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«Schärfste Rezession»

Die Rezession in Deutschland wird laut dem Münchner Ifo-Institut mindestens zwei Jahre dauern und die Arbeitslosigkeit bis 2010 wieder auf fast vier Millionen treiben.

Im kommenden Jahr werde die Wirtschaftsleistung um 2,2 Prozent einbrechen. «Wir stehen am Beginn der schärfsten Rezession der Nachkriegszeit», erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Donnerstag in München bei der Präsentation der aktuellen Konjunkturprognose. Die Bundesregierung könne die Krise mit Steuersenkungen, der Abschaffung des Solis, Bürokratieabbau und einem Infrastrukturprogramm abfedern. Schon im laufenden Quartal stürze die Wirtschaftsleistung um 3,5 Prozent ab, erklärte Sinn: «Kein Zweifel, Deutschland ist in einer richtig starken Rezession.» Weil die ganze Weltwirtschaft von den USA über Europa bis China im Abschwung sei, reisse das den Exportweltmeister Deutschland mit nach unten: «Wir schwimmen wie die Korken auf den Wogen der Weltkonjunktur. Der deutsche Export geht jetzt in die Knie», erklärte Sinn. Deshalb werde das deutsche Bruttoinlandprodukt 2009 um 2,2 Prozent und 2010 um weitere 0,2 Prozent schrumpfen – kalenderbereinigt sogar um 0,3 Prozent. Wann es wieder aufwärtsgeht, sei noch nicht absehbar: «Man muss sich auf eine schwierige, lang anhaltende Schwächephase gefasst machen», sagte Sinn. Aber «Konjunkturprogramme sind nur Strohfeuer» und würden nur die Schuldenlast vergrössern, warnte Sinn. «Im Moment viel Geld auszugeben, ist verfrüht. Frau Merkel macht das genau richtig», lobte der Ifo-Chef die Bundeskanzlerin. Sie müsse jedoch ihren Bankenrettungsplan rasch nachbessern und die Institute zur Annahme von Hilfen zwingen, um eine Kreditklemme für die Wirtschaft zu verhindern. Export bricht einDie Hälfte der deutschen Wirtschaftsleistung hänge am Export, erklärte Sinn. Weil die Wirtschaft in den USA nächstes Jahr um 1 Prozent und im Euroraum um 1,3 Prozent schrumpfe und die Wachstumsraten in Indien und China auf 7,5 und 6 Prozent sackten, sei auch die deutsche Wirtschaft auf einer dramatischen Talfahrt. Der Export falle um 5,7 Prozent: «Das ist ein senkrechter Absturz», sagte Sinn. Daneben sei ein Rückgang der Unternehmensinvestitionen um 4,9 Prozent die treibende Kraft nach unten. Der private Konsum dagegen werde nächstes Jahr wieder um 0,6 Prozent steigen, sagte Sinn voraus. Mit Verzögerung rolle aber «der starke Rückgang der Beschäftigung» auf Deutschland zu: Im nächsten Jahr steige die Arbeitslosenzahl um 540000, und 2010 werde im Jahresdurchschnitt fast wieder die Marke von 4 Millionen Arbeitslosen erreicht werden. Ja zu Konjunkturprogramm«Mit Konsumgutscheinen kann man Exporte nicht stützen», kritisierte Sinn. Auf Dauer hilfreich wäre aber, Steuern zu senken. Der Staat sollte ab Mitte 2009 auch mehr in die Infrastruktur investieren. «Im Moment geht es der Bauwirtschaft noch gut. Nächstes Jahr sollten die Programme laufen», sagte Sinn. Ein 25-Milliarden-Euro-Programm könnte das Inlandprodukt um gut 1 Prozent steigern. (ap)>

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