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Nach starkem Beginn den Mut verloren

Am frühen Freitagnachmittag war die Schweizer Wochenbilanz noch rot. Ein – allerdings matter – Schlussspurt brachte noch die Wende zu einem SMI-Plus von 1,9 Prozent.

Da soll es doch Leute geben, die Anfang der zweiten Dezemberwoche auf ein Weihnachtsrallye an den Aktienbörsen setzten. Ihre Hoffnung schöpften sie vor allem aus dem Stimulierungsprogramm, mit dem der gewählte amerikanische Präsident Barack Obama im nächsten Jahr der Wirtschaftskrise in den USA entgegenwirken will. Jedenfalls gilt es als psychologischer Haupttreiber des 5,2-prozentigen Sprungs des SMI vom Montag und der zum Teil erheblich kräftigeren Tagesavancen, wie sie an anderen europäischen Börsen zu registrieren waren.Freilich: Je länger die Woche dauerte, desto mehr verflog die Zuversicht. Die meisten Käufer vom Montag lösten sukzessive ihre Positionen wieder auf. Zum Wochenschluss überliessen sie das Feld wieder – von den letzten zwei Handelsstunden abgesehen – fast ganz den Baissiers. Man kann es ihnen nicht verdenken: Es wird nur schon mehrere Wochen dauern, bis Obama seine Pläne durch die parlamentarischen Mühlen bringen wird. Umsetzen lassen werden sie sich danach auch kaum von einem Tag auf den anderen. Erst recht noch gedulden wird man sich müssen, bis sie greifen, und weisen muss sich obendrein, inwieweit sie dann die inzwischen weiter auf die US-Wirtschaft einwirkenden depressiven Kräfte neutralisieren.Natürlich gilt auch an der Börse – und vor allem da – das Sprichwort «Wer wagt, gewinnt». Darum finden sich ja bei jedem neuen noch so winzigen hellen Schimmer am Horizont immer wieder Investoren, die neue Aktienengagements riskieren. Nur schwindet deren Zahl mit jedem weiteren Kurseinbruch. Diesmal gaben sie ihre Hoffnungen relativ rasch wieder auf, weil sich die Zukunftsmusik, die sie im Obama-Programm hörten, in den schrillen Tönen verlor, die von der Aktualität ausgingen. Die Aktualität bestand zuletzt in einer ständigen Berieselung der Anlegergemeinschaft mit schlechten makroökonomischen Wirtschaftsdaten und Unternehmensnachrichten, in fast überall scharfen Abwärtskorrekturen an den Konjunkturprognosen, im Gezerre um das Hilfspaket für die amerikanische Autoindustrie und so weiter.Gewinnschätzungen noch zu hochWenig Kursrelevanz oder höchstens eine negative schreiben Börsianer rückblickend der neuerlichen Zinskorrektur zu, welche die Schweizerische Nationalbank am Donnerstag verkündete. In billigerem Geld sieht man grundsätzlich zwar einen Haussefaktor für die Börsen. Das düstere Konjunkturbild, das die Währungsbehörde zu ihrem forcierten geldpolitischen Expansionskurs veranlasst, hat freilich zunächst vor allem erschreckt. Nicht unbedingt haltbar ist die These, die mittlerweile im Sog der Kurzfristzinsen sehr tiefen längerfristigen Obligationenrenditen würden Aktien als günstig bewertet erscheinen lassen. Die deutsche Privatbank Sal. Oppenheim beispielsweise merkt dazu an, dass trotz dem durchschnittlich über 30-prozentigen Kurszerfall seit Jahresbeginn die Gewinnschätzungen für 2009/10 für die SMI-Firmen immer noch 20 bis 30 Prozent zu hoch seien.Fragt sich freilich, ob sich die Gewinnperspektiven überhaupt noch abschätzen lassen. Die meisten Unternehmen selber äusserten sich dazu in letzter Zeit, wenn überhaupt, sehr unbestimmt. Umso positiver hat in dieser Woche Schaffner, Hersteller von Elektrokomponenten, überrascht. Nach einem unerwartet markanten Gewinnsprung im letzten Geschäftsjahr steckt er bei seinen mittelfristigen Ertragszielen etwas zurück, hält für 2010/11 mit einem Jahr Verzögerung eine Betriebsgewinnmarge von 10 Prozent jedoch immer noch für machbar. Er sieht sich dafür mit einem schönen Wochengewinn seiner Aktien belohnt.Rieter in desolater LageIn einer desolaten Lage befindet sich der Technologiekonzern Rieter. Nach einer Gewinn- beziehungsweise, wie Konzernchef Hartmut Reuter nachträglich präzisierte, Verlustwarnung für 2008 wagt er für 2009 keine Prognose. Mit seiner Ausrichtung auf die Textil- und die Autoindustrie hat er in der Vergangenheit in konjunkturellen Abschwungphasen immer einen gewissen Risikoausgleich gefunden. Jetzt kumulieren sich, weil beide Branchen durch die Krise besonders hart getroffen werden, die negativen Auftrags- und Ertragsentwicklungen. Mit einem Wochenverlust von 0,5 Prozent ist Rieter jedoch geradezu komfortabel weggekommen.Die oft in einem Atemzug mit Rieter genannte Oerlikon-Gruppe (plus 12 Prozent) hat wenigstens neben beiden Problemzonen noch ihr Solargeschäft, dessen Zukunft weniger schwarz aussieht, unter anderem auch dank Obama. Seine Wirtschaftspläne haben übrigens auch ABB und Holcim zu nicht bloss flüchtigen namhaften Avancen verholfen. Noch grossenteils weggebrochen sind hingegen die anfänglich satten Kursgewinne der Banken. Wenn der Chef der US-Grossbank J.P. Morgan von einer «schrecklichen» Entwicklung im vierten Quartal spricht, spart der Markt bei seiner negativen Reaktion UBS und CS natürlich nicht aus.Keine Sippenhaft für VersichererMerkwürdig sanft ist der Markt mit der Vontobel Holding umgesprungen, die am Dienstag den überraschenden Auszug gleich dreier Verwaltungsratsmitglieder meldete. Nicht nur in schlechten Börsenzeiten pflegt man hinter solchen abrupten personellen Wechseln rasch Unrat oder mindestens unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten in den Leitungsorganen zu wittern. Die Versicherungsunternehmen hielten sich, über die ganze Woche gesehen, kursmässig überdurchschnittlich gut. Die Börsianer nehmen sie offensichtlich nicht mehr in Sippenhaft, wenn sich beim inzwischen verstaatlichen US-Giganten AIG neue Milliardenverluste abzeichnen.Daneben tauchen immer wieder Übernahmegerüchte auf. Der Zurich bekamen sie nicht sehr gut, weil es von ihr heisst, dass sie eine aktive Rolle in der offenbar anstehenden weiteren Konsolidierung der Branche spielen möchte. Das will Bâloise erklärtermassen auch. Sie kann aber nicht verhindern, dass sie immer wieder auch als Übernahmekandidatin gehandelt wird. Eine diskrete Rolle spielten über die ganze Woche die schweren Industrietitel, obwohl Novartis und auch Roche mit einigen positiven Produktmeldungen aufwarteten.>

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