Zum Hauptinhalt springen

Stadt aktiv gegen Bordelle – auch aus Eigeninteresse

Mindestens vier Bordelle stehen zonenwidrig im Berner Nordquartier. Drei der vier müssten längst geräumt sein. Noch zehn Tage hat der Eigentümer der Liegenschaft am Lagerweg 12 in der Lorraine Zeit, um die Sexsalons zu schliessen.

Er solle wieder Wohnungen anbieten, wie es der Zonenplan vorsieht, hat den Eigentümer das städtische Bauinspektorat aufgefordert. Am Lagerweg 12 bieten Prostituierte seit Jahrzehnten ihre Dienste an. Warum bemüht sich die Stadt gerade jetzt um «eine zonenkonforme Nutzung»? Das Vorgehen steht im Zusammenhang mit einem Wohnhaus, das die Stadt auf einer Parzelle in der Nähe des Etablissements errichten will. An der Lorrainestrasse 27, wo heute eine Autogarage eingemietet ist, soll neuer Wohnraum entstehen. Die Besitzerin des Areals, die städtische Liegenschaftsverwaltung, befürchtet, dass die Rotlicht-Nutzung in der Nähe mögliche Investoren und Mieter abschrecken könnte.Plötzlicher Aktivismus der StadtNicht begeistert vom Vorgehen der Stadt ist der Vizepräsident des Lorraine-Breitenrain-Leists: Seit über vierzig Jahren seien die Prostituierten in zwei Sexsalons in der Lorraine tätig; und «wir leben gar nicht schlecht mit ihnen», sagt Edwin Stämpfli. Die Lorraine sei ein offenes Quartier und das Vorgehen der Stadt «nicht sauber». Stämpfli vermutet, dass sich «gewisse Kreise» auf Kosten sozial Schwächerer profilieren wollten.Das zweite Bordell in der Lorraine müsste bereits verschwunden sein; der Eigentümer ist der Forderung der Stadt aber bislang nicht nachgekommen, sagt Bauinspektor Charles Roggo. Die Rede ist vom Sexsalon an der Lorrainestrasse 60.Das städtische Bauinspektorat wird dem Eigentümer darum in den nächsten Tagen eine Wiederherstellungsverfügung zukommen lassen: Er wird verpflichtet, das Haus nach dreissig Tagen wieder als Wohnraum zu nutzen. Kommt er der Verfügung nicht nach, erstattet die Stadt Anzeige bei der Polizei.Möglich ist allerdings auch, dass der Eigentümer Beschwerde einlegt und den Fall bis vor Bundesgericht zieht. Das rechtliche Hickhack könne zwei Jahre dauern, sagt Roggo, obwohl der Eigentümer vor Gericht letztlich «keine Chance» habe.Eine ähnliche Situation präsentiert sich bei zwei Bordellen im Breitenrain-Quartier. Der Eigentümer beider Liegenschaften habe eine «Gnadenfrist» beantragt, so Roggo. Er wolle die Sexarbeiterinnen in Anstand loswerden, habe der Eigentümer argumentiert. Die Stadt hat dazu Hand geboten. Mittlerweile ist die Frist für die Liegenschaften an der Parkstrasse und am Birkenweg indes abgelaufen. Die Stadt werde in den kommenden Tagen die Lage vor Ort überprüfen, so Roggo.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch