig zu sagen. Ich rechne nicht mit einem signifikanten Abzug von US-Geldern. Die Schweiz bietet neben dem Bankgeheimnis auch andere Vorteile wie politische Stabilität oder Diskretion der Banker.Die US-Steuerbehörde IRS geht aggressiv gegen mutmasslich fehlbare Amerikaner mit UBS-Konten vor. Überrascht Sie das?Nicht wirklich. Die US-Steuerbehörde hat einen langen Arm. In den USA berechnet man die geschuldete Steuer selbst. Die Steuerbehörde kontrolliert weniger als ein Prozent aller Eingaben. Deshalb statuiert die Steuerbehörde von Zeit zu Zeit ein Exempel: Seht her, das passiert mit euch, wenn ihr nicht ehrlich seid. Mit der UBS haben die Behörden ein willkommenes Opfer gefunden.Bis anhin schien es nicht sehr schwierig, der US-Steuerbehörde zu entkommen.Laut einer Schätzung der Steuerbehörde vor einigen Jahren melden bis zwei Drittel der Amerikaner im Ausland ihre Steuerdaten nicht. Wer so handelt, riskiert hohe Strafen. Zudem müssen US-Bürger im Ausland jeweils bis Ende Juni ihre Bankkonten deklarieren, die sie ausserhalb der USA halten. Kürzlich wurden dafür die Bussen bei Unterlassung erhöht. Sie betragen maximal 500 000 Dollar oder – wenn die Behörde das Vergehen als strafrechtlich relevant einstuft – fünf Jahre Gefängnis.Was raten Sie Ihren Kunden?Ich rate ihnen, das Einkommen sauber zu deklarieren. Alles andere wäre sehr gefährlich. Wer früher Steuern hinterzogen hat, kann bei leichteren Vergehen mit einer Selbstdeklaration die Strafe reduzieren.Welche Möglichkeiten hat die US-Steuerbehörde überhaupt, um herauszufinden, wer im Ausland wohnt und Steuern zahlen sollte?Wer früher einmal Steuern bezahlte oder ein Konto bei einer amerikanischen Bank hatte, ist im System erfasst. Theoretisch möglich ist auch die Erfassung bei einem Passantrag. Durch die Maschen fallen all jene, die aufgrund der Geburt einen amerikanischen Pass besitzen, das Land aber als Kind oder Jugendliche verlassen haben, beispielsweise in den USA geborene Schweizer.Die Amerikaner haben deshalb grosses Interesse am automatischen Informationsaustausch. Dann müssten die Schweizer Banken von sich aus Daten von amerikanischen Kunden dem US-Steueramt liefern.Ja. Ich begrüsse es, dass die Schweiz künftig nicht nur bei Verdacht auf Steuerbetrug, sondern auch bei Steuerhinterziehung Kundendaten liefern will.>

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