Suche nach den Wurzeln

Region Bern

Lewis Rohrbach lebt für die Vergangenheit. Seit seinem 17. Lebensjahr durchforstet der Amerikaner historische Quellen auf der Suche nach den eigenen Wurzeln. Sein unkonventionelles Vorgehen wirbelt dabei Staub auf.

Fühlt sich wohl inmitten seiner Bücher: Lewis Rohrbachs Bücherregal zählt mehr als 12000 Exemplare. (Adrian Moser)

Fühlt sich wohl inmitten seiner Bücher: Lewis Rohrbachs Bücherregal zählt mehr als 12000 Exemplare. (Adrian Moser)

Auf der Suche nach dem Glück sind Lewis Rohrbachs Vorfahren 1743 von Hinterfultigen nach Pennsylvania ausgewandert. 2001 kehrte Rohrbach wieder in die Schweiz zurück. Mit im Gepäck 12000 Bücher, ein unvollständiger Stammbaum und der Wille, die Familiengeschichte lückenlos zu erschliessen. Als das Staatsarchiv Bern 2004 die Einsichtnahme in die für seine Recherchen notwendigen Kirchenbücher aufgrund von Sparmassnahmen einschränken will, droht Rohrbachs ohnehin zeitaufwendige Forschung ins Unendliche zu verkommen. Mit einem in Genealogenkreisen unüblichen Vorschlag wirbelt der Wahlworber in der Folge viel Staub auf: Er will die Kirchenbücher der 400 bernischen Gemeinden allesamt kurzerhand digitalisieren. Trotz heftigem Widerstand einheimischer Forscher setzt Rohrbach die als Geldmacherei verteufelte Idee in die Tat um. Während dreieinhalb Jahren sichtet er 2700 Mikrofilme und kopiert die Kirchenbücher auf CDs.

«Damit verdient man kein Geld»

Zugegeben, er habe nach all den Mühen nicht damit gerechnet, nur so wenige Exemplare der digitalen Kirchenbücher zu verkaufen. Was mit Pioniergeist begonnen hat, ist nämlich gelinde gesagt von wirtschaftlich mässigem Erfolg gekrönt. Nur gerade eine Handvoll Interessenten leisteten sich bisher die zwischen 150 und 300 Franken teuren CDs. Enttäuscht darüber ist Rohrbach aber keineswegs. Im Gegenteil: «Meine Erwartungen wurden sogar übertroffen.» Als ehemaliger Banker und Börsenspezialist an der Wallstreet habe er nie damit gerechnet, dass Geld der Mühe Lohn sei. «Mit dem verdient man nicht Geld. Man verliert nur welches», lacht Rohrbach. Was man dank der Digitalisierung der Daten gewinne, sei nicht Geld, sondern Zeit, erklärt der Pragmatiker. «In wenigen Sekunden kann man beispielsweise von der Seite drei des ersten Kirchenbuches zur Seite 300 des achten Kirchenbuches einer Gemeinde wechseln. Das Forschen auf CD ist effizient und man erreicht in einer Stunde mehr als früher in einem Tag.»

500 Bücher im Eigenverlag

Rohrbach erforscht die eigene Familiengeschichte nun schon seit 50 Jahren. Mittlerweile hat der zertifizierte Genealoge fünf Bücher über die Rohrbach-Familiengeschichte verfasst, ein sechstes ist gerade in Arbeit. Dabei greift er sowohl auf die digitalisierten Kirchenbücher als auch auf andere Quellenbestände zurück. Viele der Quellen hat er in transkribierter Form im eigenen Bücherregal stehen – Marke Eigenverlag. Bereits vor 37 Jahren gründete Rohrbach im amerikanischen Rockport den Verlag Picton Press. Unter diesem Namen sind bisher über 500 genealogische und historische Bücher erschienen. Besonders stolz ist Rohrbach auf die Transkription des Bürgerverzeichnisses des Kantons Bern von 1798. «Es kostete mich 20 Jahre, das Bürgerverzeichnis zu publizieren.» Für einige seiner Forschungsarbeiten wurde der eifrige Familienforscher sogar mit Preisen ausgezeichnet. So erhielt er 1970 unter anderem den ersten Preis der Maryland Historical Society, wurde 1995 mit dem Donald Linus Jacobus Award für die beste genealogische Arbeit und 2002 mit dem Paroz-Preis der Swiss American Historical Society ausgezeichnet.

Zürcher Kirchenbücher im Visier

Trotz seinen 67 Jahren will und kann Rohrbach die alten Zeiten noch nicht ruhen lassen. «Ich bin sehr interessiert an den Quellenbeständen des Kantons Aargau. Gerne würde ich auch die Kirchenbücher der zürcherischen Gemeinden digitalisieren.» Bisher habe sich das Staatsarchiv Zürich zwar eher skeptisch darüber geäussert. «Aber ich habe Zeit.»

Der Bund

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