Zum Hauptinhalt springen

Gift für die iranische Konjunktur

Um von den eigenen Erdöl- und Gasreserven zu profitieren, ist Iran nach wie vor auf ausländische Infrastruktur angewiesen.

Benzin muss Iran für Milliarden Dollar teuer importieren, und die Rohölförderung nimmt jedes Jahr weiter ab, obwohl unter dem Land die drittgrössten Erdölreserven der Welt schlummern. Das Gleiche gilt für Erdgas, wo nur das Riesenreich Russland die iranischen Reserven in den Schatten stellt. Doch um aus Vorräten eine Ware zu machen, bedarf es Fördertechnologien und Einrichtungen zur Weiterverarbeitung der Rohstoffe. Das ist Irans Achillesferse. Hier schmerzen die internationalen Sanktionen – und das Chaos infolge der umstrittenen Präsidentschaftswahl macht alles noch schlimmer.Für die weitere Wirtschaftsentwicklung ist das pures Gift. «Wenn man die Zeit nach der Wahl betrachtet, mit der jetzt gut sichtbaren tiefen Spaltung innerhalb der regierenden Elite, dann ist es schwierig, sich vorzustellen, wie sich Präsident Mahmud Ahmadinejad nach der Niederschlagung der Proteste auf die Seite der Gewinner schlagen will», sagt Samuel Ciszuk, Energie-Spezialist beim Analystendienst IHS Global Insight in London. Statt die kränkelnde Wirtschaft zu sanieren, müsse sich die Regierung nun für mindestens den Rest des Jahres auf die innenpolitischen Spannungen konzentrieren. Oppositionsführer Mir-Hossein Musavi, der sich von Ahmadinejad um den Sieg betrogen sieht, warnte bereits im Wahlkampf, der Hardliner habe das Land mit seiner Günstlingswirtschaft an den «Rand des Abgrunds» manövriert.Politischer Stillstand lähmtWährend der Ölpreis 2008 auf Rekordhöhen kletterte, dachte sich Ahmadinejad immer neue Subventionen aus, von denen vor allem seine konservative Wählerbasis auf dem Land profitierte. Die Inflation beträgt trotz gefallenem Ölpreis immer noch rund 25 Prozent, die Arbeitslosenquote liegt bei gut 20 Prozent. Vor allem junge Menschen unter 30, die in Iran die Bevölkerungsmehrheit stellen, sind davon betroffen. Der Ölpreisverfall zwingt inzwischen zu schmerzhaften Kürzungen. «Die politische Situation hat das Land zum Stillstand kommen lassen», sagt der in Dubai ansässige Energiemarktanalyst Raja Kiwan von PFC Energy. Der Gas- und Ölsektor ist für die iranische Wirtschaft entscheidend, doch die Rohölförderung sinkt Marktbeobachtern zufolge jedes Jahr um vier bis acht Prozent. Das entspricht etwa einer Fehlmenge von 200000 bis 300000 Barrel pro Tag. Das hat zwei Gründe: fehlende Investitionen und fehlende Technologie. Sowohl Kapital als auch Technik müssen aus dem Ausland kommen – dem stehen jedoch die infolge des umstrittenen Atomprogramms verhängten Sanktionen entgegen, zudem hält die politische Instabilität nun die Investoren ab.In der Hand von US-UnternehmenWenn die Wahl nicht in einem solchen Fiasko geendet hätte, wäre es Ahmadinejad vermutlich gelungen, russische und chinesische Unternehmen als Investoren für grosse Projekte zu finden. Noch vor Kurzem hatte Teheran verkündet, das chinesische Unternehmen CNPC werde bei der Entwicklung des riesigen Ölfelds South Pars im Persischen Golf den französischen Total-Konzern ablösen, der zuletzt wegen der Sanktionen immer zögerlicher war. «Der Wille der Chinesen, Verträge zu unterzeichnen, könnte schwinden, weil ich denke, dass jeder ausländische Investor erst mal sehen möchte, was nun passiert», sagt Ciszuk.Doch selbst wenn CNPC oder die malaysische Petronas einspringen, ist das Problem nicht gelöst: Experten gehen davon aus, dass etwa 70 Prozent der Technik, die für die in South Pars unter anderem geplanten Flüssiggasanlagen nötig sind, in der Hand von US-Unternehmen sind – und damit ausserhalb der iranischen Reichweite. Das Gleiche gilt für die Raffineriekapazitäten. Die iranischen Anlagen sind veraltet, und es gibt viel zu wenige. Iran muss daher teuer Benzin importieren und sich den Gewinn entgehen lassen, den die Aufbereitung des Öls bietet. (ap)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch