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Heimatlose US-Bankkunden

Die meisten Schweizer Banken stellen ihre amerikanischen Kunden unsanft vor die Tür. Des einen Leid ist des anderen Geschäft, sagte sich ein findiger Treuhänder aus Liechtenstein.

Wenn nicht alles täuscht, sind die Liechtensteiner in dieser Geschichte eine rechte Prise schlauer als ihre Schweizer Konkurrenten. Als die amerikanischen Steuerbehörden der UBS den Tarif durchgaben, als sie klarmachten, dass sie in aller Härte gegen Steuerhinterzieher und ihre Helfershelfer vorgehen würden, zogen viele Schweizer Vermögensverwalter den Kopf ein, in der Absicht, das Problem auszusitzen.Bei Kaiser Ritter Partner, einem Treuhänder mit Privatbank-Ableger in Vaduz, ging man nicht auf Tauchstation. Schon im Sommer 2008 begaben sich die Liechtensteiner in die Höhle des Löwen, wenn auch mit der nötigen Vorsicht. Diskret, nämlich zunächst anonym, klopften sie beim Internal Revenue Service (IRS), der Bundessteuerbehörde der Vereinigten Staaten an. Dort präsentierten sie sich als Musterknaben, voll des guten Willens, nur noch versteuerte Kundengelder zu verwalten. Und mehr noch: reuigen Steuersündern den Weg in den Schoss der US-Behörden aufzuzeigen.Diese Offensivstrategie von Kaiser Ritter Partner überrascht nicht wirklich. Der Staat Liechtenstein ist mit seinen Bemühungen vorausgegangen, den Finanzplatz von seinem Negativ-Image reinzuwaschen. Am Anfang stand die Vision, die Fritz Kaiser, Mitbegründer und Vorsitzender der Gruppe, so formuliert: «Liechtenstein muss sich vom Steuer- zum Vermögensparadies wandeln.» In dieses Bild passt Beihilfe zur Steuerhinterziehung definitiv nicht mehr hinein.Die IRS-Behörde liess sich durch die blütenweissen Hemden der Liechtensteiner offensichtlich blenden. Sie hat der Treuhandgesellschaft eine feste Kontaktperson zugeordnet. Diese ist für alle Kunden von Kaiser Ritter Partner zuständig. Das sei zwar kein Freibrief, stellt Kaiser klar, aber: «Wir haben uns verpflichtet, die US-Steuergesetze zu kennen und genau umzusetzen.»Auch für jene Amerikaner, die Vermögenswerte bisher nicht deklariert haben, ist der Gang zur IRS alles andere als ein Freibrief. Wer seine Geheimschatullen vor den Steuerbehörden öffnet, wird tüchtig zur Kasse gebeten. Er muss rund ein Drittel des Inhalts abliefern. Wer auf betrügerischem Weg zu dem Geld gekommen ist oder Urkunden gefälscht hat, wird noch wesentlich härter angefasst.Das Problem vieler US-Kunden ist, dass, nachdem die amerikanischen Behörden den Druck auf die UBS und damit auf die meisten Schweizer Banken massiv erhöht hatten, diese ihre US-Klientel kurzerhand vor die Tür setzten. Dort sitzen die meisten noch immer und wissen nicht wohin. In diese Marktlücke treten die Liechtensteiner mit ihrem neu gegründeten Ableger Kaiser Ritter Partner Financial Advisors in Zollikon. Sie schätzen, dass 30 bis 50 Milliarden Dollar von amerikanischen Vermögenden auf Schweizer Banken lagern.Bisher haben die Liechtensteiner zwischen 50 und 100 Kunden durch diesen Reinigungsprozess begleitet. Die einen haben das Prozedere hinter sich. Die anderen stecken noch mitten drin. Genaue Zahlen nennt Ochsner nicht.>

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