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Kaiser ohne Kleider

Toyota beantragt Staatshilfe. Ausgerechnet der grösste Fahrzeugkonzern der Welt kann sich nicht mehr aus eigener Kraft finanzieren? Noch vor drei Monaten hätte man diese Meldung für eine Zeitungsente gehalten. Seither jedoch rast Toyota in die schlimmste Krise seiner Firmengeschichte. Inzwischen weiss man, dass Nippons Autokaiser das Geschäftsjahr voraussichtlich mit einem Fehlbetrag von umgerechnet rund 5,6 Milliarden Franken abschliessen wird. Die nahe Zukunft sieht alles andere als rosig aus. Für die Monate Januar bis März senkte Toyota in seinen zwölf Inlandwerken den Ausstoss, montiert 810000 Einheiten weniger als geplant, um die Lagerbestände nicht weiter anschwellen zu lassen. Für April soll die Produktion sogar um 60 Prozent heruntergefahren werden.Für diesen harten Schnitt riskiert der eigentlich als Effizienzweltmeister geltende Autoriese, die Schmerzgrenze der Produktivität deutlich zu unterschreiten. Statt 20000 würden dann nur noch 8000 Fahrzeuge pro Tag vom Band rollen, statt Gewinne werden noch mehr Verluste produziert. Japans führende Finanzzeitung «Nikkei» rechnet damit, dass der globale Branchenprimus im bevorstehenden Geschäftsjahr 2009 gerade noch 7 Millionen Autos absetzen kann, ein Fünftel weniger als in Bestzeiten vor zwei Jahren und 3 Millionen unter seiner globalen Kapazität. «Das Umfeld ist extrem brutal», sagt Konzernlenker Katsuaki Watanabe: «Wir stehen einer unvorhersehbaren Notsituation gegenüber.» Um überhaupt noch Autos verkaufen zu können, muss der kaufunwillige Kunde – vor allem in den USA – mit billigsten oder gar zinslosen Krediten geködert werden. Über das Geld für ein solches Vorgehen verfügt Nippons Branchenprimus offenbar nicht mehr. Noch vor sechs Monaten prahlte Toyota mit Reserven von rund 45Milliarden Franken, heute ist maximal noch die Hälfte davon in der Kasse. Damit ist der Kaiser zwar noch nicht gänzlich verarmt – er steht aber ohne Kleider da.>

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