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Frau Holle im Schuss wie lange nicht mehr

Die weisse Pracht bringt den Alltag durcheinander. Der Winterdienst schiebt Extraschichten, Busse und Trams kommen nur schleppend voran, im Maulbeer-Bad muss wegen Einsturzgefahr das Dach geräumt werden.

Die Stadt Bern in weisser Pracht. (Bild: Valérie Chételat)
Die Stadt Bern in weisser Pracht. (Bild: Valérie Chételat)

Frau Holle schüttelt in diesen Tagen tüchtig ihre Betten aus. Vom Genfer- bis an den Bodensee hat sie das ganze Land mit einer weissen Schicht überzogen. Auch in tiefen Lagen hat sie dick aufgetragen. So fielen im Raum Bern bis gestern über 20 Zentimeter Schnee. Für den Winterdienst der Stadt Bern hiess es zweimal hintereinander morgens um 4 Uhr: Antreten zum grossen Schneeräumen. Laut Roland Beyeler, Leiter Strassenreinigung und Winterdienst, pflügten 16 bis 17 Lastwagen alle wichtigen Strassen. Auf den Trottoirs kam eine Mehrzahl von Traktoren und umgerüsteten Reinigungsmaschinen zum Einsatz. Ein Teil der 220-köpfigen Räumequipe schaufelte von Hand Fussgängerübergänge, Eingänge und Einlaufschächte frei. Gestern Nachmittag schickte Beyeler die erschöpften und durchgefrorenen Männer nach Hause. So sollen heute früh einigermassen ausgeruht zum dritten «Grosskampftag in Folge» antreten können. Letztmals sei der Winterdienst 1999 derart gefordert worden, sagt Beyeler.«Maulbeer»-Dach geräumtMuskelkraft war gestern auch von drei Angestellten der Firma Bernaroof gefordert. Sie waren kurz nach Arbeitsbeginn aufgeboten worden, das Flachdach des Hallenbads Hirschengraben im Berner Stadtzentrum zu räumen. Kürzlich hatten Stadtbauten Bern (Stabe) für einige Aufregung gesorgt mit der Information, das renovationsbedürftige Bad müsse geschlossen werden, sollten 10 Zentimeter und mehr Schnee auf dem Dach liegen. Gestern Morgen wurden auf dem einsturzgefährdeten Flachdach nur sechs Zentimeter gemessen, weil es sich direkt über der Sauna befindet, deren Deckenisolation zu wünschen übrig lässt. «Wir hatten die Situation unter Kontrolle; es bestand kein Grund, das Bad zu schliessen», sagt Stefan Dellenbach, Bauprojektverantwortlicher bei Stabe. Problematisch werden könnte es, wenn über Nacht einmal eine noch grössere Menge Schnee falle. «Dann müssten wird den Betrieb einstellen.»Der Baldachin ist stabilKeine Räumungsaktionen sind auf dem Baldachin am Bahnhofplatz nötig, der seit gestern ein derart stattliches weisses Kleid trägt, dass kein Tageslicht mehr von oben durchdringen kann. Es handle sich um ein neues Bauwerk, das keine Korrosionsschäden aufweise wie das Maulbeer-Hallenbad, sagt Dellenbach. Wie viel Schnee es braucht, bis der Baldachin unter der schweren Last zusammenkrachen könnte, weiss er nicht. «Es dürfte weit mehr als ein Meter sein, da die heute geltenden Normen streng sind.»Die Schneefälle führten auf dem Netz des öffentlichen Verkehrs zu einigen Zwischenfällen und Verspätungen. In der Stadt Bern gab es zwei Tramunfälle. Der eine Zwischenfall ereignete sich am Mittwochabend in der Berner Wallgasse. Ein Tramführer hatte seine leere Komposition auf der zweispurigen Wendeschlaufe wegen der vom Schnee bedeckten Schienen zu weit vorne parkiert. Als ein anderes Tram passieren wollte, kam es zu einer seitlichen Kollision. Verletzt wurde niemand, doch ist der Sachschaden laut Bern-Mobil-Pressesprecherin Annegret Hewlett beträchtlich. Gestern morgen kurz vor 7.30 Uhr entgleiste auf dem Guisanplatz ein Tram der Linie 9. Zwischen dem Hauptbahnhof Bern und der Endstation bei den Accor-Hotels verkehrten in der Folge bis gegen 11 Uhr Ersatzbusse. Wegen des winterlichen Wetters zirkulierten am frühen Morgen die Busse der Linien 10, 13 und 14 mit Verspätungen.

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