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Verlagerung auf Holländisch

Was in der Schweiz die Neat, ist in Holland die Betuweroute. Die neue Eisenbahnlinie vom Hafen Rotterdam an die deutsche Grenze wurde sogar ausschliesslich für den Güterverkehr gebaut. Doch sie kämpft mit Startproblemen.

Die Bahn hat in Holland anders als in der Schweiz keinen guten Ruf. Doch das soll sich ändern. Angesichts des erwarteten Güterverkehrswachstums hat das niederländische Parlament bereits in den 90er-Jahren eine Pioniertat beschlossen: die Betuweroute, eine 160 Kilometer lange neue Eisenbahnlinie, die ausschliesslich Güterzügen vorbehalten ist. 2007, nach 13 Jahren Bauzeit, wurde sie fertiggestellt.Diese erste reine Güterverkehrsneubaustrecke in Europa führt vom Hafen Rotterdam an die deutsche Grenze. Weitgehend entlang der Autobahn A15 durchquert die doppelspurige Eisenbahnlinie das Land von West nach Ost.4,7 Milliarden Euro, finanziert durch den niederländischen Staat und unterstützt durch die EU, hat die Betuweroute gekostet – ein Drittel mehr als der neue Lötschberg-Tunnel. Trotz topfebener Landschaft verläuft sie auf insgesamt 18 Kilometern unterirdisch. Dicht besiedelte sowie ökologisch sensible Gebiete wurden untertunnelt. Die gesamte Strecke ist zudem mit Lärmschutzwänden versehen. Wie bei der Neat sind die Kosten auch bei der Betuweroute explodiert: Seit den ersten Planungen haben sie sich vervierfacht, dabei wurde ein geplanter Abschnitt Richtung Norden aus dem Bauprogramm gestrichen.Bei Weitem nicht ausgelastetAnders als in der Schweiz, wo Güter- und Personenzüge auf dem gleichen Netz verkehren, gibt es auf der für den Güterverkehr reservierten Betuweroute keine Konflikte mit verspäteten Regional- und Fernverkehrszügen. Wenn schon besteht der Konflikt schon eher darin, dass die milliardenteure Strecke über ein Jahr nach Eröffnung bei Weitem noch nicht ausgelastet ist. Gestartet wurde mit bloss einigen wenigen Zügen pro Woche, bis Ende letzten Jahres waren es dann immerhin 200 pro Woche. In der zweiten Hälfte dieses Jahres sollen es bis zu 440 Züge sein.Die Linie wird von der Gesellschaft Keyrail betrieben, die zur Hälfte der niederländischen Schieneninfrastruktur-Gesellschaft Prorail und zur andern Hälfte den Häfen Rotterdam und Amsterdam gehört. Als Grund für die schwache Auslastung geben die Keyrail-Verantwortlichen an, dass viele Güterlokomotiven bei der Eröffnung der Strecke noch nicht mit dem modernen (und teuren) Zugsicherungssystem ETCS ausgerüstet waren. Die Linie kann ausschliesslich mit ETCS befahren werden. Bereits die Eröffnung 2007 war eine Farce. So gab es am Eröffnungstag auf der Linie noch keinen Strom, der erste Zug musste mit einer Diesellok gezogen werden. Bis einen Monat vor Eröffnung gab es auch keine Testfahrten, und die Firma Veolia, die als erstes Eisenbahnunternehmen die Strecke befahren wollte, hatte keine Lokzulassung. Plötzlich sei alles sehr schnell gegangen und die Zulassung habe unerwartet rasch vorgelegen, erzählt Markus Bertram, Chef von Veolia Cargo Benelux. Verlagerung auf Bahn und SchiffInzwischen laufe der Betrieb der Strecke «zufriedenstellend», sagt Bertram. Auch die Hafenverantwortlichen sind zuversichtlich, dieses Jahr endlich mehr Güter auf die Bahn verlagern und den Schienenanteil am Güterverkehr steigern zu können: Knapp die Hälfte der holländischen Gütertransporte bewältigt heute die Strasse, gegen 40 Prozent die Binnenschifffahrt und lediglich 13 Prozent die Schiene. Bis in zwanzig Jahren soll der Schienenanteil auf 20 Prozent angewachsen sein. Die Betreiberin Keyrail will bis in fünf Jahren mit der Betuweroute Gewinn schreiben. Das wird allerdings nur möglich sein, weil der holländische Staat auf eine Rückzahlung der Investitionskosten verzichtet.>

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