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Wie soll Bern vor Hochwasser geschützt werden?

Der Bevölkerung in den Aarequartieren auf den Mund zu schauen – das war Ziel der gestrigen Podiumsdiskussion. Doch aus den Mündern der Mätteler und Altenberg-Bewohner kamen verschiedenste Ansichten – und auch einige böse Worte Richtung Politik.

Das eigentliche Fazit des Abends lieferte Moderator Roland Jeannerat in einer flapsigen Randbemerkung mitten in der Veranstaltung: «Für alle Mätteler zu sprechen, das hat noch nie jemand geschafft.»

Dabei wäre Gemeinderätin Regula Rytz (gb) gestern eigentlich ins Bistrot des Krankenheims Altenberg gekommen, um zu erfahren, welchen Hochwasserschutz sich die Anwohner der betroffenen Quartiere wünschten. Den Gefallen machten die rund 70 Anwohner von Altenberg und Matte der zuständigen Tiefbaudirektorin nicht.

Aber der grosse Auflauf und die Emotionalität der Diskussion, die sich über zwei Stunden hinzog, verdeutlichten zumindest, dass das Thema bewegt – und gestern gar einige Male die Gemüter zum Kochen brachte.

Und etwas zeigte sich auch deutlich: Mit der neu ins Spiel gebrachten dritten Variante (siehe Kasten) können die Anwohner kaum etwas anfangen. Dolores Dana, FDP-Stadträtin und Mitmotionärin der dritten Variante, erntete teilweise empörten Widerspruch. Dana befand, dass die Matte-Bewohner wieder vermehrt mit Hochwasser leben lernen müssten: «Man wohnt auch nicht im Berner Oberland und erwartet keinen Schnee.» Man müsse für jedes Haus eine eigene Analyse erstellen – und bauliche Massnahmen ergreifen, etwa mit Heizungen im ersten Stock.

Als «irrsinnig arrogant» bezeichnete ein Anwohner Danas Argumentation. Man dürfe in heutiger Zeit von den Anwohnern nicht verlangen, dass sie wie vor hundert Jahren lebten. Ein anderer meinte, dass sich die Welt verändert habe – dem werde etwa auch in der Verkehrspolitik Rechnung getragen. Zum sogenannt «dritten Weg» wurden viele Bedenken laut. «Wie kann man von einem Spengler verlangen, dass er in den ersten Stock zieht?», fragte eine Zuhörerin. Sie habe die Nase voll von der Politik, die nun einen wirksamen Schutz verzögere.

Sie habe auch keine Freude, dass es zu einer Verzögerung von mindestens einem Jahr komme, sagte Rytz. Und sie kritisierte vor allem die FDP, die eine Kehrtwende vollzogen habe und noch vor zwei Jahren betont habe, dass die Kosten keine Rolle spielen würden. Doch dies gehöre halt zu einem demokratischen Prozess.

«Nicht in Stein gemeisselt»

Und auch Stadtingenieur Hanspeter Wyss sagte, er nähme es sportlich, auch wenn die aufwendige Arbeit der Projektgruppe, die Wyss leitet, mit der dritten Variante torpediert werde. Wyss und Rytz wurden gestern nicht müde, zu betonen, dass auch die Variante Objektschutz nicht in Stein gemeisselt sei – auch nicht die Mauer, die im Rat wie in den Quartieren auf wenig Gegenliebe stösst. So stellte er etwa in Aussicht, dass im Dalmazi und im Altenberg statt einer Sandsteinmauer unter Umständen auch eine aufklappbare Einrichtung möglich wäre. Die Antwort des Gemeinderats auf die dritte Variante soll im Dezember dem Parlament vorgelegt werden.

Eine gefühlte Saalmehrheit im Rücken hatte Andreas Lüthi vom Komitee «Pro Stollen». Er warf Behörden und Gemeinderat vor, mit seiner Objektschutz-Variante den «Bezug zur Realität» verloren zu haben, vor allem, was die «unsägliche» Mauer angehe. Ein Stollen-Befürworter aus dem Publikum erinnerte daran, dass bereits ein alter Stollen bestehe – zwischen Marzili und Blutturm. «Dieser wäre doch nutzbar.» Er sei aber 1906 an einer Stelle eingebrochen, wusste ein Geschichtsbeflissener zu berichtigen. Obwohl ein Stollen-Befürworter, lobte der Alt-SP-Stadtrat und Altenberg-Bewohner Andreas Krummen die Arbeit der Behörden. Seit dem Hochwasser von 2005 werde erstmals sauber geplant. Die anwesenden Anwohner warnte er, sich nun nicht in Grabenkämpfen zu verstricken. Bei diesem komplexen Thema käme nämlich die restliche Stadt bald nicht mehr mit. «Und dann kommen die Bümplizer und lehnen alles ab.»

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