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China strebt aktivere Rolle an

Noch wächst die Wirtschaft – doch China fürchtet sich vor einem möglichen Zerfall des US-Dollars. Die Volksrepublik will sich auf jeden Fall stärker als bisher für die Bewältigung der Krise engagieren.

Der G20-Gipfel in London solle «ein starkes Signal» aussenden, dass «die internationale Gemeinschaft bereit ist, gemeinsam zu handeln, um durch die Zeit der Not zu kommen.» Das forderte Chinas Vizeregierungschef Wang Qishan kurz vor seiner Abreise nach London. Staats- und Parteichef Hu Jintao wird die Pekinger Delegation leiten. China will sich stärker als bisher engagieren, um die Finanz- und Wirtschaftskrise zu bewältigen. Peking sucht vor allem eine grössere Rolle im Internationalen Währungsfonds (IWF). Derzeit hat es nur so viel Gewicht wie Belgien – obwohl die Volksrepublik gemessen am Bruttoinlandprodukt bereits drittstärkste Wirtschaftsmacht der Welt ist. Nur noch die USA und Japan sind stärker. Unklar ist allerdings, wie gross China einsteigen will, denn mehr Anteile bedeuten, dass andere Länder in der Organisation Stimmrechte abgeben müssen. Peking unterstützt zudem den Vorschlag, den IWF mit mehr Kapital auszustatten «China ist bereit, eine aktive Rolle dabei zu spielen, Wege zu erforschen, um die Mittel zu erhöhen, und es wird innerhalb seiner Fähigkeiten dazu beitragen», erklärte Vizepremier Wang. Bisher teilte er allerdings nicht mit, wie viel sein Land beisteuern würde. Japan hat eine Finanzspritze im Wert von 100 Milliarden Dollar angekündigt. Deutliche SchuldzuweisungNach Ansicht der chinesischen Funktionäre sind die USA mit ihrem gewaltigen Haushaltdefizit und den undurchschaubaren Machenschaften der Wall-Street-Banker schuld an der Misere. Nun fürchten sie, dass Präsident Obama zu viel Geld drucken könnte, um die US-Wirtschaft wiederzubeleben. Die Angst ist verständlich: Die Hälfte der chinesischen Devisenreserven legte Peking in Dollar an, für 740 Milliarden Dollar kaufte es US-Schatzbriefe. Je stärker und länger die Weltwirtschaft – und allem voran das Geschäft in den USA – einbricht, und je stärker der Wert des Dollar sinkt, desto mehr verlieren auch die chinesischen Einlagen an Wert. Bemerkenswert ist der selbstbewusste Tonfall, mit dem Pekinger Funktionäre in den letzten Tagen argumentierten. «Seit dem G20-Gipfel in Washington im vergangenen Jahr hat China als verantwortungsvolles Mitglied der internationalen Gemeinschaft einer ganzen Reihe von Ländern und Regionen auf vielfältige Weise grosse Hilfe und Unterstützung geleistet», erklärte etwa Wang. Neue Leitwährung unrealistischSo versetzte der Chef der chinesischen Zentralbank, Zhou Xiaochuan, vor wenigen Tagen die Finanzmärkte mit dem Vorschlag in Aufregung, den US-Dollar als globale Leitwährung abzuschaffen und durch eine neue Währung zu ersetzen. Er plädierte für die «Sonderziehungsrechte» des Internationalen Währungsfonds (IWF), die auf einem Geldkorb aus Dollar, Euro, Pfund und japanischem Yen beruhen. Zahlreiche Experten halten den Vorstoss jedoch nicht für realistisch. Solange lebenswichtige Rohstoffe wie Erdöl in Dollar gehandelt werden, könne sich niemand ernsthaft dranmachen, den Dollar durch andere Währungen zu ersetzen, heisst es. Ausserdem müsse eine supranationale Zentralbank geschaffen werden.

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