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Coop steigt in den Häusermarkt ein

Ein energiesparendes Haus mit 5 Zimmern für weniger als 350000 Franken? Coop bietet es an, verstösst aber bei der Werbung gegen das Markenrecht: Das Musterhaus entspricht nicht dem angepriesenen Standard von Minergie-P. Der Grossverteiler sichert aber nun dessen Einhaltung zu.

Rezession, Stellenabbau, Aussichten auf steigende Energiepreise: Das Umfeld für junge Familien, die sich ein Eigenheim mit gutem Wohnkomfort und niedrigem Energieverbrauch anschaffen möchten, ist – trotz tiefen Hypothekarzinsen – alles andere als ideal. Die Gebäudekosten für ein konventionelles Low-Budget-Einfamilienhaus mit 5 Zimmern liegen heute bei rund 500000 Franken – die Mehrkosten für den Standard Minergie-P bei rund 8 Prozent. Die Totalkosten für ein preisgünstiges Minergie-P-Einfamilienhaus – immer ohne Land – kommen somit auf rund 540000 Franken zu stehen.Fertighäuser als AlternativeGünstigere Alternativen bieten sich über die Zusammenarbeit mit ausländischen Fertighaus-Herstellern an. Nachdem im Juni bereits der Discounter Otto’s mit günstigen Angeboten – 369000 bis 469000 Franken – in diesen Markt eingestiegen ist, zieht nun Coop mit noch tieferen Preisen nach. Ihre beiden Einfamilienhäuser zu 299900 Franken (4 Zimmer, 128m2 Wohnfläche) und zu 346818 Franken (5 Zimmer, 154m2 Wohnfläche) bietet Coop Bau+Hobby gegenwärtig mit ganzseitigen Inseraten und im Internet (www.coopminergie.ch) an. Während bei Otto’s ein Minergie-Paket als Option – ab 21000 Franken – angeboten wird, ist bei Coop der Minergie-P-Standard (siehe Kasten) bereits inbegriffen. Die Preise von Otto’s wie Coop verstehen sich – wie beim Beispiel oben – ohne Land, bei Coop kommt zusätzlich noch der Preis für die Unterkellerung dazu.Das Interesse sei «riesig», Vertragsabschlüsse gebe es aber noch keine, sagt Andreas Frischknecht, Leiter von Coop Bau+Hobby in Lenzburg. Energiesparendes Bauen sei nun nicht mehr teurer als konventionelles, «möglicherweise sogar günstiger». Die Käufer können laut Frischknecht innerhalb des Festpreises unter verschiedenen Innenausbau-Paketen von Coop Bau+Hobby wählen – etwa beim Bodenbelag, den Wänden und den sanitären Einrichtungen. Die Küche muss bei der zu Coop gehörenden Elektrogeräte-Kette Fust ausgewählt werden; das Zückerchen ist ein Fust-Küchengutschein über 10000 Franken. Keine Einschränkungen bestehen bei der Wahl des Finanzpartners – es muss also nicht die Bank Coop sein. Diese bietet allerdings – wie mehrere andere Banken auch – eine zinsvergünstigte Minergiehypothek an und ist zudem Mitglied des Vereins Minergie.Musterhaus als ÄrgernisHergestellt werden die Coop-Einfamilienhäuser bei der österreichischen Fertighaus-Gruppe ELK, die sich auf ihrer Homepage als die Nummer eins im europäischen Fertighaus-Markt bezeichnet. ELK – und nicht Coop – ist Vertragspartnerin der Schweizer Bauherren. Eine von ELK gegenwärtig angebotene Aktion – die Übernahme aller Heizkosten für zehn Jahre – ist im Coop-Angebot ebenfalls enthalten.Zu besichtigen ist das 4-Zimmer-Musterhaus von Coop (siehe Bild) an der Home Expo im aargauischen Suhr, der ersten Musterhaus-Ausstellung ausländischer Fertighaus-Hersteller in der Schweiz. Der Haken dabei: Coop bezeichnet das in Suhr ausgestellte Objekt als Minergie-P-Haus und hält zudem in ihrer Werbung fest, das Haus sei von der Minergie-P-Zertifizierungsstelle Schweiz geprüft und zertifiziert worden. Für Franz Beyeler, Geschäftsführer des Vereins Minergie Schweiz, ein Ärgernis: «Ich habe mir das Musterhaus in Suhr angeschaut, es erfüllt die Anforderungen des Minergie-P-Standards mitnichten.» Er habe in der Folge sowohl den zuständigen Architekten Hansjürg Kissling wie auch ELK Schweiz mit dem Hinweis auf den weltweit bestehenden Schutz der Marke Minergie abgemahnt, sagt Beyeler – bisher ohne jegliches Echo. Das im Mittelpunkt der Coop-Werbeaktion stehende Haus in Suhr verfügt zwar über das provisorische Zertifikat für den gewöhnlichen Minergie-Standard, nicht aber jenes für den Minergie-P-Standard. Da sowohl die Marke Minergie wie auch alle unterschiedlichen Minergie-Kennzeichen weltweit geschützt seien, handle es sich um eine Verletzung des Markenrechts, so Beyeler. Die Bundesgesetzgebung sieht in solchen Fällen Freiheits- oder Geldstrafen vor. Einsicht auf beiden SeitenDie Suppe dürfte letztlich aber nicht so heiss gegessen werden: Frischknecht, der erst aufgrund der «Bund»-Recherchen von diesem Tatbestand erfuhr, sicherte gestern schriftlich zu, dass Coop bei allen Bauten die Einhaltung des Minergie-P-Standards garantiere. Zudem werde das Musterhaus in Suhr dem Minergie-P-Standard angepasst. Es sei erstellt worden, bevor Coop entschieden habe, mit ELK in den Fertighaus-Markt einzusteigen.Die offenen Fragen sollen noch diese Woche zwischen der zuständigen Projektleitung von Coop und der Zertifizierungsstelle von Minergie-P geklärt werden. Minergie-Geschäftsführer Beyeler zeigt sich einsichtig: Vermutlich habe man bei Coop in Unkenntnis der Sachlage gehandelt. Wenn das Haus nun entsprechend nachgebessert werde, dürfte man wahrscheinlich «ein Auge zudrücken» – konkret auf ein Verfahren verzichten. Am Prinzip des Markenschutzes werde aber nicht gerüttelt, zum Schutz all jener, die sich korrekt verhielten.>

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