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Pleitewellen an Coop-Tankstellen

Die Coop-Pronto-Shops

Die Convenience- und Tankstellenshops von Coop laufen gut; das Wachstum liegt laut Coop-Chef Hansueli Loosli im zweistelligen Prozentbereich. Weniger gut läuft es vielen Pächtern der Läden, die diese im Auftrag der Coop Mineralöl AG führen; 51 Prozent des Kapitals der Coop-Tochter liegen bei Coop, 49 Prozent beim US-Erdölriesen Conoco Phillips.Bis Ende August dieses Jahres kam es zu 21 Konkursverfahren von Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH), die für den Betrieb von Pronto-Shops gegründet worden waren. In der zweiten Hälfte 2008 waren es 10 gewesen. 31 Verfahren auf rund 210 Shops – das ist auffällig viel. Alle Shop-GmbHs haben ihr Domizil in Luzern, weshalb die Konkurse im dortigen Kantonsblatt publiziert werden.Kein Unternehmertum gefragtFür die boomenden Shops sucht Coop Mineralöl laufend «Shop-Unternehmer/innen». Sie müssen engagiert sein, eine solide Ausbildung im Detailhandel haben, gerne Verantwortung übernehmen und «unternehmerisch denken und handeln». Doch Unternehmertum ist in Tat und Wahrheit gar nicht gefragt. «Die Selbstständigkeit beschränkt sich darauf, dass man selber entscheiden kann, ob man zu Fuss, mit dem Fahrrad, Auto oder Bus zur Arbeit kommen will», sagt ein früherer Pächter.Die Franchiseverträge von Coop Mineralöl (CMA) mit den «Shop-Unternehmern» lassen wenig Spielraum: Das Sortiment ist vorgegeben. Auch ein Pächter, der glaubt, die Luxuslinie Fine Food nicht gut verkaufen zu können, muss sie im Angebot haben. Unverkaufte Ware muss er aber selber abschreiben. CMA-Sprecher Jürg Kretzer sagt, man empfehle das Sortiment standortbezogen aufgrund von Erfahrungszahlen aus dem ganzen Netz. «Für Abschreibungen werden feste Sätze budgetiert.» Die Coop-Verkaufsleiter fordern stets volle Regale, gerade auch vor Festtagen. Das Verkaufsrisiko liegt beim Pächter. «Am liebsten hat Coop Pächter, die wie Angestellte Gestelle auffüllen und nicht an das unternehmerische Risiko denken», sagt eine ehemalige Pächterin. Die CMA sagt, sie berate die Shop-Unternehmer «im Rahmen des GmbH-Budgets» und «betriebswirtschaftlich sinnvoll hinsichtlich des Sortiments für Feiertage».Als Treuhandbüro muss der Pächter zwingend die Firma Provida beauftragen. Es besteht keine Wahlfreiheit, der Service kostet die Franchisenehmer pro Monat 600 Franken. Die CMA sagt, durch die Wahl des einheitlichen Treuhandbüros profitiere der Shop-Unternehmer von sehr attraktiven Konditionen.Auch die finanziellen Rahmenbedingungen des Vertrags schränken die unternehmerische Freiheit stärker ein als bei Franchisesystemen üblich: Coop hat von Anfang an Zugriff auf das Bankkonto der GmbH des Franchisenehmers. Der Betreiber ermächtigt die Bank, alle von Coop vorgelegten Lastschriften direkt zu bezahlen. Belastungen können ohne Zustimmung des Zahlungsempfängers nicht rückgängig gemacht werden. Das sei «im Rahmen der vertraglich vereinbarten Zahlungsbedingungen», sagt die CMA. Ware, die der Pächter bestellt, wird von Coop nach einer Woche per Lastschriftverfahren abgerechnet. Diese Zahlungsfrist ist auch im kleinflächigen Detailhandel unüblich kurz und setzt voraus, dass die Ware nicht lange im Regal bleibt. «Die Zahlungsfrist deckt sich mit dem Warenumschlag im Shop», schreibt die CMA. Auch was die Gründung der GmbH betrifft, sind die Vorgaben klar und zum Vorteil von Coop Mineralöl: Das Kapital der GmbH beträgt 50000 Franken. Der Franchisenehmer schiesst 45000 Franken ein, Coop Mineralöl 5000 Franken. Coop sorgt für die Einrichtung der Läden und verrechnet dem Pächter eine Ladenmiete. Trotz der geringen Kapitalbeteiligung hat Coop mit zwei von drei Zeichnungsberechtigten in der GmbH die Mehrheit. Weil der Franchisenehmer nur eine Kollektivunterschrift zu zweien hat, können die Coop-Vertreter das Schicksal der Firma im Alleingang bestimmen. CMA schreibt, es brauche eine Möglichkeit, um in schweren Fällen von systematischen Verstössen, die für die Marke Coop imageschädigend sind, reagieren zu können.Weil allein schon die Erstbeschaffung des Inventars 100000 Franken kostet, müssen die Franchisenehmer meist einen Kredit aufnehmen. Kreditgeberin ist die Coop Mineralöl AG. Damit erhöht sich die Abhängigkeit von Coop zusätzlich. CMA schreibt, die Konditionen seien «günstig». Der dem «Bund» in einem Fall bekannte Zins von 5 Prozent erscheint allerdings durchaus handelsüblich.Verkappter ArbeitsvertragFazit: Der Franchisevertrag zwischen Coop und den Franchisenehmern ist ein verkappter Arbeitsvertrag. Doch Coop bezahlt für den Pächter keine Sozialleistungen, das tut die GmbH. Geht diese in Konkurs, verliert der Franchisenehmer einen Teil der Sozialleistungen. Grund: Durch das Direktabbuchungsrecht von Coop wird der Vorrang der Löhne im Konkursfall ausgetrickst.Die meisten Pronto-Shops, über die der Konkurs eröffnet wurde, befinden sich an ländlichen Standorten. Müsste Coop das unternehmerische Risiko für die Läden tragen, würden mit Sicherheit weniger Läden eröffnet. So wie das Franchisesystem ausgestaltet ist, finanzieren die Pächter jedoch die Expansion von Coop.>

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