Grossauftrag für Alstom wackelt

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Die Verunsicherung bei den Lieferfirmen ist gross, nachdem die Schweiz, Österreich und Deutschland beschlossen haben, das Staudamm-Projekt Ilisu in der Türkei nicht mehr via Exportrisikogarantien abzusichern. «Wie es weitergeht, steht in den Sternen», so bringt ein Sprecher des am Projekt beteiligten Tessiner Ingenieurbüros Maggia die Stimmung auf den Punkt.

Am härtesten betroffen in der Schweiz sind die von Baden aus geführte Kraftwerk-Sparte von Alstom, Maggia und zwei weitere Ingenieurbüros. Alstom hätte, zusammen mit der österreichischen Andritz-Gruppe, die Ausrüstung mit Turbinen und Generatoren zur Stromerzeugung liefern sollen. Es geht um viel Geld. Für Alstom steht mit Ilisu ein Auftragsvolumen von 110 bis 120 Millionen Euro auf dem Spiel, für Andritz 235 Millionen Euro.

Letzte Hoffnung

Nach dem Ausstieg von Schweiz, Österreich und Deutschland hängt der Grossauftrag aus der Türkei finanziell völlig in der Luft. Alstom-Sprecherin Mary Varkados gibt sich bedeckt: «Wir haben die Entscheidung der drei Länder zur Kenntnis genommen und prüfen die möglichen Konsequenzen für Alstom.» Deutlich wird dafür die am Ilisu-Projekt beteiligte Beratungsfirma AF-Colenco in Baden: Durch die Aufhebung der Exportrisikogarantien «werden die entsprechenden Lieferverträge der beteiligten Konsortien terminiert».

Einen Hoffnungsschimmer gibt es noch für Alstom und andere Lieferfirmen. «Der türkische Umweltminister hat jüngst gesagt, Ilisu sei für die Türkei von strategischer Bedeutung und werde auf jeden Fall realisiert», sagt Alexander Schwab von Andritz, die Konsortialführerin des Projekts ist: «Wegen des Wegfalls der Exportrisikogarantien fehlen nun aber von der Gesamtfinanzierung von 1,2 Milliarden Dollar rund 450 Millionen Euro. Wie die Türkei diesen Betrag aufbringt, ist offen.»

Revanche-Aktionen?

Selbst wenn die Türkei die Finanzlücke schliessen kann, ist jedoch offen, ob Alstom und die Schweizer Ingenieurbüros noch dabei sind. Sollte China oder Indien in die Lücke springen, wie gemutmasst wird, werden sie auch die Lieferanten mitbestimmen wollen. Schwab sagt, er befürchte nun Revanche-Aktionen Ankaras für europäische Firmen: «Politische Reaktionen der Türken wären logisch.» (Der Bund)

Erstellt: 08.07.2009, 09:13 Uhr

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