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USA stecken tief in der Rezession

Die Wolken am weltweiten Konjunkturhimmel sind tiefschwarz. Aber Ökonomen und Finanzanalysten gehen davon aus, dass sie sich in den kommenden Quartalen etwas lichten werden. Die US-Notenbank lässt den Leitzins unverändert.

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der USA ist im ersten Quartal 2009 mit der unerwartet hohen Jahresrate von 6,1 Prozent geschrumpft, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Die Konjunkturlage ist damit noch immer fast so schlecht wie im vierten Quartal 2008, als die Wirtschaftsleistung um auf das Jahr hochgerechnet 6,3 Prozent zurückgegangen war. Zwar legte der private Konsum, traditionell die Stütze der US-Wirtschaft, erstmals seit zwei Quartalen wieder zu. Ein Anstieg um 2,2 Prozent, die stärkste Rate seit zwei Jahren, reichte aber nicht aus, um Ausgabenkürzungen von Unternehmen auf breiter Front auszugleichen. Die Bauinvestitionen sanken um 38 Prozent: Das ist der grösste Rückgang seit dem zweiten Quartal 1980. Ausrüstungsinvestitionen in Maschinen und Software fielen um 33,8 Prozent. Das ist auf das Jahr hochgerechnet der stärkste Fall seit dem ersten Quartal 1958. Sogar die Ausgaben der Regierung sanken – erstmals seit 2005. Dazu kommt ein Rückgang des Exports mit einer Jahresrate von 30 Prozent, der kräftigste Absturz seit Anfang 1969. Von Thompson Reuters befragte Ökonomen hatten für das erste Quartal eine leichte Besserung der Konjunktur mit einem Rückgang des BIP von annualisiert 5 Prozent erwartet. Trotz den unerwartet schlechten Zahlen halten eine Reihe von Analysten an ihrer Voraussage fest, dass sich der Abschwung schon bald deutlich verlangsamen werde. Im laufenden Quartal sei ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um nur noch 1 bis 2,5 Prozent zu erwarten, da die von US-Präsident Barack Obama eingeleiteten Stützungsmassnahmen nun zu wirken begännen, hiess es. «Die Rezession wird in der nächsten Zeit nicht mehr so schlimm ausfallen», sagte John Silvia, Chefökonom der US-Bank Wachovia. Die US-Notenbank sieht erste Anzeichen für eine Stabilisierung der Konjunktur. Der Leitzins bleibt nach wie vor auf einem historischen Tiefstand. Zwar sei die Wirtschaft noch weiter geschrumpft, das Tempo habe aber nachgelassen, teilte die Federal Reserve gestern abend nach zweitägigen Beratungen ihres geldpolitischen Ausschusses mit. Vor allem der private Konsum stabilisiere sich. Ihren Leitzins beliess die Fed wie erwartet bei knapp null Prozent. Er liegt dort bereits seit Ende vergangenen Jahres. Die begonnenen Programme zum Aufkauf von Staats- und Unternehmensanleihen würden ständig hinsichtlich Umfang und Zeitplan überprüft, hiess es.Deutschland schon 2010 besser?Die deutsche Bundesregierung erwartet für das Jahr 2009 ein Rekordminus von 6,0 Prozent. Für 2010 sagt sie in ihrer gestern Mittwoch vorgelegten Frühjahrsprognose ein Wachstum von 0,5 Prozent voraus. «Diese Projektion ist geprägt von Realismus, aber auch von Zuversicht», sagte Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Dennoch dürfe das Ausmass des globalen Abschwungs nicht unterschätzt werden. Die einstige Konjunkturlokomotive USA entwickle sich ähnlich wie Deutschland immer mehr zum Bremsklotz der Weltwirtschaft. Die grösste Herausforderung für 2010 sei der Arbeitsmarkt, warnte Guttenberg. Die Erwerbslosenzahlen würden im Schnitt auf 4,6 Mio ansteigen. Für dieses Jahr stellt sich die Bundesregierung auf die mit grossem Abstand schärfste Rezession seit Bestehen der Bundesrepublik ein. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten jüngst für 2009 ebenfalls ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts um sechs Prozent, für 2010 indes ein Minus von 0,5 Prozent vorhergesagt. «Die wirtschaftliche Entwicklung des laufenden Jahres wird durch den massiven weltwirtschaftlichen Einbruch geprägt», sagte Guttenberg. Rund drei Viertel des Rückgangs beim Wachstum entfielen allein auf den stark negativen Aussenhandelseinfluss. Wie angeschlagen der Exportweltmeister inzwischen ist, zeigt, dass auch deutsche Grosskonzerne immer tiefer in den Strudel der Wirtschaftskrise geraten. Firmen wie das Industrieflaggschiff Siemens oder der Pharma- und Chemieriese Bayer fahren zwar noch Gewinne ein, klagen aber über eine schlechtere Auftragslage und eine sinkende Nachfrage. Guttenberg sprach sich aber gegen weitere Konjunkturprogramme im Kampf gegen die Krise aus, da die bestehenden Massnahmen zuerst wirken müssten. (ap/sda)>

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