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Ein grosser Coup von Galenica

Galenica kauft per 1. Juli die Apothekenkette Sun Store.

Sun Store, 1972 vom Walliser Marcel Séverin mit einem Laden im MMM-Zentrum Métropole in Sitten gegründet, ist die erste Apothekenkette der Schweiz überhaupt. Sie wuchs zunächst in der Romandie und expandierte ab 2004 auch in die Deutschschweiz. Mittlerweile ist sie mit 100 Apotheken präsent, dies vor allem in Einkaufszentren und an anderen Orten mit hohen Kundenfrequenzen. Sie bietet mit Ladenflächen von bis zu 600 Quadratmetern grosse Sortimente in den Bereichen Gesundheit, Schönheit und Wellness an. «Sehr gesund und rentabel»Sun Store veröffentlicht keine Ergebniszahlen, wird aber von Galenica als «sehr gesund, rentabel und gut geführt» bezeichnet. Über den mit Besitzer Marcel Séverin ausgehandelten Preis wurde Stillschweigen vereinbart. ZKB-Analystin Sibylle Bischofberger geht davon aus, dass Galenica «die Übernahme nicht überbezahlt hat», nachdem das Management in der Vergangenheit immer vorsichtig operiert habe. Sun Store sei «in bester Verfassung», hält der heute 65-jährige Besitzer fest. Begehrlichkeiten hätten seit längerer Zeit bestanden, doch wo es dem einen an Gradlinigkeit mangelte, habe es dem anderen an finanziellen Möglichkeiten gefehlt. Ganz anders ist offenbar das Verhältnis von Séverin zu Galenica: Diese habe zu «Eroberungen» ermuntert und geholfen, wenn Sun Store Hilfe brauchte, schreibt Séverin in einem Brief an die Kunden. Der Anschluss an «eine grosse Familie» beruhe auf Vertrautheit und Zuverlässigkeit. Sun Store ist heute bereits der grösste externe Kunde von Galenica bei den Software-Anwendungen der Galenica-Tochter Triamed. Die Sun Store SA wird laut der Vereinbarung auch künftig unter dem im Markt gut verankerten Namen auftreten, die Arbeitsplätze und die Arbeitsbedingungen bleiben erhalten. Séverin bleibt Verwaltungsratspräsident.Synergien im Konzern erwartetDer Kauf wird von Galenica mit eigenen Mitteln sowie einer auf zehn Jahre gesicherten externen Finanzierung mit Zinssätzen von unter 3 Prozent sichergestellt. Die Genehmigung der Wettbewerbskommission vorausgesetzt, soll die Übernahme per 1. Juli dieses Jahres erfolgen. Damit werde sie bereits im laufenden Jahr zur Verbesserung des Gruppenergebnisses beitragen. Helvea-Analyst Luc Otten geht von einer Betriebsgewinn-Marge (Stufe Ebit) von 4 bis 5 Prozent aus und rechnet somit mit einem jährlichen Ebit-Beitrag von 16 bis 20 Mio Franken. Die Akquisition innerhalb eines der Galenica gut vertrauten Marktumfelds werde die Position der Gruppe stärken und Synergien mit anderen Konzernbereichen ermöglichen. Von einer «strategisch sinnvollen Übernahme» spricht auch ZKB-Analystin Bischofberger. Galenica selbst verweist darauf, dass der Zukauf dem Geschäftsbereich Retail zur «nötigen kritischen Masse» verhelfe. Die Nutzung der bestehenden Logistikkapazitäten würden optimiert, insbesondere bei dem 2008 neu eröffneten Verteilzentrum in Niederbipp BE. Galenica erwartet auch Synergien mit anderen Unternehmen der Gruppe, so etwa mit Vifor Pharma Healthcare, dem drittgrössten Anbieter von rezeptfreien Medikamenten in der Schweiz.Grösstes ApothekennetzwerkIm Rahmen der Diversifikation vom Pharmagrossisten zum breit aufgestellten Anbieter im Gesundheitsmarkt hat Galenica schrittweise das grössten Apothekennetzwerk der Schweiz aufgebaut. Dieses dem Konzernbereich Galenicare zugeteilte Netzwerk umfasst gegenwärtig 116 eigene Amavita-Apotheken, neun selbstständige Amavita-Partnerapotheken, 31 gemeinsam mit Coop betriebene Coop-Vitality-Apotheken und 95 unabhängige Apotheken, die das Winconcept-Modell von Galenicare (Marketing-Dienstleistungen) nutzen. 2007 hat Galenica überdies die Mediservice AG übernommen – eine Apotheke, die Medikamente gegen Vorliegen eines Rezepts nach Hause liefert. Im Apothekenmarkt konnte Galenica den Umsatz 2008 um 30 Prozent auf 557 Mio Franken steigern. Weitere 86 Mio Franken stammten aus dem Joint-Venture mit Coop. Mit der Übernahme der 100 Niederlassungen von Sun Store wird Galenica nun direkt und indirekt rund 360 der insgesamt 1700 Apotheken in der Schweiz kontrollieren.Im Retailmarkt stecke weiterhin viel Potenzial, sagte Galenica-Chef Etienne Jornod letztes Jahr in einem Interview mit dem Magazin «Stocks». Entscheidend sei jedoch nicht die Anzahl der Apotheken, sondern die Qualität der Standorte. Mit den Läden von Amavita ist die Gruppe vor allem im Bahnhofsbereich tätig, mit jenen von Coop Vitality und Sun Store im Umfeld von Einkaufszentren.Gewinnplus von 40 ProzentGalenica mit Konzernsitz in Bern hat den Umsatz im letzten Jahr um 6,9 Prozent auf 2,7 Mrd Franken erhöht. Am 17. März wird das Gruppenergebnis veröffentlicht. Der Jahresgewinn werde rund 40 Prozent höher liegen als im Vorjahr, hat die Gruppe bereits angekündigt. An der Börse legte die Galenica-Aktie gestern zunächst um bis zu 1,9Prozent auf 331 Franken zu. Bei Börsenschluss notierte sie mit 325Franken auf Vortageshöhe.>

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