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Strom gegen Vorauszahlung

Um Zwangsabschaltungen bei zahlungsunwilligen Kunden zu vermeiden, hat Energie Wasser Bern (EWB) ein Vorauszahlungssystem eingeführt.

400 bis 500 Zwangsabschaltungen pro Jahr musste Energie Wasser Bern (EWB) jeweils in den Vorjahren vornehmen, 2008 waren es noch 323. Der durchschnittliche ausstehende Rechnungsbetrag belief sich auf knapp 400 Franken. Dieses Jahr sollen es nur noch vereinzelte Abschaltungen sein: «Wir haben den Inkassoprozess geändert», sagt EWB-Sprecher Thomas Hügli auf Anfrage. Wertkarte am SchalterBei Kundinnen und Kunden, die schon mal betrieben wurden, baut EWB neuerdings Pre-Payment-Zähler ein. Die Wertkarte müssen insolvente Strombezüger vorgängig am EWB-Kundenschalter aufladen. Sie können dann nur so viel Strom beziehen, wie sie im Voraus bezahlt haben.Die Vorauszahlung weist laut Hügli Vorteile auf: «Sie ist kundenfreundlicher als die Zwangsabschaltung; und sie verursacht für uns weniger Aufwand.» Laut Hügli ist die Zahlungsmoral nach wie vor «sehr gut»; der Abschreiber belaufe sich auf 0,04 Prozent des Umsatzes. Mit jenen, welche die Rechnungen nicht bezahlten, suche EWB aktiv das Gespräch; sehr häufig würden auch Ratenzahlungen vereinbart. Im Wiederholungsfall, wenn Mahnungen und Betreibungen nicht zum Ziel führen, installiert EWB nach eigenen Angaben den Pre-Payment-Zähler.Besuch vom PrivatelektrikerDie Bernischen Kraftwerke (BKW) sind diesbezüglich offensichtlich weniger zimperlich: Ein Kunde aus Ittigen berichtet gegenüber dem «Bund» von einer Zwangsabschaltung, vorgenommen durch einen privaten Elektriker. Auf einem Computerausdruck – ohne Unterschrift oder Stempel – habe er ihm eine ausstehende Forderung von einigen hundert Franken unter die Augen gehalten. «Der Elektriker verlangte Einlass in meine Wohnung, ohne sich auszuweisen», berichtet der Kunde. Im Nachhinein sei die ausstehende Summe dann nach unten auf unter Hundert Franken korrigiert worden. Für vier Stunden blieb die Wohnung ohne Strom; Aus-, Einschalt- und Mahngebühren beliefen sich auf insgesamt 150 Franken.Abschaltung als Ultima RatioDie BKW gab keine Stellungnahme zum Einzelfall ab. Das Unternehmen widersprach aber der Darstellung, wonach private Elektriker ohne Ausweis die Abschaltungen vornehmen. Eine Abschaltung sei stets Ultima Ratio und werde immer von BKW-Monteuren, die sich entsprechend ausweisen könnten, vorgenommen. «Die säumigen Kunden werden bis zu dreimal gemahnt», sagt BKW-Sprecher Antonio Sommavilla. Immer mehr zahlen in RatenJährlich stelle sich das Problem bei mehreren Hundert Privatkunden; eine steigende Tendenz sei nicht auszumachen. Auch die BKW setzt Pre-Payment-Zähler ein. Der zeitliche Aufwand sei teilweise beträchtlich, da die BKW ein grossräumiges Gebiet versorgt. Immer öfter machten die Kunden aber von Ratenzahlungen Gebrauch. Die ausstehende Summe bewegt sich laut Pressesprecher Sommavilla im tiefen einstelligen Millionenbereich.

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