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Hochkomplexe Wahlarithmetik

18 offiziell anerkannte konfessionelle Gruppen gibt es in Libanon. Da die letzte Bevölkerungszählung 1932 stattfand, gibt es längst keine verlässlichen Zahlen mehr zur Aufteilung der rund vier Millionen Einwohner auf die verschiedenen Religionsgemeinschaften. Um alle Minderheiten berücksichtigen zu können, ist das gesamte staatliche System – von der Regierung bis zu den Behörden und der Verwaltung – nach Religionszugehörigkeiten aufgeteilt. Der Staatspräsident beispielsweise ist immer ein Christ, der Ministerpräsident immer ein Sunnit, der Parlamentspräsident ein Schiit, der Chef der Armee ein Christ, der Chef der Polizei ein Sunnit usw. Das Parlament mit 128 Sitzen besteht – aus historischen Gründen – aus 50 Prozent Christen und 50 Prozent Muslimen. Die Libanesische Vereinigung für Demokratische Wahlen (LADE) hat die Stimmzettel vergangener Wahlen ausgewertet und kommt zum Schluss, dass die Christen nur noch etwa einen Drittel der Bevölkerung ausmachen. Die grösste Gruppe sind heute die Sunniten, gefolgt von den Schiiten. Für die Parlamentswahlen ist das Land in 26 Wahlbezirke eingeteilt, die je nach Bevölkerungsdichte eine bestimmte Anzahl Sitze im Parlament zugeteilt erhalten haben. Die Sitze pro Bezirk werden dann an die elf Konfessionen verteilt, die an den Wahlen teilnehmen. Jeder Wähler kann mit einem Wahlzettel so viele Abgeordnete wählen, wie seinem Distrikt zustehen. Er muss dabei aber alle Religionsgemeinschaften berücksichtigen. System funktioniert nicht mehrGrundsätzlich sollten bei diesem Wahlsystem die populärsten Kandidaten der jeweiligen Religionsgruppen die Wahl gewinnen. Doch weil Libanon seit 2005 in zwei Blöcke aufgeteilt ist und jeder Block für jeden Sitz einen eigenen Kandidaten aufstellt, gewinnen in der Regel diejenigen Kandidaten, die auf der Liste der grössten konfessionellen Gruppe kandidieren. In den Bezirken mit einer grossen konfessionellen Mehrheit – im Süden beispielsweise die Schiiten oder die Sunniten im Norden – ist deshalb bereits klar, wer gewählt wird. Da die Christen als einzige grosse Minderheit nicht geeint, sondern auf die beiden Blöcke aufgeteilt zur Wahl antreten, werden die christlich dominierten Gebiete für den Ausgang der Wahl am Sonntag entscheidend sein. (blb)>

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