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Zeit für eine echte Begegnung

«Mein Weg war alles andere als gradlinig. Ursprünglich war ich Kindergärtnerin. Seit 13 Jahren habe ich eine Praxis für chinesische Medizin mit Schwerpunkt Akupressur. Für die Ausbildung als Naturheilpraktikerin habe ich mich vor 15 Jahren entschieden. Ich hatte Rückenprobleme und liess mich von der Kollegin behandeln, mit der ich heute die Praxis teile. Bei meiner Arbeit habe ich festgestellt, dass Krankheit und Schmerz oft mit dem Umfeld zusammenhängen. In der chinesischen Medizin gibt es drei Säulen, den Körper, die Psyche und das soziale Umfeld. Bei uns werden Leiden des Körpers und der Psyche behandelt; in Bezug auf das soziale Umfeld besteht Nachholbedarf.»«Die Menschen werden immer einsamer, viele sehnen sich nach einem Partner, brauchen einen Partner zum Glücklichsein. Die ganze Partnerfindungs-Industrie boomt, die Plattformen im Internet und Speeddating. Ich war auch mal auf Partnersuche. Damals meldete mich eine Freundin zum Speeddating an. Mir war das viel zu oberflächlich. Wenn man in ein Schema passt, dann mag es gehen. Wer nicht mehr 35 Jahre jung, hübsch und schlank ist, ist ausgesteuert. Nach diesem Erlebnis habe ich mir gesagt, dass es andere Wege geben muss, Menschen kennenzulernen. Ich stelle Liebe auf den ersten Blick infrage. Wer verliebt ist, blendet immer etwas aus. Ich denke, man kann einen Menschen erst richtig kennenlernen, wenn man sich auf der Ebene des Herzens begegnet. Dafür braucht es mehr Zeit als sieben Minuten. Deswegen haben wir mit der ,Begegnung der Herzen‘ begonnen.»«Eigentlich sollte man denken, dass die Leute immer offener werden. Aber das Gegenteil ist der Fall. Viele haben Angst, haben in der Disco nicht den Mut, jemanden anzusprechen. Oft wird viel zu viel vom Gegenüber erwartet. Bei der ,Begegnung der Herzen‘ ermöglichen wir den Leuten eine positive Erfahrung. Zuerst haben wir das ,Slowflirting‘ genannt. Der Begriff ,Flirting‘ hat die Menschen aber gehemmt. Eigentlich wollen wir aber nur die Begegnung ermöglichen. Was daraus entsteht, ist offen, ob Partnerschaft oder Freundschaft. Alles ist möglich, aber es muss nichts sein. Beim ersten Anlass vor einigen Wochen waren die Teilnehmer zwischen 25 und 60 Jahre alt. Schön wäre es, wenn wir noch mehr Männer hätten. Es war ein lockerer Abend, wir haben viel gelacht. Was wir gemacht haben? Das möchte ich nicht im Detail sagen. Ein Beispiel: Jeder hat auf einen Zettel geschrieben, was er oder sie Positives vom Gegenüber wahrnimmt. Anschliessend hat jeder einen Stapel mit Komplimenten erhalten. Einzelne haben Telefonnummern ausgetauscht. Es ist noch zu früh, um zu sagen, ob daraus Beziehungen oder Freundschaften entstehen werden. Wichtig ist vorerst nur die Begegnung.»Pascale Hofmeier>

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