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Gezielte Verkäufe als Warnsignal

Trotz der anhaltenden Unsicherheit über den Konjunkturverlauf geht die Hausse weiter. Doch auffallend viele Verkäufe durch Unternehmensinsider mahnen zur Skepsis.

Der Swiss Market Index hat in der vergangenen Woche erneut 1,5 Prozent zugelegt und mit dem Schlussstand von gestern Freitag (6325 Punkte) eine weitere Hundertermarke auf dem Weg zu alten Höhen überwunden. Obwohl die OECD in der vergangenen Woche einen ziemlich tristen Bericht über die Beschäftigungsaussichten in ihren 30 Mitgliedstaaten vorgelegt hat und offen vom Problem wachsender Armut spricht, scheinen die Investoren nach wie vor nur die Aussicht auf eine Konjunkturerholung im Auge zu haben.Positive PrognoseTatsächlich hat in der Berichtswoche auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) ein positiveres Bild der aktuellen Wirtschaftsentwicklung gezeichnet und ihre Prognose für die Wirtschaftsleistung der Schweiz im laufenden Jahr von minus 2,5 bis minus 3 Prozent (Prognose Juni) auf minus 1,5 bis minus 2 Prozent nach oben korrigiert. Doch die SNB warnte gleichzeitig, dass der Weg bis zur vollen Auslastung der Produktionskapazitäten länger und unsicherer sein werde, als dies üblicherweise gegen Ende einer Rezession der Fall sei.Hauptgrund für diese Einschränkung ist die Unsicherheit über die Nachfrageentwicklung. Staatliche Ankurbelungsmassnahmen und der Zwang vieler Unternehmen, ihre stark entleerten Lager nun wieder nachzufüllen, um den Weiterbetrieb sicherzustellen, sind auch im Urteil der Nationalbank die Hauptstützen der Konjunktur.Ein Indiz, dass die Hausse demnächst zu Ende gehen könnte, ist die signifikante Zunahme von Aktienverkäufen durch sogenannte Unternehmensinsider. Alle grossen Börsen verpflichten Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder schon seit Längerem, Transaktionen in den Aktien des eigenen Unternehmens zu melden. Die Meldepflicht gründet auf der Annahme, dass die Manager die Geschäftsaussichten ihres Unternehmens besser beurteilen können als «Outsider» und ihren Handel deshalb, im Sinne der Gleichbehandlung aller Marktteilnehmer, publik machen müssen.Die Deutsche Bank, die solche (legalen) Insidertransaktionen europaweit dokumentiert, stellt seit Mitte August eine Verdoppelung der Verkäufe fest. Zwar lassen Verkäufe statistisch gesehen weniger verlässliche Aussagen über die künftige Kursentwicklung zu als Käufe, doch ein derart starker Anstieg der Verkäufe ist dennoch ein Indiz dafür, dass viele Manager mit einem baldigen Ende der Hausse rechnen.Auffällige TransaktionenAuch in der Schweiz hat es in jüngster Zeit einige ziemlich auffällige Transaktionen gegeben. Bei Lindt & Sprüngli wurden in den vergangenen zehn Tagen Verkäufe im Wert von über 6 Millionen Franken gemeldet. Die Aktien hatten im Zuge der laufenden Übernahme von Cadbury durch Kraft Foods kräftig zugelegt, wobei auch wenig glaubwürdige Börsengerüchte ihren Teil dazu beitrugen. Dass die Lindt-&-Sprüngli-Manager diese Gelegenheit nutzten, um Kasse zu machen, ist ein Hinweis darauf, dass sie etwas viel Luft im Aktienkurs zu erkennen glauben.Auch in den Swiss-Life-Aktien wurden jüngst Verkäufe eines Verwaltungsrats im Umfang von rund 6 Millionen Franken gemeldet. Interessant wäre es hier, zu wissen, ob dieser Verkäufer zufällig Carsten Maschmeyer heisst. Maschmeyer will ja offiziell seine Swiss-Life-Beteiligung auf 10 Prozent ausbauen. Nach letzten Meldung steht er derzeit bei 8 Prozent. Sollte der AWD-Gründer seinen Plan geändert haben, wäre dies für den Swiss-Life-Kurs wenigstens kurzfristig wohl keine gute Nachricht.Biotech im FokusEtwas aus dem Rahmen fällt die Beobachtung bei HBM Bioventures, der auf private Biotech-Beteiligungen spezialisierten Investmentgesellschaft des ehemaligen Roche-Finanzchefs Henri Meier. Hier haben Manager vor zehn Tagen Titel im Wert von über einer Million Franken gekauft. Die dahinterstehende Erwartung, dass der gebeutelte Biotech-Sektor wieder mehr Investoren anziehen könnte, materialisierte sich Anfang Woche durch die Übernahme der kleinen, in der Entwicklung von Antikörpern tätigen Zürcher Gesellschaft Esbatech durch Alcon. In der Biotech-Branche hofft man nun, dass die 150-Millionen-Franken-Transaktion Schule machen wird. Die deutlichsten Kursavancen verzeichneten auch in dieser Woche die Industriewerte, in denen der Konjunkturoptimismus der Anleger am deutlichsten zum Ausdruck kommt.Zurück blieben dagegen die grossen Finanzwerte wie Swiss Re, UBS oder Credit Suisse. Die wachsende Vorsicht gegenüber den Grossbankenwerten ist möglicherweise ein weiteres Indiz, dass die Pessimisten an der Börse trotz allem im Vormarsch sind. Denn wenn sich die steigende Arbeitslosigkeit auf die finanzielle Situation der privaten Haushalte überträgt, dann wird das auch die Banken einiges kosten.>

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