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Zarter Riese

Im Botanischen Garten Bern ist derzeit der grösste Schmetterling der Welt zu sehen.

Atlasspinner, die nur etwa zehn Tage leben, sind momentan die Attraktion im Botanischen Garten. (zvg/Markus Bürki)
Atlasspinner, die nur etwa zehn Tage leben, sind momentan die Attraktion im Botanischen Garten. (zvg/Markus Bürki)

Er trinkt nicht, frisst nicht, bewegt sich kaum, fast scheint es, er hänge nur zum Entzücken der Besucher am Kirschlorbeerbaum im Botanischen Garten. Der Atlasspinner (Attacus atlas) ist nicht ein Schmetterling wie Schwalbenschwanz & Co: Seine Flügelspannweite kann 30 Zentimeter erreichen, seine rostbraun-roten und weiss-schwarzen Schuppen zeichnen ein faszinierendes Muster auf seine geschwungenen Flügel. «Nun ist bereits der Zweite geschlüpft», sagt Markus Bürki, Gärtner im Botanischen Garten, und deutet auf einen unwirklich grossen Sommervogel. Der Schmetterlingsexperte züchtet die Atlasspinner, die weltweit grössten Schmetterlinge aus Südostasien, bereits seit einigen Jahren – mit Erfolg: Jeden April und Juni zwängen sich die Riesenfalter aus ihren engen Kokons. Ein Leben für die FortpflanzungSo prächtig sein Aussehen, so kurz sein Leben: «Ein Atlasspinner lebt etwa zehn Tage», erklärt Bürki. Und zwar lediglich für die Fortpflanzung, Mundwerkzeuge zur Nahrungsaufnahme oder einen Rüssel zum Nektarsaugen hat der Schmetterling gar nicht entwickelt. «Das ist bei den sogenannten Augenspinnern üblich», erklärt er. Das Weibchen legt in dieser Zeit eine Unmenge an Eiern, «sie kleben überall», sagt Bürki und zupft ein 3-Millimeter-Ei von einem Blatt. Daraus schlüpft in eineinhalb Wochen eine kleine Raupe, die sich an Liguster und Kirschlorbeer fett frisst und sich anschliessend verpuppt. In einem Jahr bringt diese Schmetterlingsart zwei oder drei Generationen hervor – ein Zyklus, der gemäss Bürki von Temperatur und Tageslänge abhängt. Den Winter verbringt der Falter sicher im Kokon. Schlangenkopf auf dem FlügelDas Fasziniernde des Schmetterlings liegt aber nicht nur in seiner Grösse: Die Männchen des Atlasspinners haben riesige, gelbe, reich gefiederte Fühler. Dadurch wird die Oberfläche der Fühler x-fach vergrössert, und das Männchen kann kleinste Mengen an Lockstoffen, welche die Weibchen absondern, aufnehmen – damit wird die Partnersuche im kurzen Erwachsenenleben um einiges einfacher. Und ein weiteres faszinierendes Merkmal zeigt Markus Bürki an der Spitze des Vorderflügels: Die Zeichnung sieht einem Schlangenkopf ähnlich. «Ein Trick gegen mögliche Frassfeinde: Entweder lassen sich etwa Vögel von einem Angriff abschrecken oder sie picken erst auf das Kopfbild und nicht auf den Schmetterlingskörper.»

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