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Waffen: «Furt mit däm gfährliche Züüg»

Kostenlos und ohne mit Sanktionen rechnen zu müssen, können zurzeit private Waffen abgegeben werden – auch illegale. In Bern war gestern der erste Sammeltag. Gebracht wurden Karabiner, Pistolen, Bajonette und eine Rakete.

Kurz nach elf Uhr marschiert ein älterer Mann mit geschultertem Karabiner über das Zeughausareal. Am Eingang drängt sich bereits eine Gruppe von Männern. Alle haben Gewehre dabei. «Furt mit däm gfährliche Züüg», sagt einer, der aus einem Auto zwei historische Militärgewehre auspackt. In Bern fand gestern der erste Aktionstag der freiwilligen Waffen- und Munitionsrückgabe im Kanton Bern statt. «Einige waren bereits eine halbe Stunde vor Eröffnung da», sagt Max Dällenbach, Abteilungsleiter Militär beim Amt für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär (BSM). Der Kanton setzt mit der freiwilligen Waffenrückgabe einen parlamentarischen Vorstoss um. Waffen in Privathaushalten stellten eine Bedrohung dar, begründete SP-Grossrätin Nadine Masshardt. Statistiken zeigten den Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit von Schusswaffen und der Häufigkeit von Suiziden sowie Familiendramen.

Zum Schutz der Grosskinder

Der «Sicherheitsaspekt» steht auch für einen Rentner aus der Region Fraubrunnen im Vordergrund. Er bringt ein Langgewehr mit Jahrgang 1911 mit, die Ordonnanzwaffe seines Vaters. «Ich habe fünf Grosskinder und will nicht, dass etwas passiert.» Unter dem Arm trägt er zudem in einer Kartonkiste drei Bajonette und mehrere Pakete Munition, die er loswerden will. Plötzlich steht ein anderer neben ihm und will ihm eine Packung 9-Millimeter-Pistolenmunition abkaufen. Die beiden sind sich schnell einig, für 20 Franken wechselt die Munition den Besitzer. «Hoffentlich macht er keinen Blödsinn damit», sagt der Verkäufer. Der Handel gehe in Ordnung, der Käufer habe eine Lizenz, sagt ein BSM-Mitarbeiter.

Nicht legal ist aber ein anderes Geschäft, das sich wohl fast gleichzeitig irgendwo draussen auf dem Areal abspielte: Einer wollte bei der Gelegenheit ein Sturmgewehr 57 erwerben. Der Käufer geht in die Defensive, als die Nachricht per Handy verbreitet wird. «Ich habe nicht gewusst, dass ich einen Erwerbsschein brauche.» Die Angelegenheit wird dann ausser Hörweite der Journalistin geregelt.

Unter das gemäss Schengener Abkommen revidierte Waffengesetz fällt neu nicht nur der Erwerb, sondern auch der Besitz von Waffen. «Private Besitzer müssen ihre Waffen bis Ende Jahr registrieren lassen. Wenn sie dieses Prozedere nicht mitmachen wollen, können sie die Waffen jetzt kostenlos abgeben», sagt Dällenbach. Die Gewehre, Pistolen, Säbel und Patronen werden dann vernichtet. Zwei Stunden nach Aktionsbeginn liegen bereits 111 Feuerwaffen in den dafür vorgesehenen Holzkisten. Aufgrund der Erfahrungen etwa aus den Kantonen Basel-Stadt, Solothurn oder Nidwalden rechnet Dällenbach mit 2000 Waffen, die an den insgesamt acht Tagen in Bern, Thun und Wangen an der Aare zusammenkommen werden. Schweizweit gehe man von 2,4 Millionen Schusswaffen in Haushalten aus, sagt Masshardt. Sie sei zufrieden mit dem Start, anscheinend finde die Aktion Anklang. «Jede Waffe weniger in einem Haushalt bedeutet mehr Sicherheit.»

Auch verbotene Waffen

Weil niemand mit Sanktionen rechnen muss, können auch verbotene Waffen wie etwa Schmetterlingsmesser abgegeben werden. Nicht ganz im legalen Bereich dürfte auch der Besitz einer Übungsrakete sein, die ein Herr in Krawatte auf den Tisch stellt. «Gfürchig», sagt ein BSM-Mitarbeiter und rutscht mit seinem Stuhl ein Stück nach hinten. «Es ist ein Souvenir aus der Rekrutenschule», sagt der «Kunde» und kann sich ein spitzbübisches Lächeln nicht verkneifen. «Wir müssen auch damit rechnen, dass jemand mit geladener Waffe kommt», sagt Dällenbach. Mehrere Plakate im Areal geben die Anweisung, nicht mehr an den Waffen zu hebeln. Denn wenn Leute etwa im Auftrag des Grossvaters Waffen vorbeibrächten, hätten sie oft keine Ahnung, wie die Waffen zu handhaben seien. «Vier Gewehre, zwei vom Vater und zwei vom Grossvater», antwortet eine Frau auf die Frage, was sie mitgebracht habe. «Ja, sicher», sie sei erleichtert, sagt sie und verlässt das unheimliche Waffenarsenal wieder auf schnellstem Weg.

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