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Kommentar: Versuch und Irrtum

Die Bonuspolitik der Banken war nicht die Hauptursache der Finanzkrise. Aber sie hat das Spiel der Banken mit übertriebenen Risiken gefördert. Und sie hat für besonders grosse Empörung gesorgt, weil die Steuerzahler weltweit Milliarden für eine «Abzockerbranche» aufwerfen mussten, die es eigentlich gar nicht verdient hatte. Striktere Lohn- und Bonusregeln der Aufsichtsbehörden sind daher politisch so unvermeidlich wie wirtschaftlich empfehlenswert – auch wenn die Steuerungskraft der Behörden mit strengeren Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften weit stärker ist.

Die neuen Lohnleitplanken der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma enthalten kaum eine Überraschung: Sie sind eine ziemlich direkte Übersetzung der internationalen Empfehlungen des G20-Gipfeltreffens vom April. Die Schweizer Richtlinien enthalten wie die internationalen Vorgaben jene Grundsätze, die heute kaum jemand mehr ablehnen kann: Längerfristige Ausrichtung der Bonuspolitik, Berücksichtigung aller eingegangenen Risiken, Sperrkonti für einen Teil der Boni, Rückzahlung gesperrter Beträge bei Verlusten, Offenlegung der Lohnpolitik und der Bonussummen.

So muss es im Prinzip sein. Probleme in der Umsetzung der hehren Prinzipien werden allerdings unvermeidlich sein: Die Messung aller Risiken, die Definition von «langfristig», der Anteil der gesperrten Boni und vieles mehr wird ohne Willkür nicht zu machen sein und wohl nach dem Motto «Versuch und Irrtum» ablaufen müssen. Findige Bänkler und ihre Berater werden zudem auch bei den neuen Regeln Schlupflöcher orten und unbeabsichtigte Folgen für die Branche produzieren. Das ist der Lauf der Welt, so bedauerlich dies sein mag. Wunder sind somit keine zu erwarten. Mutmassliche «Abzocker» wird es auch künftig geben. Doch die neuen Regeln sollten Exzesse etwas weniger wahrscheinlich machen – wenn die Aufsichtsbehörden den Vollzug denn auch mit wachem Auge überprüfen.

Im Idealfall würden internationale Aufsichtsgremien global verbindliche Standards verabschieden, um im nächsten Aufschwung ein allfälliges Wettrennen der Finanzplätze um nationale Lockerungen zu verhindern. Doch die Realität ist kein Wunschkonzert: Weil bei Bankenkrisen immer noch die Steuerzahler des Heimlandes des betroffenen Instituts zur Kasse kommen, werden die nationalen Aufsichtsbehörden weiterhin eine entscheidende Rolle spielen. So bleibt vorderhand nur die nächstbeste Variante: formell unverbindliche internationale Empfehlungen, an die sich hoffentlich alle grossen Finanzplätze halten. Wie weit die Sache funktioniert, dürfte erst in ein bis zwei Jahren klarer werden.

Da war doch noch was. Ja: Weder die internationalen Gremien noch die Schweizer Aufsicht empfehlen ein Lohnmaximum. Das ist politisch inkorrekt, aber ökonomisch wahrscheinlich sinnvoll. Ein «richtiges» Lohnmaximum gibt es nicht – es gibt nur unzählige Vorstellungen darüber, wo es liegen sollte. Der Markt hat in der Bankenbranche zwar versagt, doch ob die Politik mit starren Obergrenzen ein glücklicheres Händchen hätte, ist stark zu bezweifeln. Der nun vorliegende Kompromiss des «gelenkten Marktes» ist zumindest den Versuch wert.

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