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Ein einig Volk von Wanderern

Der Verband Schweizer Wanderwege kann nach 75 Jahren eine positive Bilanz ziehen. Jeder Dritte wandert, und fast alle sind mit der Infrastruktur zufrieden, sagt eine Studie. Verbesserungspotenzial gibt es bei der Anreise ohne Auto.

Seit 75 Jahren gelb: Der Wanderwegweiser. (Valérie Chételat)
Seit 75 Jahren gelb: Der Wanderwegweiser. (Valérie Chételat)

Er ist männlich, sportlich, zwischen 55 und 64 Jahren alt, kommt aus der Deutschschweiz und ist durchschnittlich am häufigsten auf den gelb, rot-weiss oder blau markierten Wander- und Bergwegen in der Schweiz unterwegs. Der durchschnittliche Wanderer frönt seinem Hobby 20 Mal pro Jahr während je 3,5 Stunden und trägt einen Rucksack, aus dem er sich oft selber verpflegt. Gesamthaft wandern in der Schweiz 1,9 Millionen Menschen auf einem Wegnetz von 62 000 Kilometern. «Knapp ein Zehntel dieser Personen treiben sonst keinen Sport. Wandern ist ein wichtiger Beitraggegen die Bewegungsarmut», sagt Sozialforscher Hanspeter Stamm.Die Lamprecht & Stamm Sozialforschung AG hat im Auftrag der Schweizer Wanderwege und des Bundesamts für Strassen (Astra) die Studie «Wandern in der Schweiz» erarbeitet. Seit 75 Jahren vereinen sich unter der Dachorganisation Schweizer Wanderwege 26 kantonale Organisationen, die die Wanderwege unterhalten, kontrollieren und beschildern. Kürzlich wurden die Resultate der Studie veröffentlicht und eines ist klar: Wandern liegt im Trend.In allen sozialen SchichtenJeder dritte Schweizer wandert – das Wandern gehört in der Schweiz zu den beliebtesten Freizeit- und Sportaktivitäten, sagt die Studie. Gewandert wird in allen sozialen Schichten, und sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen gehören die meisten Wanderer der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen an. Die Frauen stehen den Männern in fast nichts nach – allerdings haben Frauen ab 46 wegen des Walkingbooms in den letzten Jahren an Boden verloren.Benutzt werden Wanderwege aber sogar von drei Vierteln der Bevölkerung, denn auch Jogger, Nordic-Walker, Velofahrer, Mountainbiker und Reiter nutzen die ausgeschilderten Wege. Da erstaunt es wenig, dass die Befragten angaben, die häufigsten Störfaktoren seien andere Wanderer, Mountainbikefahrer und Hunde, besonders weil die meisten Leute eigentlich wegen der unberührten Natur und Landschaft wandern gehen. Zwischen den potenziellen Störfaktoren und dem, was den Wanderer tatsächlich stört, besteht laut der Studie aber eine Diskrepanz. Belästigt fühlen sich Wanderer durch herumliegenden Abfall, geteerte Wege, motorisierten Verkehr und beschädigte oder fehlende Wegweiser, obwohl diese Mängel eher selten vorkommen. Mit Gleichgesinnten, denen sie naturgemäss oft begegnen, aber auch mit den oft verwünschten Mountainbikern oder Kühen auf Weiden könnten sich die Wanderer gut arrangieren, sagt Stamm.Grosses UmsteigepotenzialDie Bekämpfung von Littering gehöre nicht zu den Kernkompetenzen der Schweizer Wanderwege, aber man müsse prüfen, wie dieses Problem mit den lokalen Verantwortlichen angegangen werden könne. Obwohl Wanderwege «ausgesprochen gute Noten» erhielten, dürften sich die Wanderwegorganisationen ob der aktuell hohen Zufriedenheit nicht zurücklehnen, heisst es im ausblickenden Teil der Studie. Nachholbedarf gibt es laut Christian Hadorn, Geschäftsführer Schweizer Wanderwege, etwa bei der Anreise ohne Privatauto. Obwohl 75 Prozent der Wanderer sagen, es sei ihnen wichtig, dass sie mit dem öffentlichen Verkehr anreisen könnten, und viele angeben, motorisierter Verkehr und Lärm störe sie sehr, reist jeder Zweite mit dem eigenen Auto an. «Gerade bei den Tagesausflüglern scheint noch ein grosses Umsteigepotenzial zugunsten des öffentlichen Verkehrs vorhanden zu sein», heisst es.Für diesen Teil der Befragten sei es zudem schwierig gewesen, Angaben zu den Kosten zu machen, vermuten die Autoren der Studie. Aus den Angaben geht hervor, dass die Wanderkosten pro Tag und Person nur einen «marginalen Betrag von 43 Franken ausmachen», sagt Stamm. Aber die Leute wanderten nicht nur einmal im Jahr und würden deshalb pro Jahr einen Betrag von 900 Franken ausgeben. Hochgerechnet auf die vielen Wanderer dürfte sich der Gesamtumsatz des Wanderns auf zwischen 1,5 und 2 Milliarden Franken belaufen.Nicht einbegriffen in diesen Zahlen sind Auslagen für die Ausrüstung. Neben einem Rucksack tragen die meisten Wanderschuhe und viele führen eine Wanderkarte mit sich. Diese, so die Studie, dient zwar 70 Prozent der Wanderer als Vorbereitung, aber nicht in erster Linie als Orientierung im Gelände. Drei Viertel folgen den Wegweisern und Markierungen und lassen GPS oder Karten im Rucksack. Dass die meisten den gelben Rhomben, den weissen und roten Strichen und blauen Markierungen so vertrauensvoll folgen, hängt wohl mit deren guter Qualität zusammen. Die grosse Mehrheit ist mit den «einheitlich signalisierten und gut unterhaltenen Wegen» zufrieden. Der Entscheid vor 75 Jahren, alle Wanderwege in der Schweiz einheitlich zu signalisieren, dürfte mit Sicherheit dazu beigetragen haben, dass sich Wandern zum Volkssport entwickelt hat. Mit einem Blick in die Zukunft wagt die Studie die Prognose, dass der Anteil an Wanderern in den nächsten Jahren noch zunehmen wird: «Die heute 40- bis 50-jährigen Babyboomer werden in den nächsten zehn Jahren in die besten Wanderjahre kommen.»

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