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Tamedia von Romanshorn bis Genf

Der Tamedia-Konzern übernimmt schrittweise das Schweizer Geschäft der Edipresse in Lausanne. Vorteile erhoffen sich die beiden Konzerne vor allem im Werbemarkt, wo sie insbesondere neue Konkurrenten wie Google, Yahoo und Facebook in Schach halten wollen.

Der Zürcher Tamedia-Konzern setzt seinen forschen Expansionskurs fort. Es ist noch keine zwei Jahre her, seit die Tamedia die Übernahme der Berner Espace-Media-Gruppe ankündigte, zu welcher die «Berner Zeitung» und der «Bund» gehören. Tamedia wurde dadurch auf dem Inlandmarkt zum grössten Schweizer Zeitungsverlag. Nun übernimmt er auch das Inlandgeschäft von Edipresse, dem grössten Westschweizer Medienhaus.

In einem ersten Schritt kauft Tamedia 49,9 Prozent der Aktien an der Presse Publications SR, welche das Schweizer Geschäft von Edipresse umfasst. Auf Anfang 2011 steigt die Beteiligung auf 50,1 Prozent. Am 1. Januar 2013 wird die Tamedia dann die Presse Publications SR zu 100 Prozent übernehmen. Für die beiden ersten Schritte bezahlt das Zürcher Unternehmen 226 Millionen Franken. Den dritten Schritt wird die Tamedia mit eigenen Aktien bezahlen.

Die Aktionärsstruktur wird sich dadurch verändern: Heute gehören 76,4 Prozent verschiedenen Mitgliedern der Familie Coninx, wobei 71,8 Prozent der Stimmen durch einen Aktionärsbindungsvertrag zusammengefasst sind. Weitere 5,7 Prozent sind im Besitz der ehemaligen Aktionäre der Espace Media. Nur eine Minderheit der Titel wird frei an der Börse gehandelt. Es ist anzunehmen, dass die Edipresse-Aktionäre ab 2013 mit 5 bis 10 Prozent an der Tamedia beteiligt sein werden.

Bis dann könnten sich allerdings die Kapital- und die Konzernstruktur des Tamedia-Konzerns weiter verändert haben. Die Medienbranche steckt nicht nur in einer konjunkturellen Krise, sie wird auch aus strukturellen Gründen radikal verändert. Der Trend zeigt bei den Leserzahlen wie auch bei den Inserateeinnahmen abwärts.

Der Tamedia-Konzern gilt als stärkste Kraft im Schweizer Zeitungsmarkt. Konzernchef Martin Kall macht kein Hehl daraus, dass er die Krise auch als Chance für den Gewinn von Marktanteilen sieht. Mit dem Einstieg bei der Edipresse macht die Tamedia jetzt einen grossen Schritt. Bisher wurde eher über ein Näherrücken von Tamedia und Basler Zeitung spekuliert. Die beiden Konzerne sind bereits gemeinsam an der Pendlerzeitung «News» sowie an der Online-Plattform «Newsnetz» beteiligt.

Gratiszeitungen fusionieren

Das journalistische Aushängeschild der Edipresse ist «Le Temps». An dieser französischsprachigen Qualitätszeitung ist auch Ringier mit 44,7 Prozent beteiligt. Tamedia und Ringier werden sich somit auf einen gemeinsamen Kurs einigen müssen.

Bereinigt wird die Situation bei den Gratiszeitungen: «Le Matin bleu» und «20 minutes» werden fusionieren. Dadurch gehen rund 20 Redaktionsstellen verloren.

Die redaktionelle Zusammenarbeit über die Sprachgrenzen hinweg dürfte beschränkt bleiben. Die Übernahme zielt in erster Linie auf den sich stark verändernden Werbemarkt ab. «Einige unserer neuen Konkurrenten heissen Google oder Facebook», heisst es in einer gemeinsamen Erklärung von Tamedia-Präsident Pietro Supino sowie Edipresse-Präsident Pierre Lamunière. Die Zusammenarbeit bei Rubrikeninseraten im Internet soll rasch ausgebaut werden. Gemeint ist in erster Linie der Stellenmarkt. Beide Unternehmen sind zudem seit 2004 an der Immobilienplattform Homegate beteiligt.

Vom gesamten Edipresse-Umsatz von 815 Millionen Franken (Stand 2007) gehen rund 400 Millionen zur Tamedia über. Bei Edipresse verbleiben neben dem Auslandgeschäft auch das Magazin «Bilan» sowie zwei Uhrenzeitschriften. Der Konzernumsatz der Tamedia dürfte dadurch auf 1,25 Milliarden Franken steigen, wie Konzernchef Martin Kall gestern sagte. Tamedia ist damit zwar Marktleader in der Schweiz. Aber Ringier erzielt dank seinem Auslandgeschäft weiterhin einen grösseren Gesamtumsatz.

Weko muss entscheiden

Das Zusammengehen von Tamedia und Edipresse muss bei der Wettbewerbskommission (Weko) zur Genehmigung angemeldet werden. Zum Vergleich: Die Übernahme der Espace Media durch die Tamedia wurde im Mai 2007 angekündigt. Die Weko erteilte ihre Zustimmung rund drei Monate später.

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