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Die Schweiz handelt den Kaffee für die Welt

Laurence Pawelczyk hat das Kaffeetrinken zum Beruf gemacht. Doch Trinken ist das falsche Wort: Sie schlürft den Kaffee in sich rein, kostet ihn, ohne zu schlucken, und speit ihn wieder raus – wie bei einer Weindegustation. Und das bis zu 600 Mal am Tag.Die Westschweizerin ist in der weltweiten Einkaufszentrale von Starbucks in Lausanne für die Qualitätskontrolle zuständig. Wenn nur eine von sechs Proben der Lieferung nicht so schmeckt, wie sie sollte, geht der Kaffee zurück an den Verkäufer. Pawelczyk und ihr Berufskollege kennen da kein Pardon. Die Ware muss auch optisch überzeugen: Von jeder Lieferung wird eine Handvoll grüner Bohnen 10 bis 12 Minuten lang geröstet. Danach muss das Aussehen des Kaffees je nach Sorte in einer genau definierten Bandbreite liegen, um die Qualitätskriterien zu erfüllen.So wie bei Starbucks geht es auch bei anderen Kaffeehändlern in der Schweiz zu und her: Für 75 Prozent des weltweit benötigten Rohkaffees, der ausserhalb der Produzentenländer konsumiert wird, läuft der Handel via Schweiz. Wie beim Öl oder anderen Rohstoffen wird der Kaffee dabei allerdings nicht physisch importiert, die Händler in der Schweiz lenken lediglich die globalen Handelsströme. Das hat eine lange Tradition (siehe Kasten).Die Akteure in diesem Markt lassen sich in zwei Gruppen einteilen: einerseits unabhängige Händler wie Volcafé oder die zur deutschen Neumann-Gruppe gehörende Bernhard Rothfos Intercafé. Andererseits Firmen, die den Kaffee für ihre Mutterkonzerne einkaufen. Taloca etwa liefert den Kaffee für die Kraft-Foods-Marken Jacobs und Maxwell House, Decotrade für Senseo und Douwe Egberts von Sara Lee, Cofiroasters beliefert die italienische Segafredo Zanetti.Der Milliardenkonzern Nestlé kauft für seine Marken, darunter Nescafé und Nespresso, zum Teil direkt bei den Produzenten ein, wird aber auch von weltweit tätigen Händlern beliefert – so etwa von Neumann. Auch andere Händler geschäften miteinander.Hedge-Fonds beeinflussen PreiseDas grosse Handelsvolumen von Kaffee hat aber auch damit zu tun, dass Hedge-Fonds nach dem Platzen der Dotcom-Blase die Rohstoffe als neue Kategorie für ihre spekulativen Geschäfte entdeckt haben. Die Fonds sind in der Branche wenig beliebt. «Das sind Leute, die keine Ahnung von Kaffee haben», so der Chef eines grossen Handelshauses. «Aber wenn diese Spekulanten den Preis auf 160 Cent jagen, muss ich das zahlen – auch wenn es von der Nachfrage her nicht gerechtfertigt ist.»Die gegenwärtige Baisse führen Insider nicht zuletzt auf den Einfluss der Spekulation zurück: Der Referenzpreis der Kaffeeorganisation ICO liegt derzeit bei tiefen 110 US-Cent pro Pfund (453 Gramm). Das ist insofern erstaunlich, als die saisonal bedingte Schwächephase für gewöhnlich nur bis Ende Juni dauert. Mit Kursanstiegen ist aber meist erst Mitte August zu rechnen. In Vietnam, das mit zunehmendem Erfolg günstigen Kaffee der Sorte Robusta produziert, war der Preis seit über zwei Jahren nicht mehr so tief wie jetzt. Dies hat nun dazu geführt, dass die Produzenten die Regierung aufgerufen haben, einen nationalen Kaffeevorrat anzulegen und so dem Preiszerfall entgegenzuwirken. Zudem soll die ab Oktober anstehende Ernte vorerst nicht in den Verkauf gelangen.Brasilien stützt den KaffeepreisIn Brasilien, dem wichtigsten Anbauland, hat die Regierung im Juni bereits Stützungskäufe vorgenommen: In einem ersten Schritt wurden 3 Millionen Säcke vom Markt genommen, weitere 3 Millionen sind in Prüfung. «Solche Interventionen sind sicher nicht WTO-konform und zu verurteilen», sagt der Luzerner Kaffee-Experte Walter Zwald.>

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