Zum Hauptinhalt springen

CS zeigt Herz für Lehman-Opfer

Die Credit Suisse reagiert auf den öffentlichen Druck.

Das Treffen der Credit-Suisse-Aktionäre vom Freitag versprach zu einem Spektakel zu werden. Denn längst ist durchgesickert, dass Lehman-Geschädigte die Versammlung öffentlichkeitswirksam zur eigenen Plattform umzufunktionieren beabsichtigten – mit einer Demonstration und mit einem Votenreigen, mit dem die Methoden der CS-Produkteverkäufer angeprangert werden sollten.Drei Tage davor präsentiert die Grossbank den Lehman-Opfern ein aufgebessertes Kulanzangebot. Statt nur 2000 Kunden mit insgesamt 100 Millionen Franken will die Bank neu rund 3700 Geschädigte mit 150 Millionen zufriedenstellen. Bisher konnten Kunden mit einem Gesamtvermögen von bis zu 50000 Franken Entschädigungsansprüche geltend machen, wenn mindestens 50 Prozent dieses Vermögens in Lehman-Produkten angelegt worden waren. Neu ist dies bereits ab einem Anteil von 20 Prozent möglich. Das stimmt sogar den Bankenombudsmann milde, der in den Verhandlungen mit der CS eine Limite von 10 Prozent gefordert hat: «Wir sind uns in diesem Punkt recht nahegekommen», meint Hanspeter Häni.«Guter Tag für Anlegerschutz»«Dass dieses Angebot heute kommt, hat eindeutig mit der Generalversammlung vom Freitag zu tun», rief Rechtsanwalt und Geschädigtenvertreter Daniel Fischer gestern Mittag in den Saal der Zürcher Brasserie Lipp. Gegen 150 Geschädigte der Anlegerselbsthilfe hatten sich zu einer Informationsveranstaltung versammelt – nicht wissend, dass ihnen der Tag ein neues Angebot der Credit Suisse bringen sollte. «Es ist ein guter Tag für den Anlegerschutz in der Schweiz», kommentierte Fischer die Offerte. Er sagte aber auch: «Die Sache ist noch nicht gegessen.»«Lage unübersichtlich»«Die Lage ist unübersichtlich», gibt sich auch René Zeyer, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Lehman-Anlageopfer, zurückhaltend. Und er fügt bei: «Erst wenn alle Lehman-Opfer ein akzeptables Angebot erhalten haben, ist dieser Skandal für die CS ausgestanden.» Zeyer kritisiert, dass auch mit dem neuen Angebot der CS zahlreiche Bankkunden ohne Entschädigung bleiben. «Ob ein Beratungsfehler 5 oder 50 Prozent des Vermögens eines Kunden betrifft, ändert nichts daran, dass es ein Beratungsfehler war.»Ausgehandelt hat die CS das weiter gehende Angebot mit der Fédération Romande des Consommateurs, der Konsumentenschutzorganisation der Westschweiz, die um die 400 Geschädigte vertritt. Die neuen Konditionen gelten aber für alle betroffenen Kunden – auch für jene, die bereits früher in ein Kulanzangebot der Bank eingewilligt haben, betont Sprecher Andrés Luther. Sie gelten aber nicht für Clariden Leu, weil die Privatbanktochter «andere Kundencharakteristika» aufweise, so Luther. Die Neue Aargauer Bank, ebenfalls eine CS-Tochter, will aufgrund des neuen Angebots der Mutter die Situation besonders betroffener Kunden überprüfen.Gutachten der Uni BernDie Westschweizer Konsumentenorganisation, vor allem aber die beiden Zürcher Selbsthilfeorganisationen, haben über Monate massiv Druck auf die CS ausgeübt, einerseits mit Öffentlichkeitsarbeit wie etwa der Drohung, an der Generalversammlung aufzutreten, andererseits mit juristischen Schritten: Vier Klagen sind hängig, eine Art Sammelklage steht im Raum, und ein Gutachten des Berner Rechtsprofessors Peter V. Kunz kommt zum Schluss, dass eine Schadenersatzpflicht der CS wahrscheinlich gegeben sei.Dass die CS auf die breite öffentliche Diskussion reagiere, könne man sagen, räumt Luther ein. Sie sei aber eine der ersten Banken, die weltweit in dieser Sache eine so weitgehende Lösung anbiete.>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch