«Keine Invasion von Rumänen in der Schweiz»

Am 8. Februar stimmt die Schweiz über die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Rumänien ab. Der rumänische Botschafter in Bern sieht diese Erweiterung als Recht seines Landes und als Beitrag zu besseren Beziehungen.

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«Bund»:Wie viele Rumänen arbeiten im Ausland?

Ionel Nicu Sava: Der neuste EU-Bericht zum Arbeitsmarkt zeigt, dass rumänische und bulgarische Arbeitnehmer in EU-Ländern nur 0,5 Prozent aller ausländischer Arbeitskräfte ausmachen. Der Zustrom aus den alten 15 EU-Staaten über ganz Europa ist grösser als derjenige aus den neueren Mitgliedstaaten – dies gilt auch für die Schweiz. Der Bericht zeigt zudem, dass die Zahl der Rumänen, die in westlichen Ländern eine Arbeit suchen, weit unter den anfänglichen Befürchtungen liegt. Der Höhepunkt abwandernder Rumänen ist überschritten – wer das Land verlassen wollte, hat dies bereits getan.



Wie viele Rumänen arbeiten in der Schweiz?

Rumänen machen weniger als 0,4 Prozent aller EU-Angehörigen in der Schweiz aus. Es sind 4000 Menschen. Viele haben sich bereits vor 1990 hier niedergelassen. Viele von ihnen haben gute Positionen inne. Umgekehrt arbeiten in Rumänien etwa 900 Schweizer.



Warum arbeiten Rumänen im Ausland, wenn es im eigenen Land an Arbeitskräften mangelt?

Die rumänische Wirtschaft wuchs im letzten Jahr um acht Prozent. Das ist das Resultat von Investitionen und einer schnellen Entwicklung im Bausektor. Es gibt tatsächlich einen Bedarf an Arbeitskräften. Mittel- und längerfristig will die rumänische Regierung ihre Arbeitskräfte im Ausland wieder nach Hause holen. Wenn sich die Löhne gemäss dem Wirtschaftswachstum entwickeln, haben die Rumänen Anreize, nach Rumänien zurückzukehren. Die Wirtschaftsprognosen für 2009 sagen trotz Wirtschaftskrise ein Wachstum von 3 bis 4 Prozent voraus.



Trotzdem, Rumänen verdienen in ihrer Heimat nur einen Bruchteil der Schweizer Löhnen.

Ausgebildete Arbeitnehmer werden immer von besseren Löhnen angezogen. Die rumänischen Einkommen haben sich in den letzten Jahren fast verdoppelt, trotzdem bestehen noch Unterschiede. Diese auszugleichen, gehört zum Prinzip der EU, aber das braucht Zeit.

Gewisse politische Kreise in der Schweiz befürchten, dass mit der Ausdehnung der Personenfreizügigkeit viele Rumänen in die Schweiz kommen. Wie viele werden kommen?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine «Invasion» von Rumänen geben wird. In die Schweiz kommen nur diejenigen Rumänen, die bei einer Schweizer Firma eine Stelle finden.



Wie wichtig ist für Rumänien die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit der Schweiz auf Rumänien?

Sie ist für Rumänien so wichtig, wie für alle anderen 26 EU-Staaten. Es ist grundlegend, dass die Rumänen die gleichen Rechte haben wie alle anderen Bürger der EU. Die Ausdehnung wird dazu beitragen, das gegenseitige Verständnis und eine bessere wirtschaftliche und kulturelle Beziehung mit der Schweiz zu fördern.



Wie profitiert Rumänien von der Mitgliedschaft in der EU?

Es ist ein Rahmen für die weitere Entwicklung zu einem modernen Staat. Ob wir von der EU profitieren können, hängt von uns ab. Wir hatten in den letzten fünf Jahren ein konstantes Wirtschaftswachstum, und der Lebensstandard hat sich verbessert. Die EU-Mitgliedschaft bietet uns Zugang zu Beiträgen aus den EU-Fonds.



Warum schöpft Rumänien die EU-Fonds nicht besser aus?

Die Wirkung jeder Investition wird nicht über Nacht sichtbar. Vom Zeitpunkt, an dem ein EU-Förderprojekt eingereicht wird, bis zur Auszahlung vergehen zwei bis drei Jahre. Nach nur zwei Jahren ist es zu früh zu sagen, Rumänien schöpfe die EU-Fördergelder nicht aus.



Dann ist Rumänien mit der EU-Mitgliedschaft zufrieden?

Ja sicher, Rumänien ist zufrieden. Ich bin überzeugt, dass es eine Erfolgsgeschichte ist. Aber der EU-Beitritt war nicht das Ende des Weges. Es gibt viele Herausforderungen, die wir anpacken müssen.



Die EU kritisiert Rumänien wegen Korruption. Zu Recht?

Ich würde nicht von Kritik sprechen, es sind mehr Leitlinien. Die rumänischen Behörden haben Schritte unternommen, um die europäischen Standards zu erfüllen. Der wichtigste Fortschritt ist die Bildung eines transparenten Rechtssystems. Wir haben heute ein funktionierendes Gerichtswesen mit unabhängigen Richtern. Rumänien hat Reformen gegen die Korruption durchgeführt, die administrativen Verfahren vereinfacht und die Tätigkeit der lokalen öffentlichen Stellen verbessert. Es gibt eine Behörde, die gegen Korruption der Politiker vorgeht, damit das Vertrauen der Bürger in diese steigt. Die letzte Beurteilung durch die EU-Kommission hat diese Entwicklungen gewürdigt und darauf hingewiesen, dass noch Arbeit ansteht.

Interview: Anita Bachmann>

Erstellt: 16.12.2008, 01:15 Uhr

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