Bolligen

Diskussion um Verdichtung

Die Zahl der erlaubten Wohnungen pro Haus wird in Bolligen nicht limitiert. Ein entsprechender Antrag wurde abgelehnt und das Baureglement gutgeheissen. Der zweite Teil der Ortsplanungsrevision ging anders als der erste geräuschlos über die Bühne.

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Am 26. August hatten sich 1300 Einwohnerinnen und Einwohner wegen der Ortsplanungsrevision an der Gemeindeversammlung eingefunden. Die grössten der geplanten Wohnüberbauungen wurden gestoppt. Gegen halb zwei in der Nacht wurde die Gemeindeversammlung abgebrochen, mitten in der Diskussion über den Zonenplan 2, der die Landschaftsbereiche betrifft. In den letzten Monaten hat sich der Gemeinderat mit betroffenen Landwirten an einen Tisch gesetzt und einen Kompromiss ausgearbeitet, wie Gemeinderat Jon Duri Tratschin (sp) am Dienstagabend an der Gemeindeversammlung im Kirchgemeindehaus Bolligen ausführte. Landwirte hatten Bedenken geäussert, dass durch die Vergrösserung des Landschaftsschutzgebietes Riedli-Hüenerbüel Aussiedlungen und Obstbau erschwert oder verunmöglicht würden. Das Gebiet wird verkleinert, ein Korridor beim Strässchen von Flugbrunnen Richtung Deisswil wird nicht geschützt: Somit sind dort in Zukunft landwirtschaftliche Bauten möglich. Der Zonenplan 2 wurde von den 263 anwesenden Stimmberechtigten mit nur wenigen Gegenstimmen angenommen. Damit werden in Ferenberg, Flugbrunnen und Bantigen Weilerzonen geschaffen. Bestehende Gebäude können für Wohnen und Gewerbe ausgebaut werden.

Knackpunkt Baureglement

Beim Baureglement gaben die Masse für Gebäude in den Wohnzonen W1 und W2 zu Diskussionen Anlass. Er wolle Wohnblöcke mitten in Einfamilienhaus-Siedlungen verhindern, sagte Hans Graf. Er nannte eine grosse Baugrube vor seinem Haus als abschreckendes Beispiel (siehe Bild). Graf schlug darum vor, die Zahl der Wohneinheiten pro Haus auf zwei respektive auf drei Wohneinheiten zu beschränken, da sonst der Spekulation Tür und Tor geöffnet würden. Zudem sollte die Gebäudelänge statt 30 Meter (W2) nur 26 Meter betragen. Graf führte auch die hohen Immobilienpreise in Bolligen ins Feld. Für Otto Melliger ging Grafs Argumentation nicht auf: Durch die Limite werde es zu unsinnigen Grundrissen kommen. Die Wohnungen würden gegen 300 Quadratmeter gross. «So wird Geld vernichtet.» Melliger beantragte, dass keine Limite eingeführt wird.

Gemeinderat Richard Moser (bolligen parteilos) sagte, durch die erhöhten Gebäudemasse werde kein Bauboom in Bolligen ausgelöst, man wolle auch nicht das Dorfbild verschandeln. Es werde lediglich ein verdichteter Wohnbau ermöglicht, sagte Moser, der dazu aufrief, «nicht kleinkrämerisch» zu denken. Der Antrag von Hans Graf wurde mit eindeutigem Mehr abgelehnt. Es gibt in Bolligen keine Beschränkung der Anzahl erlaubter Wohneinheiten pro Gebäude. Detail am Rande: Auch der Gemeinderat hatte zuerst eine Limite (zwei bzw. vier Wohnungen) vorgeschlagen. Mit dem Vorschlag wollte man Graf ursprünglich entgegenkommen. Da am 26. August aber die Einzonungen zum grossen Teil bachab geschickt wurden, schwenkte er auf den Antrag von Melliger ein.

Im Baureglement wurden weiter die Bestimmungen über das Aufstellen von Mobilfunkantennen verschärft. Die Formulierung im Artikel 16 wurde auf Antrag von Urs Bartetzko ergänzt. Antennen sind nicht nur «in Ortserhaltungsgebieten, auf schützens- und erhaltenswerten Bauten und in deren Umgebung sowie in Landschaftsschutzgebieten», sondern zusätzlich auch bei geschützten Naturobjekten verboten. Bartetzko hatte argumentiert, dass sich sonst ein Schlupfloch für den Ausbau der Antenne am Feltscherweg bilde. Diese steht in der Nähe von Kirschbäumen, die mit dem neuen Zonenplan als Naturobjekte gelten. Der Antrag wurde mit grossem Mehr angenommen. Die Frage ist, wann der Artikel 16 Gültigkeit erlangen wird, denn die Mobilfunkanbieter haben an ihren Einsprachen festgehalten. (Der Bund)

Erstellt: 18.12.2008, 08:21 Uhr

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