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Tief in der Rezession

Deutschlands Wirtschaft steckt tiefer in der Rezession als erwartet. Die Industrie rutscht gegenwärtig in einen tiefen Schlamassel. Die Schweizer Exporteure entwickeln ihre Produkte weiter.

Wenn die grösste Volkswirtschaft Europas aus dem Tritt gerät, kommen zahlreiche Firmen in den Nachbarländern ins Schleudern. Und diesmal erwischt es die deutsche Wirtschaft schlimm: Produktion und Dienstleistungen brachen im letzten Quartal 2008 um 2,1 Prozent ein. Das geht aus den gestern veröffentlichten Zahlen hervor. Zuvor hatte sich der Schrumpfungsprozess mit einem Minus von 0,5 Prozent in Grenzen gehalten.Man muss ins Jahr 1987 zurückblenden, um auf einen vergleichbaren Taucher der seinerzeit auf die alten Bundesländer begrenzten Wirtschaft zu stossen. Damals allerdings ging es im Folgequartal wieder aufwärts. Diesmal deutet alles auf eine schwere Rezession hin.Wie schnell sich der rasante Einbruch im nördlichen Nachbarland auf die Schweiz auswirkt, bekam die ohnehin angeschlagene Nexis Fibers (früher Viscosuisse) zu spüren. Sie stellt in Emmenbrücke unter anderem Rohgarne für Airbags her. Käufer der Airbag-Chemiefasern sind vor allem deutsche Zulieferfirmen der Autoindustrie. «Ende Jahr brach die Nachfrage in einem unglaublichen Tempo ein. Wir sahen uns im Dezember gezwungen, in dieser Sparte für 50 Leute Kurzarbeit einzuführen», sagt Markus A. Loser von Nexis Fibers.Weitere Firmen griffen zum gleichen Mittel, weil die Bestellungen aus dem Ausland sanken: Maxon in Sachseln oder die Altdorfer Dätwyler-Gruppe im Konzernbereich Gummi , um nur einige Beispiele zu nennen. Der Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach und weitere Industriebetriebe beliessen es bislang bei einer Produktionsdrosselung.Neue Produkte entwickelnDie Schweizer Firmen setzen ihre Hoffnungen auf neue und verbesserte Produkte. Bei Maxon etwa bleibt der Bereich Entwicklung und Forschung von der Kurzarbeit verschont. Die Abteilung hat verschiedene Innovationen in der Pipeline und ist für die nächsten Monate mit Projekten ausgelastet. In ihrem Automobilzulieferbereich setzt Nexis Fibers den Schwerpunkt bei der Reifensparte. Markus A. Loser: «Wir haben superhochfeste Garne für Reifen entwickelt, die zum Beispiel in der Luftfahrt gute Marktchancen haben. Ziel ist es, in Nischen vorzudringen, wo die Billigkonkurrenz nicht mithalten kann.» Aus der Krise heraushelfen sollen auch schlankere Arbeitsabläufe und höhere Produktivität.Keine neuen MärkteAnders als in früheren rauen Zeiten ist die Erschliessung neuer Märkte diesmal kaum ein Thema. Denn die Krise hat alle Kontinente erfasst. Die Schwellenländer sind nicht in der Lage, den Nachfrageeinbruch auch nur ansatzweise wettzumachen. Die Manager der Exportfirmen und die Konjunkturforscher der Schweiz verfolgen darum gespannt die Entwicklung bei den traditionellen Handelspartnern in Europa und den USA.Die Nachrichten von dort sind allerdings nicht ermutigend. In Deutschland sind sich die Wirtschaftsexperten nach der Hiobsbotschaft einig, dass das Bruttoinlandprodukt die Talfahrt im laufenden Quartal fortsetzen wird. «Schliesslich sind die Auftragseingänge bis zuletzt gefallen», sagt der Chefökonom der Commerzbank, Jörg Krämer. Als schlechtes Zeichen gelten die Lagerbestände, die gegen Ende letzten Jahres signifikant gestiegen sind.Arbeitsmarkt nimmt SchadenAuf dem deutschen Arbeitsmarkt ist die Krise noch nicht angekommen. Der Beschäftigungsgrad war Ende 2008 sogar der höchste seit der Wiedervereinigung. Allerdings hat sich das Stellenwachstum deutlich abgeschwächt. Und im Januar stieg die Arbeitslosenquote um 0,9 auf 8,3 Prozent. Noch behelfen sich viele deutsche Unternehmen damit, Zehntausende Beschäftigte in Kurzarbeit oder in die Zwangsferien zu schicken. Doch wenn die Krise anhält, könnte die Arbeitslosenquote bis zur Bundestagswahl im September nach Voraussage des Kieler Instituts für Weltwirtschaft auf 9,5 Prozent steigen.>

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