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Rück-Chef Aigrain muss gehen

Die Rückversicherungsgesellschaft Swiss Re kehrt zu ihren Wurzeln zurück: Konzernchef Jacques Aigrain muss gehen. Er hat eine aggressive Wachstumsstrategie gefahren. Nun ist wieder das solide Versicherungsgeschäft gefragt.

Eine Woche nach dem Einstieg des US-Investors Warren Buffett bei Swiss Re steigt Jacques Aigrain aus. Überraschend kam der Rücktritt des Chefs des Schweizer Rückversicherers nicht, angesichts des Verlusts von einer Milliarde Franken. Dies als Folge des Schiffbruchs auf dem Ausflug in die Finanzwelt der Kreditderivate und strukturierten Produkte. Peinlich mutet hingegen an, wie sich Buffett vor Wochenfrist noch hatte zitieren lassen: «Ich bin sehr beeindruckt von Jacques Aigrain und seinem Managementteam.»Nun soll es just einer aus diesem Team richten: Nachfolger Aigrains ist sein bisheriger Stellvertreter Stefan Lippe, der dieses Amt seit September innehat. Beim Blick auf Lippes Karriere fällt auf: Der 53-jährige Deutsche arbeitet seit gut 25 Jahren in der Branche und dabei stets für Swiss Re.Strategie kam von ganz obenKritiker mögen fragen, was es bringe, den Chef zu feuern und seinen Vize zu befördern. Aber Aigrain und Lippe sind grundverschieden. So hatte Aigrain 2005 bei Swiss Re den Chefposten angetreten mit dem Auftrag des Verwaltungsrats, den stolzen, aber auch braven Rückversicherer zum glitzernden Finanzkonzern umzubauen. Strukturierte Produkte, verbriefte Wertpapiere – mit solchen riskanten, aber eben auch verlockenden Geschäften sollten Swiss Re und ihr Aktienkurs auf Trab gebracht werden. Als Ablösung für den gradlinigen Rückversicherer John Coomber schien Stellvertreter Aigrain der richtige Mann, brachte er doch als Referenz aus seiner Zeit vor Swiss Re 20 Dienstjahre als Investmentbanker bei der US-Bank JP Morgan mit.Nach dem Scheitern dieser Finanzmarkt-Strategie besinnt sich Swiss Re zurück auf ihr Kerngeschäft. Stefan Lippe kennt nicht nur das Unternehmen wie seine Westentasche, er ist auch Rückversicherer durch und durch. 1983 heuerte er nach seinen Studien an der Universität Mannheim bei der Swiss-Re-Tochter Bayerische Rück an. Dort arbeitete er sich binnen zehn Jahren zum Vorsitzenden der Geschäftsleitung empor. In dieser Funktion wurde er 1995 in die erweiterte Swiss-Re-Geschäftsleitung berufen, bevor er 2001 die Führung des Nichtleben-Rückversicherungsgeschäfts Property & Casualty übernahm und Mitglied der obersten Geschäftsleitung wurde. Das Underwriting (Zeichnung von Risiken) von Property & Casualty führte Lippe dann 2005 mit jenem des Lebengeschäfts Life & Health zusammen. Analysten betonen, Lippes Hintergrund sei gerade die Risikozeichnung im Nichtleben-Geschäft, und dieses sei vom jüngsten Debakel an den Finanzmärkten unversehrt geblieben. Der Wechsel zu Lippe ist ein erster Schritt im Bestreben der Swiss Re, wieder auf ihr Kerngeschäft der Rückversicherung zu fokussieren. Das verheisst viel Arbeit, zumal die Risikoexponierung in schwierigen Finanzgeschäften nach wie vor hoch ist. Verwaltungsrat bleibt vorläufigNichts bekannt ist zudem über allfällige Ablösungen im Verwaltungsrat, der das strategische Debakel zu verantworten hat: Das Gremium unter Präsident Peter Forstmoser und Vizepräsident Walter Kielholz scheint fest im Sattel zu sitzen – respektive sich nach Kräften an diesen zu klammern. >

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