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Sarkozy sieht sich als Initiator

Nicolas Sarkozy geht es am G20-Treffen nicht nur um konkrete Ergebnisse bei der Regulierung des Finanzsystems, sondern nicht zuletzt auch um die Inszenierung seiner selbst.

«Ich werde mich nicht an einem Weltgipfel beteiligen, der sich vornimmt, nichts zu beschliessen», sagte Präsident Sarkozy wenige Tage vor dem G20-Treffen in London. Obschon mittlerweile in der Presse bereits ein Entwurf für das Schlusscommuniqué des Gipfels der grössten Wirtschaftsmächte zirkuliert, weiss der französische Staatschef, dass noch einiges offen und im Fluss ist. In ultimativem Ton fordert er konkrete Resultate. Mitte März hatte er im Anschluss an den Ministerrat seiner Regierung sogar versichert: «Wenn es in London nicht vorwärtsgeht, praktizieren wir die Politik der leeren Stühle: Ich stehe auf und gehe!» Sarkozy spielt auf den Präzedenzfall an, als General de Gaulle mit einem französischen Sitzungsboykott 1965 gegen einen Beitritt Grossbritanniens zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft protestierte. Die historische Anspielung auf einen Interessenkonflikt mit den Briten kommt nicht von ungefähr, da aus der Londoner City massiver Widerstand gegen die deutsch-französischen Vorschläge einer umfassenden Regulierung der Finanzwelt kommt. Paris und Berlin im DuettUnd obgleich inzwischen auch Barack Obamas Finanzminister Timothy Geithner eine strikte Kontrolle nicht nur der Banken, sondern auch anderer Finanzkonzerne sowie diverser Kreditderivate befürwortet, ist Sarkozy davon überzeugt, dass nur schon die Idee einer staatlichen Aufsicht über Hedge-Fonds und Private-Equity-Firmen den angelsächsischen Liberalen gegen den Strich geht. Er geht in seiner Lieblingsrolle als Stürmer und Dränger nach London in der Hoffnung, zusammen mit Angela Merkel beim Konzert der Nationen den Ton anzugeben. Wie Deutschland hat auch schon Frankreich neue staatliche Konjunkturprogramme ausgeschlossen, die das Budgetdefizit zusätzlich belasten würden. Unisono verlangen Paris und Berlin nicht nur eine Verurteilung, sondern notfalls Sanktionen gegen Steueroasen. Die Abstimmung mit Berlin vor dem Gipfel von London funktioniert dieses Mal so gut, dass Sarkozy die Kanzlerin in seine Rhetorik einschliesst: «Ich arbeite mit Merkel, und wenn das nicht klappt, dann gehen wir.»Seit dem Ende seiner EU-Präsidentschaft, die wegen der Mittelmeerunion und diverser Sololäufe Sarkozys zu deutsch-französischen Spannungen führte, hat Frankreich wieder zur klassischen engen Partnerschaft mit Deutschland zurückgefunden. Nicht nur darauf stützt sich Sarkozy in seinem Streben nach einer Neubegründung der Finanzordnung und der Weltwirtschaft. Er möchte jetzt für die Wiederannäherung an die USA belohnt werden, die er bereits mit Präsident George W. Bush eingeleitet hatte und nun mit Obama fortsetzen will. Ohnehin beansprucht er eine «Vaterschaft» für den G20-Zyklus, weil er im September 2008 ein erstes solches Treffen vorgeschlagen hatte. Zudem hat er den Eindruck, dass die anderen nicht nur «seine» Ideen – wie die Autoabwrackprämie – übernommen haben, sondern dass auch ideologisch mittlerweile von den Deutschen über die Amerikaner bis hin zu den Briten alle auf seine Linie einer «Moralisierung des Kapitalismus» eingeschwenkt seien. Das glaubt ihm zumindest ein Teil seiner Landsleute, etwas schwieriger dürfte es sein, diese Sicht der Dinge in London an den Mann zu bringen.

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