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Der reumütige Steuersünder

Mit Klaus Zumwinkel stand gestern einer der mächtigsten Manager Deutschlands in

Eine Scheibe trennt den Saal C 240 der 12. Grossen Strafkammer des Bochumer Landgerichts von den Zuschauern und Medienvertretern, die Plätze für den mit Spannung erwarteten Prozess erhalten haben. Vor der Wut der Zuschauer musste der prominente Angeklagte nicht geschützt werden. Die Stimmung im Saal ist locker, fast freundschaftlich. Schon vorher war klar, dass der ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel ein Geständnis ablegen wird. «Ich habe den grössten Fehler meines Lebens gemacht. Ich bin bereit, die Strafe für mein Fehlverhalten zu tragen», gibt er in einem wohlformulierten Statement zu. Ohne Umschweife räumt der 65-Jährige ein, über die 1986 bei der LGT Bank in Liechtenstein gegründete «Devotion Family Foundation» zwischen 2001 und 2006 rund 970000 Euro am deutschen Fiskus vorbeigeschleust zu haben.Einsichtig, aber nicht demütigDer gefallene Spitzenmanager gibt sich einsichtig, aber keineswegs demütig. Er habe «Vermögenswerte in Milliardenhöhe» geschaffen, als er die Deutsche Post vom Staatsbetrieb in ein florierendes Unternehmen umgewandelt habe. Zudem ist er überzeugt, mindestens moralisch einen Teil seiner Strafe bereits erhalten zu haben. «Im letzten Jahre haben meine Familie und ich gebüsst», sagt Zumwinkel und erzählt von Drohungen per Brief und Telefon sowie «Hausbelagerungen». Doch er wolle nicht klagen, «vielmehr stehe ich zu meiner Schuld». Der eigentliche Tatbestand ist rasch geklärt, sodass der vorsitzende Richter Wolfgang Mittrup Zeit hat, Zumwinkels Vermögensverhältnisse zu klären. Fast scheint es, als wolle der Vorsitzende den Angeklagten ein wenig vorführen. So ist gewissermassen amtlich, dass der Angeklagte trotz Steuernachzahlungen nicht am Hungertuch nagen muss. Auf rund 600000 Euro schätzt Zumwinkel sein Einkommen für 2009. Dies obwohl er im Februar als Post-Chef und aus diversen Verwaltungsräten (Lufthansa, Telekom) zurückgetreten ist. Auf die Frage, warum ein Millionär Steuern hinterzieht, gibt es allerdings keine Antwort.Beweise wurden abgekauftNur kurz kommt die Tatsache zur Sprache, dass die Anklage gegen Zumwinkel und Hunderte anderer aufgeflogener Steuerhinterzieher auf Beweisen zweifelhafter Herkunft beruht. Die in Bochum vorgelegten Dokumente sind auf einer CD zu finden, die der Bundesnachrichtendienst einem ungetreuen Angestellten der LGT Bank in Liechtenstein abgekauft hat. Zumwinkels Anwalt Detlef Vliegen erklärt denn auch, er habe nur deswegen auf eine Überprüfung verzichtet, weil sein Mandant «reinen Tisch machen wollte». Auch Richter Mittrup scheint es nicht ganz wohl zu sein, würde er es doch begrüssen, wenn ein Gericht die Frage der Zulässigkeit überprüfen würde.Richter dementiert AbspracheFortgesetzt wird der Prozess am nächsten Montag mit der Urteilsverkündung. Aufgrund der gestrigen Verhandlung kann man davon ausgehen, dass Zumwinkel nicht hinter Gitter muss. Wahrscheinlich wird die Staatsanwaltschaft nur eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren beantragen, die mit einer hohen Geldbusse abgegolten werden kann. Immer wieder war im Vorfeld über einen entsprechenden Deal spekuliert worden, was Richter Mittrup gestern entschieden dementierte.» Trotzdem dürfte Zumwinkel ein freier Mann bleiben. Der Rentner Heribert Strengen aus Bochum, der eines der begehrten Zuschauertickets ergattert hatte, bedauert dies: «Ich finde es schade, dass man solche Leute nicht packen kann. Er war einer der obersten Manager in diesem Land, mit Einsicht in alle politischen Bereiche. Von jemandem wie ihm muss man mehr Verantwortungsbewusstsein erwarten.»>

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