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Eishockey-WM würde zur Gefahr

Stadt und Kanton Bern glauben sich für das Szenario Schweinegrippe in Bern gewappnet: Panikmache sei fehl am Platz.

Ob und wie sich die Schweinegrippe in der Schweiz pandemieartig ausbreitet, ist gegenwärtig noch nicht abzuschätzen. Bis gestern Abend ist im Kanton Bern ein Verdachtsfall aufgetreten. Schweizweit gab es indes noch keinen Fall, wo das Schweinegrippe-Virus als Erreger nachgewiesen wurde.Dennoch die Frage: Was, wenn das Virus Bern erreicht? «Ein solches Szenario ist zurzeit noch nicht Realität», sagt Feuerwehrkommandant Franz Bachmann, der für die Vorbereitungen auf einen potenziellen GAU in der Stadt Bern zuständig ist. Panikmache sei fehl am Platz.Stufe 6: 32000 Erkrankte in BernTrotzdem, so Bachmann, sei die Stadt auf das Szenario Pandemie vorbereitet. Das hängt vorab damit zusammen, dass sich Bern im Zuge der Vogelgrippe, die 2007 ausbrach, gegen Pandemien wappnete. Die Vogelgrippe wurde für die Stadt nie zum Thema, geriet in Vergessenheit, der Pandemieplan indessen liegt weiterhin vor. Knapp 200 Seiten stark ist der Plan, der auf der städtischen Internetseite einsehbar ist.Was aber muss geschehen, dass die Stadt von einer Pandemie spricht? Die Warnstufe 6 gälte zu diesem Zeitpunkt für die Schweiz, was Dramatisches bedeutete. Das Virus wäre in der Bevölkerung weit verbreitet: Allein in der Stadt Bern erkrankten 32000 der knapp 130000 Einwohner; 800 würden hospitalisiert, 128 sterben.In dieser Ausnahmesituation sei es an der Stadt, «alle vitalen Bereiche für die Grundversorgung» aufrechtzuerhalten, sagt Bachmann. Die Verwaltung und grössere Firmen verfügten daher über einen eigenen Pandemieplan, schliesslich müssten Spitäler weiter funktionieren, Polizei und Feuerwehr einsatzbereit sein und auch Bus und Tram weiterhin zirkulieren.Um Ansteckungen zu vermeiden, müssten gleichzeitig Massenanlässe abgesagt werden, so Bachmann. Zur aktuell laufenden Grossveranstaltung Eishockey-WM mag der Feuerwehrkommandant indes keine Auskunft geben. Klar ist aber, dass derartige Menschenansammlungen zur Gefahr würden. Die Verfügungsgewalt liegt in diesem Fall aber letztlich beim Kanton.Plan mit konkreten EmpfehlungenWie die Stadt hat sich auch der Kanton in den vergangenen Jahren mit dem Szenario Pandemie auseinandergesetzt und einen 260 Seiten dicken Plan ausgearbeitet. In diesem wird detailliert festgehalten, was im Falle einer Pandemie zu tun ist. Er ist aber letztlich nur die detaillierte Umsetzung der Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit. Der Influenza-Pandemieplan wiederum stützt sich nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit «auf die zurzeit verfügbaren wissenschaftlichen Daten, die Empfehlungen der WHO und die Erfahrungen, die mit früheren Pandemien gemacht wurden.»Konkret heisst dies: Der Bund legt beispielsweise die Pandemie-Phase 5 oder 6 für die Schweiz fest. Damit legt er dann quasi die Basis für das Eingreifen der Kantone. Diese können etwa Schulschliessungen anordnen oder eben Veranstaltungen absagen. Im Kanton hat man deshalb bereits bei der Erarbeitung des Pandemieplans eng mit den verPlans mit den verschiedenen kantonalen Direktionen zusammengearbeitet. Denn auch wenn der bernische Pandemieplan 260 Seiten dick ist: Nur einen Papiertiger wollten die Behörden nicht schaffen, wie Kantonsarzt Hans Gerber sagt. Diejenigen Personen, die den Plan in Arbeitsgruppen ausgearbeitet haben, würden auch im Falle einer Pandemie zusammenarbeiten müssen. Der Pandemieplan, der im Internet aufgeschaltet und so für die Öffentlichkeit zugänglich ist, enthält «bewusst bereits ganz viele fertig ausgearbeitete Dokumente». So finden interessierte Bürger auf Seite 203 etwa ein Blatt über persönliche Hygienemassnahmen, die im Fall einer Pandemie getroffen werden sollten.Nicht nur medizinische RisikenNeben den medizinischen Risiken, die eine Pandemie birgt, weisen aber sowohl das Bundesamt für Gesundheit wie auch Kantonsarzt Hans Gerber vor allem auf das «volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Bedrohungspotenzial» einer Pandemie hin. Je nachdem kann die Abwesenheit von Arbeitnehmern in Firmen nämlich 10 bis 50 Prozent betragen. Und zwar weil sie entweder selber eine bis zwei Wochen krank sind, weil sie kranke Angehörige pflegen müssen oder aufgrund der Schliessung von Kindertagesstätten und Schulen ihre Kinder beaufsichtigen müssen. Zudem ist es möglich, dass die Berufsleute wegen Störungen im öffentlichen Verkehr gar nicht zur Arbeit erscheinen können oder Angst haben und deshalb zu Hause bleiben. Aus diesem Grund wird Arbeitgebern im Kanton Bern zum Beispiel empfohlen, selber einen Pandemieplan auszuarbeiten. Wenn Arbeitnehmer für längere Zeit ausfallen, verursacht dies auch indirekte Kosten. Diese wirtschaftlichen Folgen schlagen sich in einer Abnahme des Bruttosozialprodukts nieder. In einer Studie für die Schweiz wird von Maximalkosten von 2,3 Milliarden Franken ausgegangen. Leichter berechnen lassen sich die direkten Kosten einer Pandemie. Diese ergeben sich aus der verstärkten Nachfrage nach Gesundheitsleistungen. So könnte eine Pandemie den Kanton 40 bis 60 Millionen Franken kosten. So viel sich für den Fall einer Pandemie auch berechnen lässt, so sehr sich Bund und Kantone auch organisatorisch wappnen – der Faktor Mensch bleibe unberechenbar, sagt Kantonsarzt Hans Gerber. «Die grosse Frage ist, wie die Bevölkerung reagiert.»

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