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Fesseln für Spekulationsfonds

Die EU will bei der Regulierung von hochspekulativen Hedge-Fonds die Vorreiterin spielen. Die EU-Standards sollen auch in Drittstaaten wie der Schweiz wirken. Noch ist der Entwurf hoch umstritten.

Die G20 hat Anfang April in London beschlossen, dass weltweit kein Finanzprodukt ohne staatliche Aufsicht bleiben soll. Im Gefolge versucht die EU nun, die Hedge-Fonds sowie weitere alternative Anlageinstrumente in den Griff zu bekommen. Der irische EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy schlägt für die Managementgesellschaften dieser alternativen Fonds eine Registrierung sowie eine EU-weit standardisierte Aufsicht vor. Von der EU-Regulierung ausgenommen werden sollen Hedge-Fonds mit weniger als 100 Mio Euro bzw. Beteiligungsgesellschaften (Private Equity) mit weniger als 500 Mio Euro Kapital. Erfasst würden so 30 Prozent der Manager, die fast 90 Prozent der Aktiven der in der EU domizilierten Hedge-Fonds kontrollieren.Kommissar wehrte sich langeBinnenmarktkommissar McCreevy, der sich lange dagegen gewehrt hatte, diese Fonds zu regulieren, wies gestern erneut darauf hin, dass die alternativen Fonds die Finanzkrise nicht verursacht hätten und sie zur Unternehmensfinanzierung nötig seien. Bei Hedge-Fonds handelt es sich um hochspekulative Anlagevehikel, die mit Krediten arbeiten und viel Freiheit in ihrer Anlagestrategie haben. Private Equity ist eine Alternative zu öffentlichen Aktienemissionen. Sie wird häufig von Beteiligungsgesellschaften («Heuschrecken») zur Unternehmensfinanzierung benutzt. Ende 2008 verfügten die Manager dieser alternativen Fonds über rund zwei Billionen Euro.Viele dieser Fonds sind aus Steuergründen nicht in der EU, sondern in Off-shore-Zentren angesiedelt. McCreevy will, dass die in der EU geltenden Standards auch in Drittstaaten Wirkung entfalten. Nach dem Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche schlägt er vor, dass in Drittstaaten angesiedelte Fonds EU-weit vertrieben werden können, wenn ihre Standards bei Aufsicht und Regulierung denjenigen der EU entsprechen und der Informationsaustausch in Steuerfragen gewährt ist. Heute ist die Zulassung von ausländischen Hedge-Fonds den einzelnen EU-Staaten überlassen. Die EU-Regulierung ist auch für die Schweiz sehr wichtig, die im Rahmen ihrer Finanzplatzstrategie Hedge-Fonds in die Schweiz locken wollte. Dazu dienen unter anderem steuerliche Erleichterungen für Hedge-Fonds-Manager. Anfang Jahr wurde den Pensionskassen zudem erlaubt, bis zu 15 Prozent ihres Kapitals in alternative Anlagen zu investieren.Befürchtungen in der Schweiz In der Schweizer Hedge-Fonds-Branche gibt es Befürchtungen, dass die neue EU-Regelung dazu führen könnte, dass Hedge-Fonds -Manager sich in der EU ansiedeln müssen. In der Schweiz unterstehen bisher alternative Fonds nur dann einer Regulierung, wenn sie dem Publikum angeboten werden.Der garantierte Zugang von Fonds aus Drittstaaten in die EU ist nach einer Übergangsperiode von drei Jahren nach Inkrafttreten der Richtlinie vorgesehen. Die Richtlinie, die von EU-Parlament und Rat genehmigt werden muss, soll laut Vorstellungen der Kommission 2011 in Kraft treten. «Löchrig wie Käse»Gegen den Entwurf hagelte es Kritik von allen Seiten. Die sozialistische Fraktion im Europaparlament beispielsweise kritisierte gestern den Entwurf als «löchrig wie Schweizer Käse». Die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde befürchtet, dass die Öffnung für Drittstaaten zum trojanischen Pferd der Offshore-Fonds wird. Die Lobby der alternativen Fondsanbieter der EU (AIMA) kritisiert dagegen, dass die EU-Regelung zu einer Abwanderung dieser Fonds aus der EU führen wird.>

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